Alumnat

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Ehemaliges Bergisches Alumnat in Remscheid-Lennep

Das Alumnat (Alumneum, lateinisch alumnus‚ Zögling, Pflegling, Sohn) ist eine heute noch gebräuchliche Bezeichnung für die mit Gymnasien verbundenen Schulheime und höheren Schul- und Erziehungsanstalten sowie für Priesterseminare, die aus den mittelalterlichen Klosterschulen hervorgegangen sind. Andere Bezeichnungen sind Internat und Konvikt, auch Kollegium oder Pädagogium.

Die ältesten Alumnate entstanden in der Reformationszeit in vormaligen Klosteranlagen, so die drei Fürstenschulen in Kursachsen, die Klosterschulen Ilfeld am Harz, die Klosterschule Roßleben, das Hennebergische Gymnasium Georg Ernst in Schleusingen sowie die „niederen“ Seminare in Württemberg. Den Schulen des Kreuzchors in Dresden und des Thomanerchors in Leipzig sind ebenfalls Alumnate angegliedert.

Konfliktreich verlief die Entwicklung eines Alumnats in der von mehreren katholischen Reichsständen geprägten Reichsstadt Regensburg. Schon 1505 beschloss der Rat der Stadt, die Gründung einer Lateinschule, genannt Gymnasium Poeticum und stellte Josef Grünpeck als Lehrer ein, dessen Lebenswandel aber sehr umstritten war. Als der Schulbesuch stark anstieg, verlegte der Rat der Stadt die Schule 1524 in das damals ihm unterstellte Augustinerkloster und beauftragte zwei der neuen protestantischen Lehre zugeneigte Mönche mit dem Unterricht. Den katholisch gebliebenen Mönchen missfiel die Ansiedlung der evangelischen Schule in ihrem Kloster. Sie schlossen die beiden unterrichtenden Mönche, die in den Folgejahren mit aus Wittenberg zugezogenem Leitungspersonal verstärkt worden waren, aus dem Orden aus und verlangten 1537 die Entfernung der Schule aus dem Kloster. Als sich der Rat der Stadt weigerte, kam es zu einer Vermittlung des Kaisers. Er stellte die verlassene Unterkunft des kaiserlichen Reichshauptmannes Thomas Fuchs von Wallburg zur Verfügung. Die Stadt erwarb das Gebäude käuflich zum weiteren Betrieb des Gymnasium Poeticums und entwickelte die Einrichtung weiter zu einem Alumnat.[1]

In katholischen Gebieten entstanden Alumnate aus Klosterschulen der Jesuiten. Die Schüler (Alumnen) erhielten von ihrer Lehranstalt Unterricht, Erziehung, Unterkunft und Kost. Geprägt durch die klösterliche Tradition stand die Erziehung im Zeichen von Einfachheit und Regelmäßigkeit des Lebens, geordneter Arbeit und Strenge. Kritikern zufolge konnte allerdings u. a. durch das fehlende Familienleben eine günstige Entwicklung des Individuums erschwert werden.

Später wurden auch Alumnate für die Erziehung der Söhne höherer Stände gegründet, wie die Ritterakademien, das Pädagogium der Franckesche Stiftungen in Halle (Saale), das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden, das 1908 erbaute Bergische Alumnat in Lennep für Schüler der Höheren Bürgerschule und später der Röntgenschule, das königliche Pädagogium Putbus auf Rügen oder die Preußische Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde. In den meisten dieser Einrichtungen können auch auswärts wohnende Schüler (Externe, Hospiten, Oppidanen) am Unterricht teilnehmen.

Als Bezeichnung für katholische Priesterseminare findet der Begriff Alumnat ebenfalls Verwendung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. 6. Auflage. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 354–357.