Amnesia: The Dark Descent

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Amnesia: The Dark Descent
Amnesia The Dark Descent Logo.png
StudioFrictional Games
PublisherFrictional Games
Erstveröffent-
lichung
8. September 2010
PlattformWindows, Mac OS X, Linux, PlayStation 4
Spiel-EngineHPL2
GenreSurvival Horror, Horror-Adventure
SpielmodusEinzelspieler
Systemvor-
aussetzungen
2,0 GHz, 2 GB RAM, Radeon X1000/GeForce 6, 3 GB HDD
MediumDownload
SpracheEnglisch mit deutschen Untertiteln
Aktuelle Version1.3.1 (9. Februar 2015)[1]

Amnesia: The Dark Descent ist ein Survival-Horror-Computerspiel des unabhängigen Spieleentwicklers Frictional Games, der zuvor schon die eng verwandte Penumbra-Spieleserie schuf. Das aus der Egoperspektive gespielte Horror-Adventure wurde im September 2010 für Windows, Mac OS X und Linux veröffentlicht.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amnesia: The Dark Descent spielt im 19. Jahrhundert. Der Protagonist Daniel wacht in einer dunklen, scheinbar unbewohnten Burg auf, ohne sich erinnern zu können, wie er dorthin gelangt war und wer er eigentlich ist. Er weiß nur, dass er Daniel heißt und vor etwas auf der Flucht ist, das ihn jagt.[2] Durch das Auffinden einer Notiz von Daniel an sich selbst stellt sich schließlich heraus, dass er absichtlich sein Gedächtnis mittels eines Trankes ausgelöscht und es sich zum Ziel gesetzt hat, einen gewissen Alexander von Brennenburg in der Burg zu finden und zu töten. Die Gründe hierfür werden jedoch erst im Laufe des Spiels offenbart.

Daniel begleitete vor einigen Jahren eine Ausgrabung in Algerien, die das Grab von Tin Hinan freilegen sollte. Durch einen Unfall wird Daniel kurzzeitig in der zentralen Grabkammer eingeschlossen und findet dort eine bläulich leuchtende Kugel, die ihn magisch anzuziehen scheint. Bei Berührung offenbaren sich Daniel Visionen einer fremden Welt mit endlosen Wüsten und "unmöglicher Geometrie"; die Kugel zerspringt darauf und Daniel verliert das Bewusstsein. Nach seiner Rettung aus der Grabkammer wird er vom Ausgrabungsleiter Prof. Herbert aus gesundheitlichen Gründen nach London zurückgeschickt.

Daniel nimmt die Kugel mit zu sich nach Hause, findet aber heraus, dass die Einzelteile der Kugel nicht zusammenpassen. Rückfragen nach der Expedition von Prof. Herbert ergeben, dass die verbliebenen Teilnehmer in der Wüste verschwunden sind. Alle Wissenschaftler, die Daniel zu der merkwürdigen Kugel konsultiert - darunter Geologen und Historiker - werden nach kurzer Zeit brutal ermordet. Daniel gelingt es unterdessen, die Kugel - wie von selbst und ohne die Hilfe von Klebemittel - wieder zusammen zu setzen. Verzweifelt auf der Suche nach Hilfe und von Alpträumen geplagt, schleicht sich Daniel in das Büro von Prof. Herbert an der Universität und entwendet sein Adressbuch. Unter den Adressaten von Daniels Hilferufen befindet sich der preußische Adlige Alexander von Brennenburg, der ihn im Versprechen, ihm zu helfen, auf sein Schloss nahe der Ostsee einlädt. Alexander weist Daniel darauf hin, dass die Entwendung der Kugel aus dem Grab in Algerien deren Wächter, eine grauenvolle, kosmische Bestie, die Alexander den "Schatten" nennt, erweckt hat. Um diesen Wächter aufzuhalten, bedürfe es einer mystischen Form von Lebensenergie, der Vitae, die Lebewesen - am effektivsten Menschen - ähnlich wie Adrenalin unter großen physischen Schmerzen und Angst entwickeln.

Aus panischer Angst vor dem Schatten und mangels eines anderen Ausweges willigt Daniel ein, Alexander bei der Entführung, wiederholten Folterung und schließlich Ermordung unzähliger Menschen zu helfen und in Ritualen im "inneren Heiligtum" des Schlosses Brennenburg die abgezapfte Vitae zur Zurückdrängung des Schattens zu verwenden. Einen Teil dieser Leute, darunter vor allem ehemalige Landsknechte und niedere Adlige aus dem Dreißigjährigen Krieg, verwandelte Alexander mittels vergifteten Weines und nachträglicher Anwendung von Vitae in groteske, untote Dienerkreaturen, die durch die dunklen Gänge Brennenburgs schleichen. Erst später wehrt sich Daniel gegen die Methoden Alexanders, da er herausfindet, dass dieser nur die Macht der Kugel für sich gewinnen will, um in eine "andere Welt" zu gelangen, aus der Alexander vor Jahrhunderten verbannt wurde. Daniel wird klar, dass es sich bei Alexander um ein telepathisches, Jahrhunderte altes Wesen handelt, dass erst durch eine eben solche Kugel in unsere Welt reiste, wie er sie in dem Grab in Algerien fand. Diese Erkenntnis, in Verbindung mit den extremen Schuldgefühlen angesichts seiner grauenhaften Taten, bringt Daniel dazu, seine Erinnerung an seine Verbrechen mit eben dem Trank auszulöschen, der nach jeder Folter den Opfern verabreicht wird, um die Erinnerung an den erlittenen Schmerz zu löschen und Gewöhnung und psychische Abstumpfung zu verhindern.

Mit der Unterstützung des frühneuzeitlichen Universalgelehrten und Okkultisten Heinrich Cornelius Agrippa, einem ehemals engen Freund Alexanders, der von diesem mittels Vitae am Leben gehalten wurde, gelingt es Daniel, in das "innere Heiligtum" des Schlosses vorzudringen und Alexander daran zu hindern, in "seine Welt" zurück zu kehren. Agrippas Ziel ist es dabei, seinem einstigen Schüler Johann Weyer, dem es gelang, in eine der fremden Welten zu reisen, zu folgen und anstelle von Alexander das Portal zu durchschreiten.

Das Ende kann man selbst entscheiden: Entweder man macht nichts und wird vom Schatten getötet, während man zusieht, wie Alexander in die andere Welt hinübergeht, oder man wirft Agrippas Kopf, den man diesem kurz zuvor abgesägt hat und dessen Seele mittels Alchemie darin eingeschlossen wurde, in das Portal und sieht zu, wie Alexander vor den Augen des Protagonisten vom Schatten zerrissen wird, bevor Daniel Agrippa durch das Portal folgt. Als dritte Option kann der Spieler die Säulen umwerfen und damit das Portal zerstören, was aber ebenfalls den Tod des Protagonisten durch den Schatten nach sich ziehen würde.[3]

Amnesia: Justine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2011 wurde im Rahmen des Portal-2-Alternate-Reality-Game (ARG) das kostenlose Add-on Justine veröffentlicht. Dieses ist keine Fortführung von Amnesia: The Dark Descent, sondern behandelt einen in sich abgeschlossenen Handlungsstrang.[4] In dem Add-on kontrolliert der Spieler die weibliche Protagonistin Justine, die soziopathisch veranlagt ist und an einer psychischen Krankheit leidet. Über ihre Vorgeschichte erfährt man nur über einige im Spiel verstreute Notizen. Justine erwacht in einer verschlossenen Zelle, über einen Phonographen wird ihr mitgeteilt, dass sie von nun an Teil eines Tests ist. Im Laufe des Spiels begegnet der Spieler drei Gefangenen und er hat die Wahl, sie zu töten oder ein Rätsel zu lösen, um weiterzukommen. Die Entscheidung beeinflusst das Ende des Spiels. Erst zum Schluss erfährt der Spieler, dass sich Justine selbst eingesperrt und sich dem Test unterzogen hat, um zu überprüfen, ob sie noch Gefühle und Menschlichkeit zeigen kann, nachdem sie in ihrem Keller mehrere Menschen gefoltert und verstümmelt hat. Innerhalb des Spiels finden sich mehrere Anspielungen und Hinweise auf das Videospiel Portal 2.[5]

Spielprinzip und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich der Penumbra-Reihe von Frictional Games ist auch Amnesia: The Dark Descent ein Adventure in der Egoperspektive, das Horror-Elemente mit Physik-basierter Interaktion von Objekten vereint. Der Spieler trägt während des gesamten Spielverlaufs keinerlei Waffen bei sich und muss sich somit vor Gegnern verstecken oder an ihnen vorbeischleichen. Durch die eingebaute Physik-Engine kann das Halten, Werfen und Interagieren mit Objekten realistischer dargestellt werden. So können beispielsweise Türen nicht durch einen einfachen Tastendruck geöffnet werden, sondern müssen durch Klicken und Ziehen mit der Maus bewegt werden.[6]

Das Spiel enthält ein System, das den psychischen Zustand des Spielecharakters darstellen soll, ähnlich dem System in Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth. Hört der Spieler unheimliche Geräusche, trifft auf Gegner oder erlebt andere verstörende Ereignisse, verschlechtert sich sein Bewusstsein im Spiel und er beginnt Dinge anders wahrzunehmen, als sie es in Wirklichkeit sind.[7] Eine wichtige Rolle spielt hierbei, ob man sich in der Dunkelheit befindet oder in der Nähe von Lichtquellen wie etwa der eigenen Laterne oder Kerzen. Im Dunkeln verliert der Spieler schnell den Verstand und sein psychischer Zustand verschlechtert sich, dafür kann man jedoch nur sehr schwer von Gegnern entdeckt werden, sofern man sich nicht bewegt.[8]

Auf Wunsch können unterschiedliche Audiokommentare der Entwickler im Hintergrund abgespielt werden. Ist diese Funktion aktiviert, werden hin und wieder spezielle Symbole in den Levels eingeblendet, mit denen interagiert werden kann.[9] Die Gesamtdauer aller Kommentare beträgt etwa 60 Minuten.[10]

Es ist möglich, eigene Geschichten für Amnesia: The Dark Descent zu entwerfen, die anschließend im Spiel geladen werden können.[11] Hierfür werden verschiedene Werkzeuge für die HPL2-Engine angeboten, die das Erstellen von eigenen Leveln, Modellen, Partikeleffekten und Materialien ermöglichen.[12] Erweiterte Spielelogik kann in Form einer C-ähnlichen Skriptsprache implementiert werden.

Produktionsnotizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine indirekte Fortsetzung, Amnesia: A Machine for Pigs, die zusammen mit The Chinese Room entwickelt wurde, wurde im September 2013 veröffentlicht.[13]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metawertungen
DatenbankWertung
Metacritic85[14]

Amnesia: The Dark Descent wurde von der Fachpresse weitgehend positiv aufgenommen. Aus 44 aggregierten Wertungen erzielt das Spiel auf Metacritic einen Score von 85.[14] Es sticht vor allem durch die geschickt aufgebaute, düstere Atmosphäre hervor. Im Gegensatz zu vorherigen Titeln von Frictional Games kann die nun zeitgemäßere Grafik mit mehr Details überzeugen. Die etwas kurze Spieldauer von etwa 8 Stunden scheint durch den relativ niedrigen Kaufpreis gerechtfertigt.[15][8]

Negativ fällt auf, dass das Spiel sich kaum zum mehrmaligen Spielen eignet. Auch wird die Schwierigkeit der diesmal leichter lösbaren Rätsel als in Penumbra bemängelt. Die recht seltenen Begegnungen mit wirklichen Gegnern im Spiel geben ebenfalls Grund zu Kritik.[15][16]

„Der Indie-Entwickler Frictional Games zeigt mit dem eindrucksvollen Grusel-Adventure Amnesia, wie man erinnerungswürdige Momente erschafft. Und nackte Panik.“

gamestar.de

„Gänzlich ohne Waffen und dabei vom eigenen Verstand betrogen zu werden ist schon eine sehr schmucke Sache. Von der düsteren Optik her sehr gut umgesetzt und Soundtechnisch auf dem höchsten Niveau, kommt dieser schwedische Beitrag daher.“

tvgc.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Frictional Games
  2. Frictional Games: Amnesia: The Dark Descent – offizielle Webpräsenz
  3. Amnesia: The Dark Descent Preview – PC Preview at IGN – Page 2 IGN
  4. Amnesia: Justine In: Amnesia Wiki. Abgerufen am 7. Januar 2012.
  5. Portal 2: "Potato Sack" spielen beschleunigt Release In: www.gamersglobal.de. Abgerufen am 7. Januar 2012.
  6. Amnesia: The Dark Descent – PC Hands On Eurogamer
  7. Amnesia: The Dark Descent Preview – PC Preview at IGN – Page 1 IGN
  8. a b c Amnesia: The Dark Descent Review – PC Review at IGN IGN
  9. In The Games Of Madness: Commentary on Commentary Frictional Games
  10. Making of Amnesia – Composer Mikko Tarmia Frictional Games
  11. In The Games Of Madness: Editors are out! Frictional Games
  12. Tools – HPL2 Documentation
  13. Amnesia: A Machine for Pigs. Abgerufen am 21. August 2013.
  14. a b Metacritic.com: Amnesia: The Dark Descent. Abgerufen am 17. Januar 2017.
  15. a b Amnesia: The Dark Descent (PC) im Test bei GameStar.de – Fazit GameStar
  16. a b Amnesia: The Dark Descent PC Review Eurogamer
  17. Amnesia: The Dark Descent bei GBase.ch - Wertung, Fazit GBase
  18. Amnesia: The Dark Descent bei GameStar.de – Wertung, Fazit GameStar
  19. Amnesia: The Dark Descent bei tvgc.de – Wertung, Fazit TVGC
  20. Amnesia: The Dark Descent bei Adventure-Treff.de – Wertung, Fazit Adventure-Treff
  21. Wertung und Fazit auf 4players.de – Wertung, Fazit 4Players