Lorenzo Ghiberti

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Lorenzo Ghiberti, Selbstporträt
Die Paradiestür in Florenz

Lorenzo Ghiberti (* um 1381 in Pelago; † 1. Dezember 1455 in Florenz) war italienischer Bildhauer, Goldschmied, Erzgießer, Architekt und Kunsttheoretiker. Seine berühmtesten Werke sind die ‚Paradiesestür‘ am Baptisterium der Kathedrale von Florenz (Dom Santa Maria del Fiore) und die Paradiespforte an der Ostseite gegenüber der Fassade des Doms. Selbst das ein Jahrhundert später auftretende Genie Michelangelo haben die Türen am Dom schwer beeindruckt, sie „seien es Wert, so genannt zu werden“ (frei nach Vasari).

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ghiberti ging bei seinem Stiefvater, dem Goldschmied Bartolo Ghiberti in die Lehre und lernte parallel dazu auch die Malerei. Es ist nachgewiesen, dass Ghiberti 1400 vor der Pest nach Rimini floh und dort u. a. für Pandolfo Malatesta arbeitete.

Im darauffolgenden Jahr ging er nach Florenz und bewarb sich mit einer Probe seines Könnens (Das Opfer Isaaks) um einen Auftrag am Dom Santa Maria del Fiore. Unter sechs Mitbewerbern – u. a. Jacopo della Quercia und Filippo Brunelleschi – wurde er ausgewählt, die nördliche Bronzetür (2.Tür, die 1. Tür schuf Andrea Pisano.) am Baptisterium des Domes zu fertigen. Die Arbeit dauerte mehr als 20 Jahre und entstand zwischen 1403 und 1423, bestehend aus insgesamt 28 teilweise vergoldeten Reliefs, die in Vierpässe – einem typisch gotischen Maßwerk – eingefügt sind. Die 20 Hauptfelder der Tür enthalten Darstellungen aus dem Neuen Testament.

Neben den Motiven von den vier Evangelisten und vier Kirchenlehrern ist die Tür durch reichhaltiges Ornament geschmückt. Ghibertis Meisterwerk wurde die Gestaltung des Ostportals, der sogenannten Paradiesestür (3.Tür), an der er 27 Jahre (1425 bis 1452) arbeitete. Die Tür ist in zehn quadratische Felder aufgeteilt, die Reliefs zeigen Szenen aus dem Alten Testament.

Außerdem schuf Ghiberti um 1414 für Nischen an der Kirche Orsanmichele die Bronzestatuen Johannes des Täufers und in den Jahren 1419 bis 1422 die des Matthäus und des heiligen Stephanus (-1428), die als este Großbronzen der Renaissance gelten. Aus jener Zeit stammen auch die Bronzereliefs für das Taufbecken von San Giovanni in Siena mit der Taufe Christi (1424) und Johannes der Täufer vor Herodes (1427), sowie die Grabmäler des Leonardo Dati in Santa Maria Novella und des Ludovico degli Albizzi in Santa Croce zu Florenz.

Als Architekt wirkte Ghiberti um 1420 zusammen mit Filippo Brunelleschi als zweiter Dombaumeister in Florenz. Bald nach Beendigung der ersten Bronzetür (1424) erhielt er den Auftrag zu einer zweiten. Noch im selben Jahr begann er diese Arbeit; nach seinem Tod führte sein Sohn Vittorio sie weiter und vollendete sie 1452. Dieses Kunstwerk lobte Michelangelo mit den Worten „... sie sei würdig, die Pforte des Paradieses zu schmücken“. In zehn Feldern werden Szenen aus dem Alten Testament dargestellt, eingerahmt von reicher Ornamentik mit zahlreichen Figuren und Köpfen, darunter sich selbst neben seinem Sohn Vittorio.

Als Bronzegießer fertigte Ghiberti 1428 u. a. den Reliquienschrein des heiligen Hyazinth und um 1440 den mit Reliefs verzierten Sarkophag des heiligen Zenobius für den Dom Santa Maria del Fiore zu Florenz. Neben zwei kleinen Glocken für die Sakristei, welche Ghiberti 1445 fertigte, zeichnete er auch Entwürfe für dessen Glasfenster. Für den Dom von Arezzo schuf er ebenfalls mehrere Glasfenster.

Grabmal Ghibertis in der Basilika Santa Croce in Florenz

Im Alter von fast 77 Jahren starb Lorenzo Ghiberti am 1. Dezember 1455 in Florenz, nicht ohne seine Begabung an den Sohn Vittorio (1416-96) weiterzugeben.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Kunst zeigt eine Verbindung zwischen der Internationalen Gotik mit ihren schönläufigen Linien des weichen Stils und den Idealen der Renaissance mit ihrer Rezeption der Antike und steht somit am Übergang von der Gotik zur Frührenaissance. Ghibertis Werk zeichnet Ausgeglichenheit und Harmonie aus. Er verbindet einen gefälligen weichen gotischen Rhythmus mit den neuen Idealen der Renaissance. Die Ghiberti-Werkstatt konnte so zu einer bedeutenden Ausbildungsstätte für Renaissance-Künstler (u.a. Paolo Uccello) werden.

Ghiberti war eine vielseitig interessierte Person und betätigte sich auch als Maler von Tafelbildern und Fresken, von denen aber keine Werke mehr erhalten sind. Als einer der ersten Künstler besaß er auch eine Antikensammlung. Außerdem war er schriftstellerisch tätig und verfasste gegen Ende seines Lebens das Buch „I Commentarij“, das wertvolle Betrachtungen über Kunst und Künstler auch unter geschichtlichen Gesichtspunkten von der Antike bis zum 15. Jh. enthält, sowie kunsttheoretisches Gedanken formuliert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lorenzo Ghiberti: I Commentarii (= Biblioteca della Scienza Italiana. Bd. 17). Giunti, Florenz 1998, ISBN 88-09-21280-0.
  • Denkwürdigkeiten des florentinischen Bildhauers Lorenzo Ghiberti. Zum erstenmal ins Deutsche übertragen von Julius Schlosser. Verlag Julius Bard, Berlin 1920.
  • Klaus Bergdolt: Der Dritte Kommentar Lorenzo Ghibertis. Naturwissenschaften und Medizin in der Kunsttheorie der Frührenaissance. Eingeleitet, kommentiert und übersetzt. VCH, Acta Humaniora, Weinheim 1989, ISBN 3-527-17610-1 (Zugleich: Heidelberg, Universität, Dissertation, 1986).
  • Amy R. Bloch: The sculpture of Lorenzo Ghiberti and ritual performance in Renaissance. UMI, Ann Arbor MI 2004 (4 Microfiches, zugleich Dissertation, New Brunswick NJ 2003).
  • Joachim Poeschke: Die Skulptur der Renaissance in Italien. Band 1: Donatello und seine Zeit. Hirmer, München 1990, ISBN 3-7774-5360-9, S. 61–62.
  • Alexander Perrig: Lorenzo Ghiberti, die Paradiestür. Warum ein Künstler den Rahmen sprengt (= Fischer-Taschenbuch. 3925 Kunststück). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-23925-7.
  • Richard Krautheimer, Trude Krautheimer-Hess: Lorenzo Ghiberti (= Princeton Monographs in Art and Archaeology. Bd. 31, ZDB-ID 419074-9). Princeton University Press, Princeton NJ 1956.
  • Julius von Schlosser: Lorenzo Ghiberti (= Künstlerprobleme der Frührenaissance 3–5 = Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse. Sitzungsberichte 215, 4, ISSN 1012-487X). Hölder-Pichler-Tempsky AG, Wien 1934, deutsche Erstausgabe von 1912.
  • Julius von Schlosser: Leben und Meinungen des florentinischen Bildners Lorenzo Ghiberti. Prestel, München 1941.
  • Ernst A. Hagen: Künstler-Geschichten. Roman. Brockhaus, Leipzig 1861 (der Roman orientiert sich nach Giorgio Vasaris Lebensbeschreibungen);
    • Bd. 1 Die Chronik seiner Heimatstadt, vom Florentiner Lorenz Ghibert. 1861;
    • Bd. 2 Die Chronik seiner Heimatstadt, vom Florentiner Lorenz Ghiberti. 1861;
    • Bd. 3 Die Wunder der hl. Katharina von Siena. 1861;
    • Bd. 4 Leonardo da Vinci in Mailand. 1861.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lorenzo Ghiberti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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