Ambrogio Lorenzetti

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Madonna, Teilstück aus einem Polyptychon mit dem hl. Nikolaus von Bari und hl. Prokolus

Ambrogio Lorenzetti (* um 1290 in Siena; † um 1348 ebenda; lateinisch auch Ambrosius Laurentius) war ein italienischer Maler. Ambrogio und sein Bruder Pietro Lorenzetti waren wichtige Vertreter der Schule von Siena.

Ambrogio malte hauptsächlich in der Zeit von 1317 bis zu seinem Tod Altargemälde und Fresken. Berühmt wurde er für seinen Freskenzyklus Allegorie und Auswirkungen der Guten und der Schlechten Regierung[1] im Palazzo Pubblico, dem Rathaus von Siena, aus den Jahren 1338/1339.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jungfrau mit Kind (1319)
  • San Procolo, Altarwerk (1332)
  • Das Martyrium des Franziskus bei Bombay (um 1336), Fresko in San Francesco, Siena
  • Freskenreihe in der Sala dei Nove im Palazzo Pubblico, Siena. Die Fresken entstanden in den Jahren 1338 und 1339. Auf drei Wänden des Raumes befinden sich auf der einen Wand eine Allegorie der Guten Regierung und auf der anderen eine der Schlechten Regierung, auf der dritten werden die Auswirkungen der Guten Regierung auf Stadt und Land dargestellt.
    • Allegoria del Cattivo Governo
    • Allegoria del Buon Governo
    • Effetti del Buon Governo in città e in campagna
Allegoria del Cattivo Governo
Allegoria del Buon Governo
Effetti del Buon Governo in città, ca. 300 × 700 cm
Effetti del Buon Governo in campagna, ca. 14 m Breite
  • Santa Petronilla, Altarwerk (1340)
Sala della Pace im Palazzo Pubblico, Siena mit den Allegorienfresken von Lorenzetti

Freskenzyklus in der Sala dei Nove des Palazzo Pubblico von Siena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der einflussreiche Schweizer Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler des ausgehenden 19. Jahrhunderts Jacob Burckhardt hat wohl als einer der ersten auf die thematischen Bezüge zwischen Ambrogio Lorenzettis Freskenzyklus von 1338/1339 und der „Ekphrasis“, der Beschreibung eines (fiktiven) Bildes, nämlich der Darstellung der Welt auf dem von Hephaistos geschmiedeten Schild des Achill im XVIII. Gesang der Ilias des Homer hingewiesen, Burckhardt betont allerdings, dass Ambrogio Lorenzetti sicherlich nicht „irgend eine auch nur mittelbare Kunde von Homer gehabt habe.“[2]. Die moderne Kulturwissenschaft hält es ebenfalls für eine „falsche Spur“, eine detaillierte Kenntnis der Inhalte der Ilias bei den Malern des Trecento zu vermuten, auch nicht in den stark verkürzten lateinischen Versionen.[3] Eine intensive bildnerische Auseinandersetzung mit Szenen aus Homers Werken findet in der europäischen Malerei wohl frühestens mehr als 100 Jahre später, in der Malerei der Renaissance, und dann vor allem im Barock statt.[4] und auch die Dichter des Trecento wie Petrarca und Boccaccio haben die Ilias genauer wohl erst in der lateinischen Übersetzung von Leontius Pilatus nach 1362 kennen lernen können.

Ambrogios Fresko Allegorie der Guten Regierung im Palazzo Pubblico (Siena) enthält auch die vermutlich erste Darstellung[5] einer Sanduhr in der Hand der Temperantia, einer der Kardinaltugenden, die in dieser Form wohl erst bei einer "Restauration" des Freskos durch Andrea Vanni in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ergänzt wurde[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Burckhardt: Die Kunst der Renaissance. Band I. Die Malerei nach Inhalt und Aufgaben. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Marizio Ghelardi u. a. C.H. Beck. München. Schwabe.Basel. 2006. S. 351 (= Jacob Burckhardt: Werke. Kritische Gesamtausgabe. Band 16)
  • Michela Becchis: Lorenzetti, Ambrogio. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 65: Levis–Lorenzetti. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2005.
  • C. De Benedictis: Lorenzetti, Ambrogio. In: Dizionario dell'Arte medievale Band 7, Rom 1996, S. 878–884 (Onlineversion bei treccani.it)
  • Enzo Carli: Ambrogio Lorenzetti. Fresken aus dem Palazzo Pubblico in Siena, Woldemar Klein Verlag, Baden-Baden 1956
  • Chiara Frugoni: Pietro and Ambrogio Lorenzetti. Scala Books, New York 1988, ISBN 0-935748-80-6.
  • Michael Kühr: Ambrogio Lorenzetti. Gute und schlechte Regierung. Eine Friedensvision. Bilder und Gedanken von Homer bis Dante. Ein Freskenzyklus im Palazzo Pubblico in Siena, A.D. 1338/1339. Studio buk, Mandelbachtal 2002, ISBN 3-00-010833-5; 2. Aufl. 2012 ISSN 2193-4487 (Eigenverlag, 60 Seiten)
  • Dagmar Schmidt: Der Freskenzyklus von Ambrogio Lorenzetti über die gute und die schlechte Regierung. Eine danteske Vision im Palazzo Pubblico von Siena. Interdisziplinäre Diss. Universität St. Gallen 2003 (Online; PDF; 1,6 MB).
  • Uta Feldges-Henning: The pictorial program of the Sala della Pace: A new interpretation, in: Journal of Warburg and Courtauld Institutes, Vol. 25, 1972, S. 145–162
  • Patrick Boucheron: Gebannte Angst. Siena 1338. Essay über die politische Kraft der Bilder. Übers. Sarah Heurtier, Sebastian Wilde. Wolff, Berlin 2017 (Conjurer la peur. Sienne 1338. Essai sur la force politique des images. Seuil, Paris 2013, TB 2015)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ambrogio Lorenzetti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. it:Allegoria ed effetti del Buono e del Cattivo Governo
  2. Jacob Burckhardt: Die Kunst der Renaissance. Band I. Die Malerei nach Inhalt und Aufgaben. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Marizio Ghelardi u. a. C.H. Beck. München. Schwabe.Basel. 2006, S. 351 (= Jacob Burckhardt: Werke. Kritische Gesamtausgabe. Band 16)
  3. Patrick Boucheron: Gebannte Angst. Siena 1338. Wolff Verlag Berlin. Deutsch 2017, S. 196
  4. http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/650/1/Kunze_Lorenz_Beger_und_die_Wiederentdeckung_Homers_2006.pdf
  5. Chiara Frugoni: Pietro et Ambrogio Lorenzetti, S. 83.
  6. L. Bellosi: Buffalmacco e il trionfo della morte. Turin. 1974, S. 53–54.