Androphilie

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Androphilie (griech.: ἀνήρ anḗr, Gen. ἀνδρός andrós = „Mann“ & -philie von φιλία philía „Freundschaft“, „Liebe“) bezeichnet erwachsene Männer als Hauptzielrichtung der romantischen, emotionalen und sexuellen Interessen einer Person. Das passende Gegenstück ist die Gynäkophilie.

Der Begriff ist für die damit beschriebene Person unabhängig von deren Geschlecht. So sind androphile Frauen heterosexuell und androphile Männer homosexuell. Da es bei der Beschreibung der sexuellen Orientierung von transgender, transsexuellen, intersexuellen Menschen oder dritten Geschlechtern anderer Kulturen durch die Verwendung der Begriffe homosexuell oder heterosexuell zu Verwirrung kommen kann, präzisiert in solchen Fällen des Öfteren der Begriff Androphilie, da somit das Geschlecht der begehrenden Person irrelevant wird.[1][2] Bei Bisexualität spielt dies keine Rolle.

Da der Begriff den Faktor Alter enthält kann er auch zur Abgrenzung gegenüber gleichgeschlechtlicher Pädophilie und Ephebophilie verwendet werden. Er ist nützlich für die Beschreibung von Gesellschaften wo altersübergreifende Beziehungen die Regel waren oder sind, Homosexualität zwischen erwachsenen Männern hingegen nicht.[1]

Magnus Hirschfeld verwendete folgende vier Begriffe um das bevorzugte Alter eines begehrten Partners homosexueller Männer zu beschreiben[1][3]:

  • Pädophilie für das Interesse an Knaben vor der Pubertät (heute für männliche und weibliche Kinder verwendet)
  • Ephebophilie für das Interesse an Jugendlichen von der Pubertät bis in die frühen 20er
  • Androphilie für das Interesse an Männern zwischen den 20ern und den 50ern
  • Gerontophilie für das Interesse an älteren Männern (heute für ältere Männer und Frauen verwendet)

Der Sexologe Kurt Freund war aufgrund seiner Untersuchungen der Überzeugung, dass es ohnehin besser sei, die Begriffe androphil und gynäphil zu nutzen als homosexuell und heterosexuell. Die Untersuchungen hatten ihn nämlich zur Einsicht geführt, dass es einen Unterschied gebe zwischen dem, was ein Mensch als erregend empfindet, und was er tut. Menschen lassen sich zwar auf sexuelle Aktivitäten mit Männern, Frauen oder beiden ein, jedoch zeigen nur wenige tatsächlich Reizreaktionen auf beide Geschlechter.[4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Wayne R. Dynes: Androphilia (PDF; 66 kB) in: Wayne R. Dynes: The Encyclopedia of Homosexuality (Garland Reference Library of Social Science) Taylor & Francis, März 1990, ISBN 0-8240-6544-1
  2. Beispiel: „Fa’afafine are a heterogeneous group of androphilic males, some of whom are unremarkably masculine, but most of whom behave in a feminine manner in adulthood.“, Nancy H. Bartlett, Paul L. Vasey: A Retrospective Study of Childhood Gender-Atypical Behavior in Samoan Fa’afafine, Archives of Sexual Behavior, Springer Netherlands, ISSN 0004-0002 (Print) 1573-2800 (Online), Volume 35, Number 6, December 2006, S. 659–666
  3. Geschmackstypen der Homosexuellen, med9.com, Abgerufen: 21. Januar 2008
  4. Milton Diamond: Bisexualität aus biologischer Sicht, Erschienen in: E. J. Haeberle und R. Gindorf: Bisexualitäten - Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1994, S. 41–68.