Akaflieg München

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Akaflieg München
Das Logo der Akaflieg München
Name Akaflieg München e.V.
Gegründet 1924
Gründungsort München
Vereinssitz Arcisstraße 21
80333 München
Mitglieder ca. 50 (Stand 2014)
Homepage akaflieg.vo.tu-muenchen.de

Die Akaflieg München e.V. ist eine studentische Gruppe an den Münchner Hochschulen, die sich mit der Konstruktion, dem Bau und dem Fliegen von Segel- und Motorflugzeugen befasst. Sie gehört zu den zehn akademischen Fliegergruppen in Deutschland und ist Mitglied der Idaflieg. 2012 arbeiteten rund 40 Studenten,[1] 2014 rund 50 Studenten aktiv an neuen Projekten und im laufenden Flugbetrieb.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turm an der Gabelsbergerstraße

Im Juni 1924 riefen Mitarbeiter und Professoren der Technischen Hochschule München Studenten dazu auf, eine „akademische Fliegergruppe“ zu gründen. Schon ein Jahr nach diesem Aufruf zählte der Verein über 300 Mitglieder und begann mit den Arbeiten an dem ersten Prototyp der Mü1 „Vogel Roch“. Zur gleichen Zeit bezog der Verein seine auch heute noch genutzten Räume im Thiersch-Turm, dem damaligen Wahrzeichen der Hochschule. Der Flugbetrieb fand in Prien am Chiemsee statt.

In den darauffolgenden Jahren gab es einen verstärkten Fokus auf den Motorflug, sodass 1933 mit der Mü 8 auch der erste Motorflieger fertiggestellt wurde. Doch auch im Segelflug gab es ständige Weiterentwicklungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den von Egon Scheibe konstruierten Prototypen Mü 10 „Milan“ und Mü 13 „Merlin“ ihren Höhepunkt fanden. Mit den beiden richtungsweisenden Konstruktionen mit freitragenden Trapezflügeln aus Holz und einem stoffbespannten Stahlrohrrumpf begründete Egon Scheibe die sogenannte Münchner Schule und legte den Grundstein für das später von ihm gegründete Unternehmen Scheibe Flugzeugbau, das mit seinem Bergfalken, einer zweisitzigen Version der Mü 13 „Merlin“, große Erfolge als Schulungsflugzeug feiern konnte.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akaflieg benannte sich in der Zeit des Nationalsozialismus Flugtechnische Fachgruppe (FFG) an der TH München bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt e.V. (DVL). Denn während Segelflugvereine ins paramilitärische Nationalsozialistische Fliegerkorps eingegliedert wurden, galt das nicht für Forschungsgruppen. Der Gruppe wurden daraufhin Staatsmittel vom Reichsluftfahrtministerium zur Verfügung gestellt, was zu einer erhöhten Bautätigkeit führte.

Darunter wurden auch kriegswichtige Projekte an die Akaflieg vermittelt, was die Studenten vor Kriegsmaßnahmen schützte. So entstand das Messflugzeug Mü 18 „Meßkrähe“ und in Zusammenarbeit mit der Akaflieg Darmstadt in Fortführung der D-33 eines der interessantesten Projekte der Akaflieg – die DM-1. Dieser Versuchsgleiter sollte durch Flugversuche die Grundlage für einen neuartigen Überschall-Abfangjäger in Deltaflügel-Bauweise der Lippisch P.13a werden.[2] Bei Kriegsende wurde die DM-1 von Alliierten Truppen beschlagnahmt und zu Windkanalerprobungen in die USA gebracht, wo sie wichtige Erkenntnisse für Deltaflügelflugzeug-Projekte wie die Convair XF-92 brachte.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Bau und der Unterhalt von Flugzeugen durch die Besatzungsmächte verboten war, waren sowohl der Flugbetrieb als auch die Forschung in den ersten Jahren nach dem Krieg für die Akaflieg München nicht möglich. Allerdings fanden sich die Studenten 1945 unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft für Strömungsmechanik“ wieder zusammen und konstruierten unter Anderem ein Starrsegel für ein Boot auf dem Chiemsee. 1951, als das Luftfahrtverbot in Deutschland gelockert wurde, holten die Studenten die Mü 10 „Milan“ aus dem Deutschen Museum [3], wo sie den Krieg schadlos überstanden hatte und begannen erneut mit Forschung und Flugbetrieb. In der Tradition der Münchner Schule wurde 1954 als erstes Projekt nach dem Krieg die Mü 22 mit ihrem charakteristischen V-Leitwerk realisiert.

Akaflieg Mü 30 „Schlacro“

1964 musste die Akaflieg München den Flugplatz Prien am Chiemsee räumen und begann schließlich 1968 am neuen Segelflugzentrum Königsdorf mit dem Flugbetrieb.[4]

Mit dem Aufkommen der Faserverbund-Bauweise im Segelflugzeugbau wurden die Projekte technisch anspruchsvoller, teurer und langwieriger. Was sich zum Beispiel an der fast zehnjährigen Bauzeit der Mü27, dem mit ca. 900 kg Abflugmasse schwersten Segelflugzeug der Welt, zeigte.[5] Ein noch komplexeres Projekt wurde von der Gruppe Mitte der achtziger Jahre mit dem Bau der Mü 30 „Schlacro“ begonnen. Die Mischung aus Kunst- und Schleppflugzeug hatte im Jahr 2000 ihren Erstflug und erhielt nach intensiven Flugversuchen und Modifikationen erst Ende 2011 ihre endgültige Verkehrszulassung.[6][7]

Die Akaflieg München heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akaflieg Mü 31

Die Akaflieg München verfügt heute neben den Räumen im Thiersch-Turm über eine Faserverbundwerkstatt und ein Konstruktionsbüro im Gebäude der Fakultät für Maschinenwesen der TU-München in Garching bei München und über eine Werkstatt in der Hochschule für angewandte Wissenschaften München. Dort arbeiten die Studenten neben ihrem meist technischen Studium mindestens 300 Stunden im Jahr an der Wartung des Flugzeugparks und dem Bau von neuen Prototypen.

Mü 31 im Rohbau, August 2014

Aktuell wird an der Mü 31, einem Hochleistungs-Segelflugzeug der 15m-FAI-Rennklasse, gearbeitet. An dem als Schulterdecker konzipierten Flugzeug soll unter anderem ein optimierter Rumpf-Flügel-Übergang erprobt werden.[8]

Im Dezember 2013 wurde das Nachfolgeprojekt Mü 32 „Reißmeister“ festgelegt. Hierbei handelt es sich um ein einsitziges Segelkunstflugzeug, welches mit der vorgesehenen Wölbklappenautomatik in der Tradition der Mü 28 steht, dabei jedoch verbesserte Abrisseigenschaften für gerissene und gestossene Figuren aufweisen soll.[9]

Der Flugbetrieb findet zusammen mit fünf anderen Vereinen südlich von München im Segelflugzentrum Königsdorf statt. Hier hat jeder Student die Möglichkeit, einen Flugschein zu machen und Prototypen wie die Mü 22 zu fliegen.

Prototypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prototypen der Akaflieg München werden mit dem Präfix für München und der Entwurfsnummer bezeichnet. Eine Ausnahme bilden die Projekte DM-1 bis DM-4. DM steht für Darmstadt-München, da das Projekt D-33 der Akaflieg Darmstadt nach Zerstörung von deren Werkstatt in Kooperation mit der Akaflieg München weitergeführt wurde.

Gleit- und Segelflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorsegler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht verwirklichte Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seite der Akaflieg München, abgerufen am 14. Juni 2012.
  2. Darmstadt-München 1 im Smithsonian National Air and Space Museum, abgerufen am 14. Juni 2012
  3. Die Mü 10 „Milan“ im Webauftritt des Deutschen Museums
  4. Geschichte des Segelflugzentrums Königsdorf, abgerufen am 14. Juni 2012
  5. Die Mü 27 im Webauftritt des Deutschen Museums, abgerufen am 14. Juni 2012
  6. Youtube – Mü 30 Schlacro Interview ILA 2010 (11. Juni 2011), abgerufen am 14. Juni 2012
  7. Mü 30 „Schlacro“ auf der Homepage der Akaflieg München, abgerufen am 14. Juni 2012
  8. Mü 31 auf der Homepage der Akaflieg München, abgerufen am 14. Juni 2012
  9. [1], abgerufen am 27. August 2014

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank-Dieter Lemke, Rolf Jacob: Forschen – Bauen – Fliegen Die Akademischen Fliegergruppen (Akaflieg) in Deutschland bis 1945. Teil 1. In: Flieger Revue extra, 29. Heft, Juni 2010, S. 18–31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Akaflieg München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien