Münzfuß

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Der Münzfuß ist eine offizielle Bestimmung eines Münzherrn, wie viele Münzen einer Sorte aus einer Gewichtseinheit Edelmetall („Münzgrundgewicht“) geschlagen werden sollen. Der Münzfuß legt damit fest, welche Menge eines Edelmetalls (Feingehalt) in einer bestimmten Münze enthalten sein soll.

Viele Münzen bestehen nicht ausschließlich aus dem Edelmetall, das dem jeweiligen Münzfuß zu Grunde liegt. Gold- und Silbermünzen ist oft Kupfer, z. B. zur Münzhärtung, beilegiert. Unterschieden wird daher zwischen dem Feingewicht einer Münze und dem Gesamtgewicht des aus einer Legierung bestehenden Schrötlings der Münze. Es wird beispielsweise von einer Mark fein gesprochen, wenn der reine Edelmetallgehalt einer Gewichtsmark gemeint ist. Eine Mark rauh entspricht dem Gewicht des legierten Münzmetalls, das genau eine Mark fein enthält.

Historische Münzfüße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike Münzfüße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der älteste Münzfuß ist der äginäische der Insel Ägina, der zu einem Statergewicht (1 Stater entspricht 2 Drachmen) von ca. 12,3 g führte (auf die Drachme bezogen somit 6,15 g). Er breitete sich über den Peloponnes, die Kykladeninseln, Kreta und in Südwestkleinasien aus.[1]

Er wurde vom attischen Münzfuß mit einem Tetradrachmengewicht von ca. 17,5 g abgelöst (der Stater hatte somit ca. 8,75 und die Drachme ca. 4,38 g).

Der Denar der Römischen Republik mit 3,9 g (184 des römischen Pfundes, das Münzgrundgewicht römisches Pfund betrug somit ca. 327,4 g) orientierte sich zunächst an der griechischen Drachme des attischen Fußes. Er wurde in der römischen Kaiserzeit von Nero auf 3,3 g herabgesetzt. Nach weiteren Verschlechterungen wurde durch Diokletians Münzreform von 294 n. Chr. der Denar durch den Argenteus mit einem Sollgewicht von 3,41 g ersetzt. Er entsprach 196 des römischen Pfundes.[2]

Mittelalterliche und neuzeitliche Münzfüße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

karolingisches Pfund

Im Karolingischen Münzsystem war das Pfund die grundlegende Masseneinheit. Es war festgelegt, dass aus einem Pfund Silber 240 Pfennige (Denari) gemünzt werden sollen. Die Zahl 240 ergab sich aus 20 Schillingen (Solidi) zu je 12 Pfennigen. Eine ähnliche Einteilung bestand in Großbritannien bis in das 20. Jahrhundert.

Kölner Mark In der frühen Neuzeit löste die Mark im römisch-deutschen Reich das Pfund als Gewichtseinheit ab.

  • Mit dem Augsburger Reichsmünzedikt vom 30. Mai 1566 wurde der 9-Taler-Fuß eingeführt, welcher festlegte, dass aus einer Kölner Mark Silber neun Reichstaler geprägt werden sollten und dass der Silberanteil 14 Loth 4 Grän (888,888 ‰) betragen soll. Das ergibt für die einzelne Münze ein Gewicht von 29,23 g und ein Feingewicht von 25,98 g.
  • Der 9-Talerfuß wurde für den Taler, der als Speciesreichstaler bezeichnet wurde, auch von den Vertragsstaaten des Zinnaer Münzvertrages von 1667 beibehalten. Die kleineren Sorten sollten allerdings in einem 10½-Talerfuß geprägt werden. Ab 1668 wurden auch die Talerteilstücke in diesem geringwertigeren Fuß geprägt.[3]
  • In den Jahren 1670 und 1671 ließ Kursachsen zur Begünstigung des Leipziger Handels Wechseltaler nach dem Wechseltalerfuß prägen.[4]
  • Mit dem am 16. Januar 1690 geschlossenen Leipziger Münzvertrag einigten sich Kurbrandenburg, Kursachsen und das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg auf einem 12-Talerfuß für die Talerteilstücke (auch als 18-Gulden-Fuß oder Leipziger Münzfuß bekannt), der sich rasch in den meisten deutschen Staaten durchsetzte.[5] Dieser Münzfuß wurde unter Kaiser Karl VI. mit Kaiserlichem Kommissionsdekret vom 01. Dezember 1738 Reichsmünzfuß für Talerteilstücke.[6]
  • 1750 wurde in Österreich der Konventionstaler eingeführt, von welchem aus einer feinen Mark zehn Stück geprägt wurden, was einem Feingewicht von 23,386 g entspricht. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der relative Anteil an Edelmetall häufig als römische Ziffer im unteren Teil der Münze angegeben. So bedeutet z. B. ein X (römische Ziffer 10), dass zehn Münzen dieser Sorte einer Mark reinem Silber entsprechen.
  • Zum Beispiel trugen die (vor)letzten preußischen Kuranttaler und auch die Taler der anderen deutschen Staaten die seit dem Dresdner Münzvertrag von 1838 im 14-Talerfuß prägten die Umschrift: EIN THALER XIV EINE F. M., d. h. dass 14 Talermünzen eine Gewichtsmark Silber enthielten, was umgerechnet 233,8555 g Feinsilber entsprach. Dieser 14-Talerfuß war von Johann Philipp Graumann im Jahr 1750 im Auftrag König Friedrichs II. in Preußen eingeführt worden.
Münzfuß (14-Taler-Fuß) auf Hannoveraner Taler von 1846

Zollpfund

Der Wiener Münzvertrag hat im Zuge einer Tendenz zum Dezimalsystem die Kölner Mark mit einem Münzgrundgewicht von 233,855 g durch das Zollpfund mit 500 g ersetzt. Da gleichzeitig der 14-Talermünzfuß durch einen 30-Talermünzfuß ersetzt wurde, veränderte sich das Silberfeingewicht kaum.

Bezugsänderung von Silber auf Gold

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Silber als Basis der Währung in vielen Staaten durch den Goldstandard ersetzt und der Münzfuß bezog sich nun auf das wertvollere und haltbarere Gold.

Nachdem die im Deutschen Reich 1871 eingeführte Markwährung, bei der 5-, 10- und 20-Mark-Nominale in Gold geprägt wurden, durch die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges völlig entwertet worden war, wurde nach der Überwindung der Inflation im deutschen Münzgesetz vom 30. August 1924 (RGBl. II S. 254) in § 3 in Anknüpfung an die Goldmünzenprägung des Kaiserreichs festgelegt, dass aus einem Kilogramm Feingold 139,5 Münzen als 20-Markstück oder 279 Münzen als 10-Markstück mit einem Mischungsverhältnis von 900 Teilen Gold und 100 Teilen Kupfer zu prägen waren, die tatsächlich jedoch nie ausgeprägt wurden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva Szaivert, Wolfgang Szaivert, David Ronald Sear: Griechischer Münzkatalog. Band 1: Europa. Battenberg, München 1980, ISBN 3-87045-182-3, S. 35.
  2. B. Ralph Kankelfitz: Römische Münzen: von Pompejus bis Romulus. Battenberg, Augsburg 1991, ISBN 3-89441-014-0, S. 18f.
  3. Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland. Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-018026-0, S. 87.
  4. Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763. In: Schweizerische numismatische Rundschau. Band 59, 1980, S. 82.
  5. Friedrich Freiherr von Schrötter, Das Münzwesen Brandenburgs während der Geltung des Münzfußes von Zinna und Leipzig, Hohenzollernjahrbuch 11.1907, S. 63–74, URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-1873
  6. Stößel, Johann Christoph: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte, Chemnitz 1780, S.676, 802ff.