Alfred Lansburgh

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Alfred Lansburgh (* 1872; † 1937) war ein Bankier und Publizist (Pseudonym: Argentarius). Seine grundlegenden Werke über das Geldwesen werden bis heute verkauft, in wissenschaftlichen Arbeiten zitiert[1][2][3] und an Universitäten als Fachliteratur in Kursen verwendet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Alfred Lansburghs Leben ist nicht viel bekannt. Sämtliche Quellen beziehen sich vorrangig auf seine Werke über das Geldwesen. Er war jüdischer Herkunft, lebte in Berlin und hatte einen Sohn, Werner Lansburgh, der später selbst als Autor verschiedener Bücher bekannt wurde. Er war mit Kurt Tucholsky befreundet.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfred Lansburgh war in erster Linie Bankier und ein scharfer Kritiker der Großbanken sowie deren Einfluss auf die Märkte und Politik des Landes.[4] Ab 1910 bemühte er sich, eher erfolglos, um einen Zusammenschluss von kleinen Stadt- und Provinzbanken, um einen Gegenpol zu den mächtigen Großbanken zu schaffen. Er hat zwischen 1908 und 1931 über hundert Arbeiten verfasst, wovon manche bis heute große Popularität genießen.[5]

Seine fruchtbarsten Jahre waren zwischen 1921 und 1923, als die ständig zunehmende Inflation in der Weimarer Republik zu immer größeren wirtschaftlichen Problemen führte. In diesen Jahren veröffentlichte er mit den Büchern Vom Gelde: Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn (Grundlegendes über Geld und Wirtschaft), Valuta (über internationalen Geldverkehr und Außenwirtschaft) und Währungsnot (Ursachen der Inflation) eine in sich geschlossene Lehre vom Gelde, wie es im Band Valuta heißt. Alle Bücher sind in Form von Briefen an seinen Sohn geschrieben.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lenin bezog sich in seinen Aufsätzen immer wieder auf Lansburgh[7] und bezeichnete ihn als den kompetentesten unter den bürgerlichen Schwachköpfen.[8]

Die New York Times bezog sich in den 1920er-Jahren auf ihn als gut bekannten Ökonomen.[9]

Auf der Geheimkonferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung argumentierte Lansburgh unmissverständlich gegen den Lautenbach-Plan, gegen Kreditausweitung sowie generell gegen Kreditwirtschaft und relativiert die deflationäre „Krisis“.[10] Lansburgh war ein klassisch Liberaler.[11]

Seine Bücher, vor allem der Band Vom Gelde, werden seit den 1980er Jahren neu aufgelegt und speziell seit der Finanzkrise von 2008/2009 in weiten Kreisen als vernünftige Grundlage zu Überlegungen über ein gesundes Geldsystem angesehen.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=273547
  2. Holtfrerich:german Inflation1914-1923 - Carl-Ludwig Holtfrerich - Google Books
  3. http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=2818620
  4. Lothar Gall (u.a.): Die Deutsche Bank 1870–1995, Verlag C.H. Beck, München, 1995, ISBN 3-406-38945-7
  5. Seven Greek pastoral scenes: for four-part chorus of women's voices, soprano and alto solos, oboe, harp, and strings, or piano accompaniment: op. 74
  6. Wer ist Argentarius? über den Autor des Buches "Vom Gelde"
  7. W.I. Lenin: Der Imperialismus II
  8. Doosie, bitte melden!Werner Lansburghs Lehr- und Liebesbriefe. In: Die Zeit. 1981.
  9. NEW GERMAN BANK RATE AND MARKET - Reichsbank's 10 Per Cent. Charge Still Below That of Private Banks. FALL OF WIRTH MINISTRY Financial Circles Had Expected It, and Strongly Approve the Selection of Cuno. - NYTimes.com
  10. Knut Borchardt, Hans Otto Schötz (Hrsg.): Wirtschaftspolitik in der Krise. Die (Geheim-)Konferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung. Baden-Baden 1991, S. 195 f.
  11. Uwe Dathe: Walter Euckens Weg zum Liberalismus (1918-1934). In: Ordo. Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. Band 60. Stuttgart 2009, S. 74.
  12. Karl Mocnik: Vermag die Ergokratie den Wirtschaftswachstumszwang zu bezwingen? 2004 (PDF; 2,3 MB)