Alexanderkirche (Wildeshausen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Luftaufnahme der St.-Alexander-Kirche in Wildeshausen
Die St.-Alexander-Kirche
Westwerk der Kirche
Remter

Die St.-Alexander-Kirche ist ein spätromanisches Kirchengebäude in Wildeshausen. Sie gilt als das älteste sakrale Gebäude und als die einzige erhaltene Basilika im Oldenburger Land.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahre 851 hatte Waltbert – ein Enkel des Sachsenherzoges Wittekind – die Reliquien des Märtyrers Alexander aus Rom nach Wildeshausen überführt. Ihm zu Ehren wurde dort eine Stiftskirche errichtet, möglicherweise zunächst aus Holz.

Basilika seit dem 13. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 13. Jahrhunderts gab es ein Kirchengebäude aus Stein, von dem noch der romanische untere Teil des Westbaus erhalten ist. Dessen beide Westtürme stürzten kurz nach einander in den Jahren 1219 und 1224 ein, wie durch eine im 17. Jahrhundert verfasste Chronik indirekt überliefert ist.

Fresko an Säule im Hauptschiff

Offensichtlich nahm dabei auch das Kirchenschiff schweren Schaden, denn 1224 begann man mit dem Bau einer neuen Kirche. Diese ebenfalls romanisch begonnene Basilika aus Backstein mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes wurde um 1270 fertiggestellt. In ihrem gebundenen System haben die Seitenschiffe je sechs Joche bis zur Vierung, das Mittelschiff drei. Während an den Seiten des Hauptschiffs die Arkaden zu den Seitenschiffen, die darüber angebrachten Friese und die älteren der Fenster Rundbögen aufweisen, sind die Gurtbögen des Mittelschiffs spitzbogig und seine Gewölbe spitzbogige Kreuzrippengewölbe gotischen Typs.

Die Entscheidung, statt einer Wiederherstellung der Zweiturmfassade nur noch einen Turm auf den unteren Westbau zu setzen, fiel im 14. Jahrhundert. Der Turm ist aus Backstein errichtet, aber die Mauerecken durch große Sandstein­quader betont. Die unteren Backsteingeschosse sind mit Blendarkaden aus gotischen Spitzbögen geschmückt. An der Westseite gibt es zudem einen (wahrscheinlich nachträglich eingefügten) spätgotischen Kielbogen aus feiner Steinmetzarbeit. Die beiden oberen Turmgeschosse haben, eingerahmt teils in gotische Spitzbögen, teils ebenfalls in Rundbögen, erstaunlicherweise Biforien romanischer Gestaltung als Fenster.

Ende des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche einen neuen Chor mit spitzbogigen Domikalgewölben, und mehrere der alten schmalen romanischen Fenster der Seitenschiffe wurden durch größere gotische ersetzt.

Im 17. Jahrhundert fand eine Renovierung nach dem damaligen Zeitgeschmack statt. Diese baulichen Veränderungen wurden bei einer großen Renovierung 1907–1910 rückgängig gemacht, die unter der Leitung des Architekten und oldenburgischen Baubeamten Adolf Rauchheld ausgeführt wurde. Der Chor erhielt eine Ausmalung im Jugendstil. Auch Altar, Kanzel und Fenster wurden in strengen Jugendstil-Formen neu errichtet, wobei darauf geachtet wurde, dass diese mit dem spätromanischen Bau gut harmonierten. Im Zweiten Weltkrieg geriet der Turm im Jahr 1945 durch Artilleriebeschuss in Brand, wobei die Turmspitze vernichtet wurde. Sie wurde 1948 in der Form von 1224 wieder errichtet.

Im Jahr 1970 wurde eine 1951 begonnene Renovierung abgeschlossen. Bei ihr kehrte das große gotische Kreuz an seinen angestammten Platz unter den Vierungsbogen zurück. Darunter wurde ein weiterer Altar und eine weitere, dazu passende neue Kanzel eingerichtet. Im Jahr 1953 wurden einige Fresken freigelegt, von denen die ältesten – in der Sakristei – aus dem 13. Jahrhundert stammen. Die Jugendstilausmalung wurde mit weißer Farbe übertüncht.

In den Jahren 2000–2004 wurde die Kirche vollständig restauriert und die Jugendstilmalereien von 1910 wieder freigelegt und restauriert.

Remter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An das südliche Querschiff der Kirche ist ein Remter angebaut, der sich in Nordsüdrichtung erstreckt. Dieser Speise- und Schlafsaal der Chorherren des Stiftes Alexandri ist fast ganz aus Feldstein gemauert. Errichtet zwischen 900 und 1000, gilt er als eines der ältesten bewohnten Gebäude Deutschlands.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick ins Hauptschiff

Die Kirche hat den Grundriss eines lateinischen Kreuzes, mit einem dreischiffigen Langhaus und einem schmalen, nach den Seiten nicht sehr weit ausladenden Querhaus.

Westlich ist das Langhaus durch einen Westbau begrenzt. Er ist der älteste Teil des Bauwerks und ragt nach beiden Seiten über die Seitenschiffe hinaus. Er stammt noch vom Vorgängerbau trug die beiden 1219 und 1224 eingestürzten Türme. Während die übrige Kirche aus Backstein errichtet ist, besteht der Westbau aus Granit­quadern, zurechtgehauen aus Findlingen. Das Hauptportal in der Mitte hat Gewände aus Sandstein, der innerste Bogen ist ein Kleeblattbogen. Ein Tympanon hat das Portal nicht.

Der Kirchturm steht mittig auf dem Westbau, hat Mauerecken aus Steinquadern und ist durch Gesimse in vier Geschosse gegliedert. Die beiden unteren sind mit gotisch spitzbogigen Blendarkaden geschmückt, die beiden oberen haben, eingerahmt in Blendarkaden romanischer Form nach vorne, aber gotischer Form nach den Seiten, romanisch gestaltete Beforien als Fenster. In die Westwand des Turms ist in das zweite der vier Geschosse ein spätgotischer Kielbogen aus Sandstein eingefügt. Der Turm hat einen quer-rechteckigen Grundriss. Seine Höhne von 55 m ist für das Oldenburger Land ungewöhnlich und demonstriert, dass St. Alexander als nördlichste überregional bedeutende Kirche Westfalens errichtet wurde.

Das Hauptschiff hat spitzbogige Gewölbe, deren Gewölbebögen weit herabgezogen sind, so dass Gewölbe und Seitenwände bis zum Kämpfer in der Höhe einander fast entsprechen. Diese Konstruktion leitet die Schubkräfte des Mittelschiffsgewölbe in die Decken der Seitenschiffe und machte Strebebögen überflüssig, die zur Bauzeit der heutigen Basilika durchaus schon üblich waren. Der Übergang von den Wanddiensten zu den Wulstrippen des schlichten Gewölbes ist lediglich durch relativ schmale, in der Gesamtproportion zierlich wirkende Kapitelle und Wulstringe unterbrochen. In diesen Stilmerkmalen wird der Einfluss des Doms zu Osnabrück auf das damalige Kloster deutlich.

Die nicht ganz quadratische Vierung ist gegenüber dem Langhaus um drei Stufen erhöht. Das Gewölbe weist zusätzlich zu den diagonalen Hauptrippen orthogonale Scheitelrippen auf. Oben in der Kuppel treffen sich alle Vierungsrippen in einem Schlussring. Kapitelle und Pfeilerbasen sind reicher ausgebildet als im Langhaus.

Der Chor ist gegenüber der Vierung nochmals um einige Stufen erhöht. Sein Gewölbe ist kupelähnlich und dreihundert Jahre jünger als das des Langhauses. Die Gewölberippen enden in einem figürlich verzierten Schlussstein. Auf einem Stich von Matthäus Merian ist eine Dreiteilung der Ostwand erkennbar. Dieser Umstand und die Untergliederung der Seitenwände des Chors lassen vermuten, dass er ursprünglich durch Nischen gegliedert war.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chor und Vierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kruzifix im Hauptschiff

Zur Ausstattung der Kirche zählt ein gotisches Kruzifix aus Eichenholz, das um 1300 geschaffen wurde und ursprünglich farbig bemalt war. Seine Arme enden in Vierpässen, in denen die Symbole der vier Evangelisten, Mensch, Löwe, Stier und Adler, dargestellt sind. Das Kreuz hing für lange Zeit im südlichen Querschiff.

In einer hockenden Stützfigur, die mit angewinkelten Armen einen Konsolstein stützt, hat sich vermutlich um 1250 einer der Baumeister als Selbstporträt verewigt.

Aus der Zeit vor der Reformation stammen zwei zierliche Sakramentsnischen an der Nordseite des Chors, eine aus der ersten Hälfte des 14. und eine aus dem Ende 15. Jahrhunderts. Ebenfalls aus dem späten 15. Jahrhundert stammt der filigran gearbeitete Levitenstuhl an der Südseite des Chors, sowie die kleine Madonna am nordwestlichen Pfeiler der Vierung. Auch das einfache steinerne Taufbecken stammt aus jener Zeit; allerdings wurde 1947 eine Kupferschale für das Taufwasser darin eingepasst.

An der Nordseite unter dem Vierungsbogen befindet sich die Jugendstilkanzel, angefertigt vom Bremer Künstler Georg Karl Rohde, der auch die Fenster gestaltete. Den Jugendstilaltar unter dem großen Fenster an der Rückwand des Chores schuf der Oldenburger Künstler Max Gökes.

Unter dem Kreuz steht der 12-Apostel-Altar und an der Südseite die neue Kanzel, beide von Gerhart Schreiter während der Renovierung 1951–1970 geschaffen.

Sakristei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sakristei am südlichen Ende des Querhauses ist ein Rest des Klostergebäudes. An den Wänden befindet sich ein Freskenzyklus aus dem 15. Jahrhundert, der die Jugend und das Leiden Christi darstellt. 1954 fand man darunter eine weitere Schicht mit Gemälden aus der Zeit vor 1270, insbesondere eine schön gestaltete Falkenjagd.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Orgel

Zum Abschluss der Renovierung 1970 baute die Firma Kleuker eine Orgel mit elektrischer Registertraktur und 38 Registern.

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchturm beherbergt drei Kirchenglocken. Eine davon wurde im Jahr 1448 gegossen.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde im Zuge der Reformation im Jahre 1699 evangelisch-lutherisch. Ein Gottesdienst findet jeden Sonntag um 10 Uhr statt, einmal im Monat um 17 Uhr („G17“ genannter Gottesdienst in moderner Form).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Joachim Prochnow, Lothar Klimek: Die Alexanderkirche zu Wildeshausen. Deutscher Kunstverlag, München 1970.
  • Hans-Christoph Hoffmann: Evangel.-luth. Alexanderkirche Wildeshausen. Schnell und Steiner, München/Zürich 1989 (16 S. m. 14 Abb.).
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Alexanderkirche in Wildeshausen. In: Wenn Steine reden könnten. Band I. Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-03973, S. 106–108.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 53′ 56,2″ N, 8° 26′ 15,7″ O