Ali Pascha Rizvanbegović

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Ali-paša Rizvanbegović

Ali Pascha Rizvanbegović (* um 1783 in Stolac; † Ende März 1851 bei Banja Luka) war zwischen 1813 und 1833 osmanischer Kapetan von Stolac, und von 1833 bis 1851 Wesir des Paschalik Herzegowina. Rizvanbegović förderte die Landwirtschaft und war bestrebt, die Eigenständigkeit der Herzegowina gegenüber Bosnien zu stärken.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rizvanbegović stammte aus einer alten Adelsfamilie aus Stolac, die sich deshalb Stočević nannte. Er war der Sohn des Zulfikar Rizvanbegović, dem Kapetan von Stolac. Nach einem Konflikt mit seinem Vater verließ er seine Heimat als Jugendlicher und kehrte erst nach dem Tode des Vaters zurück.

Rizvanbegovićs Herrschaftsgebiet, das Paschalik Herzegowina um 1850.

In den Jahren 1831/1832 kam es zu einem Aufstand der bosnischen Muslime unter Husein Gradaščević gegen die Militärreform der Hohen Pforte. Rizvanbegović verhielt sich der Zentralregierung gegenüber loyal und bekämpfte die Aufständischen. Dafür und für seine militärischen Erfolge ließ ihm nach der Niederschlagung des Aufstandes Sultan Mahmud II. im Jahre 1833 die freie Wahl, über welches Reichsgebiet er von da an als Wesir verfügen möchte. Rizvanbegović verlangte, dass die Herzegowina administrativ vom Eyâlet Bosnien gelöst und ihm unterstellt werde. Der Sultan machte ihn zum Beylerbey und später zum Wesir des neu entstandenen Paschalik Herzegowina, über das er bis zu seinem Tod fast zwei Jahrzehnte herrschte.

Rizvanbegović hatte enge Beziehungen zu mehreren Franziskanern wie Juro Kačić oder auch Petar Bakula (1816–1873) fungierten als seine Leibärzte. Er unterstützte die herzegowinischen Franziskaner, die sich 1844 im Zuge eines Streits zur Abspaltung von der bosnischen Mutterprovinz entschlossen hatten, bei der Etablierung einer eigenen Franziskanerprovinz. Rizvanbegovićs Herrschaftsgebiet wäre mit einem eigenen franziskanischen Zentrum auch in dieser Hinsicht unabhängig von Bosnien gewesen. Er erwirkte in Istanbul einen Ferman, welcher den Franziskanern erlaubte, 1846 das Kloster von Široki Brijeg bei Mostar zu errichten. Die Erstausstattung des Klosters mit Lebensmitteln, landwirtschaftlichem Gerät und Geld unterstützte Rizvanbegović großzügig. Damit war ein lange gehegter Wunsch vieler herzegowinischer Fratres nach einem eigenen Kloster verwirklicht.[1]

Rizvanbegović rebellierte später gegen die osmanische Zentralregierung, weshalb ihn der osmanische General Omar Pascha im Februar 1851 gefangen nehmen ließ. Ende März 1851 starb Rizvanbegović in einem Militärlager bei Banja Luka, durch einen angeblich versehentlich losgelösten Schuss.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Patsch: Südosteuropäische Skizzen und Studien : I. Aus Herzegowinas letzter Feudalzeit. In: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Wien. Band 64, Nr. 10–12. R. Lechner (Wilh. Müller), Wien 1921, S. 153–186.

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Smail Balić: Rizvanbegović, Ali Pascha. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Band 4. München 1981, S. 52 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Grandits: Herrschaft und Loyalität in der spätosmanischen Gesellschaft : Das Beispiel der multikonfessionellen Herzegowina. Böhlau, Wien 2008, S. 461 f.