Ahmed Aboutaleb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ahmed Aboutaleb (2007)

Ahmed Aboutaleb (* 29. August 1961 in Beni Sidel, Marokko) ist ein niederländischer Politiker marokkanischer Abstammung. Er ist Mitglied der Partij van de Arbeid (PvdA). Ende Oktober 2008 wurde er Bürgermeister von Rotterdam. Aboutaleb besitzt sowohl die niederländische als auch die marokkanische Staatsangehörigkeit und ist Muslim.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aboutaleb wuchs als Sohn eines Imam in einem kleinen Dorf im marokkanischen Gebirgszug Rif auf. Am 17. Oktober 1976 kam er mit seiner Mutter und seinen Brüdern in die Niederlande. Er lernte die niederländische Sprache und begann ein Studium an der Lagere technische school, anschließend an der Middelbare technische school und der Hogere technische school, mit Spezialisierung Telekommunikation. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Reporter beim Radiosender Veronica Omroep Organisatie und Nederlandse Omroep Stichting, anschließend bei der Fernsehnachrichtensendung RTL Nieuws.[1][2] Später wurde er Pressesprecher im Ministerium für Wohlfahrt, Gesundheit und Kultur (Ministerie van Welzijn, Volksgezondheid en Cultuur) und beim Sociaal-Economische Raad.

1998 wurde er Direktor des Instituts Forum, des Nachfolgers des Niederländischen Zentrums für Ausländer (Nederlands Centrum voor Buitenlanders). Bevor er in die Politik ging, war er als Beamter in der Gemeinde Amsterdam beschäftigt. Er führte hier die Praxis an Amsterdams Grundschulen ein, wonach diese nur Schüler aus der unmittelbaren Nachbarschaft aufnehmen dürfen (Postcodebeleid).

Nachdem der Regisseur Theo van Gogh am 2. November 2004 auf offener Straße von einem Islamisten ermordet worden war, versuchte Aboutaleb, die öffentliche Erregung[3] zu mäßigen. Er wurde als „das Gesicht der Einwanderer“ in der PvdA bekannt. Er versuchte, arabischen Einwanderern die Belastungsgrenzen der niederländischen Toleranz zu erklären und äußerte 2010: „Wer die Werte einer offenen Gesellschaft wie der niederländischen nicht teilt, täte gut daran, daraus die Konsequenzen zu ziehen und fortzugehen.“[4]

Bei der Kommunalwahl am 7. März 2006 erhielt er von allen Bewerbern die meisten Stimmen, obwohl er auf der Liste der PvdA nur den zweiten Platz innehatte.[5] In der neuen Koalition von PvdA und GroenLinks behielt er seinen Zuständigkeitsbereich.

Aboutaleb war im Kabinett Balkenende IV Staatssekretär für soziale Angelegenheiten und Beschäftigung.

Am Abend des Anschlages auf das Satiremagazin Charlie Hebdo (7. Januar 2015) sagte Aboutaleb in einem Interview des niederländischen TV-Senders NOS an islamische Extremisten gerichtet: „Um Himmelswillen, packt doch eure Koffer und geht! Vielleicht gibt es einen Flecken auf der Welt, wo ihr zurechtkommen könnt. Aber bringt nicht unschuldige Journalisten um, das ist so verachtenswert. Verschwindet, wenn ihr in den Niederlanden euren Platz nicht finden könnt.“[6] Dieser Satz fand breite öffentliche Aufmerksamkeit.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Oktober 2008 wurde er von der Stadt Rotterdam als Bürgermeister von Rotterdam aufgestellt. Am 31. Oktober 2008 genehmigte das Kabinett die Ernennung von Aboutaleb zum Bürgermeister von Rotterdam. Er trat am 5. Januar 2009 die Nachfolge von Bürgermeister Ivo Opstelten (VVD) an. Aboutaleb gilt als der erste Bürgermeister marokkanischer Abstammung in den Niederlanden und der erste muslimische Bürgermeister einer westeuropäischen Großstadt überhaupt.[7] Am 18. Dezember 2008 trat Jetta Klijnsma seine Nachfolge als Staatssekretärin für soziale Angelegenheiten und Beschäftigung an.

Am Abend des 11. März 2017 erklärte Aboutaleb das gesamte Stadtgebiet von Rotterdam zur Sonderzone, in der öffentliche Ansammlungen nicht gestattet sind. Zuvor war es unter anderem zu diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen den Niederlanden und der Türkei gekommen;[8] Aboutaleb hatte vor Störungen der öffentlichen Ordnung gewarnt und die Regierung Rutte aufgerufen, dafür zu sorgen, dass unerwünschte Personen aus den Niederlanden ferngehalten werden.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ahmed Aboutaleb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ing. A. (Ahmed) Aboutaleb. Parlement & Politiek, abgerufen am 9. Oktober 2012 (niederländisch).
  2. curriculum vitae burgemeester ahmed aboutaleb. Stadt Rotterdam, abgerufen am 8. Dezember 2016 (niederländisch).
  3. spiegel.de 10. November 2007: Welle der Gewalt erfasst die Niederlande
  4. zit. in: Das Unbehagen der Niederländer, Die Welt, 5. März 2010
  5. Hugo Logtenberg,Marcel Wiegman (2010): Job Cohen: burgemeester van Nederland, S. 152 (online)
  6. siehe: Aboutaleb tegen jihadisten: rot toch op!, NOS.nl, 7. Januar 2015
  7. Ein Welt-Bürgermeister für eine Welt-Stadt (Memento vom 3. August 2009 im Internet Archive) (tagesschau.de)
  8. FAZ.net 11. März 2017: Niederlande schicken türkische Ministerin zurück nach Deutschland
  9. NZZ.ch 11. März 2017: Polizei stellt sich türkischer Ministerin in den Weg
Vorgänger Amt Nachfolger
Ivo Opstelten Bürgermeister von Rotterdam
2008-