Albrecht Wilhelm Tronnier

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Albrecht Wilhelm Tronnier (* 19. Februar 1902 in Göttingen; † 1. Dezember 1982 ebenda[1]) war ein einflussreicher deutscher Optik-Konstrukteur des 20. Jahrhunderts. Allein in Deutschland wurden von Tronnier 124 Patente erfolgreich angemeldet.[2]

Berufliche Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneider Kreuznach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tronnier trat am 1. Oktober 1924 als Leiter des wissenschaftlich-mathematischen Büros in die Jos. Schneider Optische Werke in Bad Kreuznach ein.[3] Er begann dort mit einer Reorganisation des Fertigungsprogramms. Während der Leitung von Tronnier wurden u. a. entwickelt und patentiert:

Die von Tronnier entwickelten Objektive waren auch militärisch von hoher Bedeutung. Wichtige Kriegsgüter waren beispielsweise die ab 1934 entwickelten Aero-Xenare für die Luftaufklärung. So wurde das 1934 entwickelte Xenon 1:2.0 ab 1936 als Luftwaffen-Handkamera mit 12,5 cm Brennweite für 7x9 cm Negative eingesetzt und bei ISCO (siehe unten) 54.950 Mal gebaut.[7]

ISCO Göttingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1936 übernahm Stefan Roeschlein die Aufgabe von Tronnier, der den Aufbau des Göttinger Schwesterbetriebs von Schneider, ISCO, übernommen hatte. In der am 30. März 1936 als "Jos. Schneider & Co., Optische Werke, Göttingen, KG" gegründeten ISCO wurde Tronnier zum Geschäftsleiter und Prokuristen bestellt.[8] Zum Ausbau der Rüstungsproduktion von Schneider beschleunigte das Reichs-Luftfahrtministerium den Aufbau einer hochspezialisierten Göttinger Fabrik. In Ergänzung zu den Aero-Xenaren wurden unter Tronniers Leitung in Göttingen dann die hoch-lichtstarken Nacht-Xenone für die Luftaufklärung entwickelt:

  • 1940: Nacht-Xenon 1:1,5/300 mm,
  • 1943: Nacht-Xenon 1:2,2/300 mm,
  • 1943: Nacht-Xenon 1:2,3/400 mm,
  • 1944: Nacht-Xenon 1:1,7/300 mm.

International wurde das 1937 entwickelte Xenar 1:2,8 auch als Kodak-Ektar 1:2,8 verkauft.

In den 1940er-Jahren arbeitete Tronnier auch an der Entwicklung von militärischen Großbinokularen für die Flugzeugbeobachtung und -identifikation. Für diesen Zweck entwarf er insbesondere Ultra-Weitwinkel Okulare mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von 82° und 110°.[9]

Farrand Optical Company, New York[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hielt sich Tronnier zumindest zeitweilig in den USA auf. Für die Farrand Optical Company arbeitete er an der Entwicklung des Militär-Feldstechers T14 (7*50).[10] Mitte bis Ende 1950er Jahre reichte Tronnier mit Wohnsitz in New York mehrere Patente für Farrand ein (z. B. Nr. 2.807.983 für ein lichtstarkes, modifiziertes Gaußsches Doppelobjektiv; Nr. 2.923.203 für ein lichtstarkes Objektiv mit großem Bildwinkel; ebenso: 2.837.009). Ein Patent für extrem lichtstarkes Objektiv (bis 1:1,2 und darunter) wurde von ihm für Farrand 1955 eingereicht (Nr. 2.861.500).

Voigtländer Braunschweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1944 war Tronnier wissenschaftlicher Berater von Voigtländer im nahen Braunschweig.[11] Nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Tronnier, zumindest teilweise als "freier Mitarbeiter" und anfänglich auf Wunsch der englischen Besatzungsverwaltung[12], für das Braunschweiger Unternehmen Voigtländer.[13] Wichtige für Voigtländer entwickelte Objektive waren

  • Color-Skopar 1:2,8 (Kleinbild) bis 1:3,6 (6x9-Mittelformat); US-Patent 2.573.511; eine aus dem älteren Skopar abgeleitete Tessar-Variante[14]
  • Color-Heliar 1:3,5 (6x9-Mittelformat); DBP 888772; für die Bessa II[15]
  • Ultron 1:2,0 (Kleinbild); US-Patente 2.627.204 und 2.627.205[16]
  • Super-Ultron 1:0.87 (Suer-Farron 0,87),
  • Nokton 1:1,5 (Kleinbild); US-Patente 2.645.155 und 2.646.721[17] bzw. als siebenlinsige Version für Spiegelreflexkameras das ähnliche Septon.

Für Voigtländer reichte Tronnier 1956 auch ein US-Patent für ein Teleobjektiv (Nr. 2.810.322) ein.

Zeiss/Voigtländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1956 kam Voigtländer zum westdeutschen Zeiss-Konzern. Für Zeiss/Voigtländer rechnete Tronnier bis 1970 u. a.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Februar 1951 wurde A. W: Tronnier auf Vorschlag der Mathematisch-philosophischen Fakultät der Technischen Universität Braunschweig der Titel eines Doktors der Ingenieurwissenschaften ehrenhalber (Dr.-Ing. E. h.) verliehen.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niedersachsen Amt für Landesplanung und Statistik: Neues Archiv für Niedersachsen, Band 5, in: Veröffentlichungen des Niedersächsischen Amts für Landesplanung und Statistik, W. Dorn, Bremen-Horn, 1952, S. 69.

Literatur von A. W. Tronnier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Wilhelm Tronnier (1933) Die Abweichungen geneigter Bündel endlicher Oeffnung im Meridianschnitt zentrierter Linsensysteme. Union-Verlag. 4 S.
  • Albrecht Wilhelm Tronnier (1935) Die moderne Optik. Elsner. 2 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. grabsteine.genealogy.net Familiengrab
  2. Patentrecherche bei DEPATISnet, abgerufen am 14. Juli 2011
  3. Jubiläumsbroschüre der Firma Jos. Schneider (1938) (Memento vom 11. Oktober 2011 im Internet Archive)
  4. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 162
  5. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 152, 217
  6. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 137
  7. Abbildung an Handkamera, abgerufen am 16. Oktober 2016
  8. Jubiläumsbroschüre der Firma Jos. Schneider (1938) (Memento vom 11. Oktober 2011 im Internet Archive)
  9. R. W. Gordon (2007) A Chronological History of Smyth & Barlow Lenses. online verfügbar, abgerufen 5. September 2011
  10. R. W. Gordon (2007) A Chronological History of Smyth & Barlow Lenses. online verfügbar, abgerufen 5. September 2011
  11. Arne Cröll (2005) Voigtländer large format lenses from 1949-1972. View Camera May/June 2005, pp. 34-42; überarbeitete Online-Version (PDF; 1,6 MB), abgerufen am 24. November 2011
  12. Beleg fehlt noch
  13. http://www.vdi-bs.de/docs/Pressemappe-BS12520081127_0159.pdf (Link nicht abrufbar)
  14. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 64, 139
  15. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 143
  16. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 77, 153
  17. H.-M. Brandt (1956) Das Photo-Objektiv. Aufbau und Wirkungsweise der wichtigsten Markenobjektive der Weltproduktion. Friedr. Viehweg & Sohn, Braunschweig. S. 153
  18. Bestand B2 - Akten der Ehrendoktoren (Memento vom 26. Juni 2013 im Internet Archive), Universitätsarchiv der Technischen Universität Braunschweig, abgerufen 13. Juli 2011