Alexandrinische Münzen

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Gold-Oktadrachmon Ptolemaios IV. Philopator, 220 v. Chr.

Alexandrinische Münzen sind im Allgemeinen alle bis heute in Alexandria geschlagenen Münzen, vornehmlich die griechisch beeinflussten ptolemaiischen Prägungen mit den Konterfeis der Herrscher, weiterhin römische Münzen, die von fast allen Kaisern ab Augustus bis zur Münzreform des Kaisers Diocletians geschlagen wurden.

Griechische Prägungen in der Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor der Eroberung Ägyptens durch Alexander wurden in Nordostafrika Münzen in der Kyrene durch Griechen und in anderen Städten der Kyrenaika durch die Phönizier geprägt, während es in Ägypten vor Alexander nur wenige Prägungen von Münzen, hauptsächlich durch persische Satrapen gab.[1]

Münze des Antoninus Pius aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., Pharos und Segelschiff (Revers)

Seit dem Beginn der ptolemäischen Königszeit im 4. Jahrhundert v. Chr. mit Ptolemaios I. in der Epoche des Hellenismus waren nur die von ihnen geprägten Münzen als Zahlungsmittel in Ägypten zugelassen. Die ptolemaischen Münzen orientierten sich am attischen Münzsystem und übernahmen griechische Gestaltungsgrundsätze. Die Prägung im attischen Münzfuß sorgte für ein Gewicht von ca. 17 Gramm bei den Tetradrachmen. Die ersten Motive zeigen Alexander auf der Portraitseite und den Gott Zeus oder die Göttin Athene als Athena Alkidemos auf der Rückseite. Ptolemaios verstand sich zu dieser Zeit, selbst noch Jahre nach dessen Tod, nur als Satrap Alexanders. Diese Prägungen wurden von Porträts von Ptolemaios I. und einem auf einen Blitz stehenden Adler auf der Rückseite abgelöst. Eine Umschrift um den Adler herum bezeichnet Ptolemaios nun als König (ΠΤΟΛΕΜΑΙΟΥ ΒΑΣΙΛΕΩΣ). Die Nachfolger von Ptolemaios bleiben im Wesentlichen bei diesen Gestaltungsgrundsätzen für ihre Münzprägungen. Diese hellenistischen Prägungen zeigen von wenigen Einzelheiten wie der Elefantenhaube als Kopfschmuck kaum ägyptische Motive, sondern wirken sehr griechisch. Auch die Beschriftung ist griechisch, wenn man von der Verwendung des "L" als einem demotischen Zeichen für "Jahr" absieht. Da nur ein Teil der ägyptischen Bevölkerung zu dieser Zeit griechischer Herkunft war, kann die Verwendung fast rein griechischer Gestaltungsgrundsätze und Motive als Beitrag zur Hellenisierung der gesamten Bevölkerung Ägyptens gesehen werden.

Münzen zur Zeit als römische Provinz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Römern wurde die Praxis nur eine Binnenwährung[2] zuzulassen mit der Eroberung Ägyptens unter Augustus seit dem Jahr 30 v. Chr. übernommen, was dazu führte, dass alle fremden Währungen bei der Einreise nach Alexandria in die dort gültigen Zahlungsmittel umgetauscht werden mussten.[3] Die Ausgabe erfolgten zunächst weiter in der Form der Silbertetradrachme oder Drachme (gr. Δραχμή), die in vielen Diadochen-Staaten dieser Epoche offizielle Zahlungsmittel waren.

Das Avers zeigt – bis auf wenige Ausnahmen – den jeweils herrschenden römischen Kaiser oder einen engen Angehörigen (Kaiserin, Sohn als Cäsar). Das Revers weist meistens eine weitere Porträtansicht, Götterbilder, Symbole oder Bauwerke auf. Einige Münzprägungen, besonders die im 2. Jahrhundert unter den Kaisern Hadrian, Antoninus Pius, Marcus Aurelius und Commodus in Alexandria herausgegeben wurden, zeigen als herausragendes Motiv neben dem Kaiserporträt auf dem Avers den Pharos von Alexandria auf dem Revers, allein oder mit der Isis Pharia oder mit anderen Zusatzmotiven. Diese Münzen, meist Kupfer-Drachmen oder Halbdrachmen, sind die einzigen aus der Antike überlieferten bildlichen Darstellungen des gewaltigen siebten Weltwunders und damit einzige Originaldarstellungen, die zu dessen Rekonstruktion herangezogen werden konnten. Die Gestaltung der Münzen folgte zwar in erster Linie römischen Traditionen, es wurden aber ägyptische Motive in erheblich stärkerem Maße berücksichtigt als in hellenistischer Zeit. Neben dem Pharos werden auch Sphinxen oder ägyptische Architekturelemente wie Pylone abgebildet. Häufig wird die aus hellenistischer Zeit stammende Mischgottheit aus Osiris und Apis Sarapis als Herr des Nils und Gatte der Isis als Motiv verwandt.[4] Ein rein ägyptisches Motiv aus dem Totenkult sind auch die gelegentlich abgebildeten Kanopen.[5] Andererseits werden auch in römischer Zeit auch rein griechische Motive wie das Parisurteil weiter aufgeprägt.[6] Die Verwendung ägyptischer und griechischer Motive neben den römischen beweist die große Integrationsfähigkeit der Römer für fremde kulturelle Einflüsse. Zudem wird die Berücksichtigung der regionalen kulturellen Traditionen die Bereitschaft der Bevölkerung die römische Herrschaft zu akzeptieren, gefördert haben.

Das von den Griechen übernommene Nominalsystem ändert sich in mehreren Schritten. Unter Kaiser Tiberius wird das Silberdrachmensystem durch die Billontetradrachme als wichtigstem Nominal abgelöst.[7] Der Silbergehalt der Münzen und sogar ihr Gesamtgewicht sinken nun ständig. Während die ersten Billontetradrachmen wenigstens in ihrem Durchmesser mit 22 bis 26 mm noch den früheren Silbertetradrachmen ähnelten, sinkt der Durchmesser der letzten Billontetradrachmen auf 16 bis 18 mm. Diese Münzen enthalten kaum noch Silber. Die Entwicklung zu immer leichteren und weniger silberhaltigen Münzen verläuft damit ähnlich wie bei den reichsrömischen Münzen, die ebenfalls von Inflation betroffen waren.

In Alexandria wurden fast alle Münzen für Ägypten in römischer Zeit hergestellt. Daneben gab es vereinzelt auch sogenannte Städte- und Gauprägungen, die ebenfalls das Kaiserportrait abbildeten und seine Titulatur aufführten, aber in der Verwendung der Motive für die Rückseiten auch auf lokale Kulte Rücksicht nahmen.[8]

Ende der eigenen Münzprägungen in der Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigene Münzprägungen für die Provinz Ägypten fanden ihr Ende mit den Reformen des Tetrachenkaisers Diocletian. Seitdem wurden im gesamten römischen Herrschaftsgebiet nur noch reichsrömische Münzen geprägt. Nach dem Ende der römischen Zeit und der Zugehörigkeit zum Byzantinischen Reich galt die Byzantinische Währung, die später von arabischen Münzen abgelöst wurde.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Szaivert/Sear, Griechischer Münzkatalog, Band 2, Asien und Afrika, Battenberg Verlag München 1983, S. 309 ff
  2. Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, S. 16.
  3. A. Geißen: Die Kölner Münzsammlung. Die alexandrinischen Münzen als Währung im römischen Ägypten. Universität Köln, 2. April 2007, abgerufen am 17. August 2011.
  4. Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, S. 26.
  5. Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, S. 25.
  6. Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, Nr. 35.154.
  7. Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, S. 47.
  8. Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, S. 364.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angelo Geißen, Wolfram Weiser: Katalog alexandrinischer Kaisermünzen der Sammlung des Instituts für Altertumskunde der Universität zu Köln. 5 Bände. Westdeutscher Verlag, Opladen 1974–1983.
  • Ursula Kampmann, Thomas Ganschow: Die Münzen der römischen Münzstätte Alexandria. Battenberg Verlag, 1. Auflage, Regenstauf 2008, ISBN 978-3-86646-027-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münzen aus Alexandria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien