Anger

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Begriff Anger als Nutzfläche. Andere Bedeutungen siehe Anger (Begriffsklärung).
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Der Begriff Anger (mhd. anger, ahd. angar, germanisch noch Vangr) bezeichnet ein meist grasbewachsenes Land oder einen Dorfplatz in Gemeinbesitz, der von allen Bewohnern der Stadt oder des Dorfes genutzt werden konnte (Allmende). Dies reicht zurück bis in die germanischer Zeit, als er meist noch vor oder nahe bei einer Siedlung lag. Dort war er Ort für Feste (z. B. Osterfeuer), für gemeinschaftliche Aktivitäten (Dorfbackofen, gemeinschaftl. Schlachten) und konnte auch einen heiligen Kultplatz, Ort für Ratsversammlungen (Thing) oder als Richtplatz für das germanische Stammesrecht dienen. Daneben beherbergte er gelegentlich Prozessionswege oder germanische Grabstätten. In ähnlicher Weise wurde der germanische Akr (Acker) verstanden, der als Nutzacker (Feld, Lagerplatz) das Gegenstück zum Anger (Weide) darstellte und ebenfalls meist Gemeindeland war. Da die Kultplätze während der Christianisierung vorwiegend von Kirchen überbaut wurden, entstand so einerseits der Friedhofsanger, was heute eine fast vergessene Bezeichnung darstellt, und auch der Gottesacker, als modernes Synonym für den Friedhof, der seinerseits auf das alte Wort hov zurückgeht. Germanen assoziierten das Vangar daher noch mit Heimat. Der norwegische Fundort in Ranheim erlaubte es, eine solche Kultstätte aus der Zeit um 500 v. Chr. erstmals zu rekonstruieren.

Im Althochdeutschem ging das v schließlich verloren und aus dem Vangar wurden ein Anger. In der modernen Zeit wurde dieses Land von den Gemeinden oft aus Geldnot privatisiert oder zu Bauland umgewandelt, sodass Gemeinden heute kaum noch über derartige Nutzflächen verfügen. Teilweise wurde auch der Dorfteich trockengelegt, um zusätzliches Land zu gewinnen.

Dorfanger von Goldenbow, Friedrichsruhe

Die eher frühe Form solcher Anger ist allgemein im gesamten germanischem, baltischen, skandinavischen und slawischen Siedlungsraum zu finden und orientiert sich an den lokalen Gegebenheiten vor Ort.

Mit der Zeit rückte der Vanger durch die zunehmende Siedlungsdichte nach und nach als Dorfanger in die Mitte und wurde ab dem frühen Mittelalter auch gezielt zentral zwischen zwei weit auseinanderliegenden Häuserreihen angelegt. Dazu gehörte meist ein kleiner See oder Ententeich dazu, wo die Dorfgemeinschaft Fische einsetzte oder Federvieh hielt. Dies war eine Anpassung auf die mittelalterlichen Hungersnöte, die zumeist mit Kriegen und Seuchen einher gingen. Die Soldaten schleppten oft alles Essbare fort, hatten aber keine Zeit den Fischteich zu plündern oder das Federvieh einzufangen. So sicherten die Fische und das freilaufende verbliebene Federvieh das Überleben der geplünderten Bewohner. Diese für Südosteuropa und das östliche Mitteleuropa gezielt geplante typische Siedlungsform deutscher Kolonisten bezeichnet man auch als Angerdorf. Ist der Anger nur von einer Seite her zugänglich, spricht man auch von einem Sackanger.

Auf dem Anger wurde zum Beispiel das Vieh über Nacht (z.B vor der Schlachtung) zusammengetrieben und/oder gehütet, oft wurden auch die kranken Tiere die nicht auf die Weide gingen hier geweidet, daher auch der Begriff Hutanger (ein Anger, der „zur Hut“, zum Hüten, benutzt wird). Daneben diente er auch als Futterplatz für die Tiere Durchreisender (z. B. Pferde, Postkutschen usw.), weshalb die Anger teilweise eingezäunt wurden und damit eher einer Dorfkoppel glichen. Im Unterschied zu dieser Nutzfläche wurde die gemeinschaftliche Abdeck-Nutzfläche (Schlachtplatz) eines Dorfes als Schindanger bezeichnet. Heute sind Anger häufig zu Parkanlagen ausgebaut.

„Anger“ findet sich daher in vielen alten Orts- und Flurnamen:

Der Begriff Plan wurde in Sachsen, Niedersachsen, Westfalen und NRW in der Zusammensetzung Bleichplan noch bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Neudeutsch ließe sich das als Wäscheplatz verstehen. Unter Bleichplan wurde der Ort verstanden, an dem man Wäsche zum Bleichen auslegte. Diese wurde früher z. B. in der Gegend um Bielefeld in Aschenlauge gekocht, dann auf dem Bleichplan, einer Wiese im Sonnenlicht ausgelegt und nochmal mit saurer Milch durchtränkt, ausgespült und im Sonnenlicht getrocknet, bis sie ausreichend ausgeblichen war. Daher der Name Bleichplan.

Dazu muss man wissen, dass die Pflege der Wäsche damals eine recht beschwerliche Arbeit war, die einen großen Teil der täglichen Zeit beanspruchte. Dementsprechend reichhaltig war die Sprache in Bezug auf die Nutzung dieser Flächen und die damit verbundene oft mühevolle Arbeit. Im Angelsächsischen finden wir das Wort in Plane in Airplane wieder, was übersetzt eigentlich nicht Flugzeug, sondern eher Luftanger entspricht, da der Luftraum ja damals niemanden gehörte. Der Ausdruck wurde durch die frühe Luftfahrt geprägt, da die ersten Luftfahrtpioniere (z. B. Gebrüder Wright) ihre Erfindungen meist auf abschüssigen Wiesen, gewöhnlich dem Plan (also dem Anger) ausprobierten. Vermutlich wurde es eher volkstümlich von den Zuschauern dieser Flieger geprägt und wurde nach und nach als Bezeichnung für Flugzeuge üblich.

  • In slawischen Gebieten findet sich ebenfalls die aus dem altsächsischem stammende Form Plan, siehe dazu deren Etymologie und beispielsweise tschechisch Planá wie z. B. Planá nad Lužnicí oder Chodová Planá in Böhmen. Es ist auch im Ortsnamen Planica in Slovenien enthalten, was als Austragungsort im Skifliegen bekannt wurde, die man weitgehend auch als Flieger bezeichnen kann.
  • Im Hennebergischen kann der Anger auch als Mangel bezeichnet werden. Das Wort leitet sich von (am) Anger > (am) Angel > Mangel her. Ob diese Etymologie jedoch stimmt, ist eher zu diskutieren. Gelegentlich schießen Etymologen gern mal über das Ziel hinaus, statt das Naheliegende anzunehmen.

Vermutlich übertrug sich hier nur die Nutzung als Wäscheplatz, im späten Mittelalter gelegentlich mit einer Art Pressmangel bestückt, einfach auf den Platz. Die Mangel war ein Gerät, mit dem man das Wasser aus der Wäsche pressen konnte, indem man diese zwischen zwei Rollen presste. Am Anfang war dies noch ein klobiges großes Gerät, das von zwei Leuten bedient werden musste und daher kaum in eine Stube gepasst hätte. Es gab auch mittelalterliche Foltergeräte die auf diese Weise funktionierten. Man wurde also wortwörtlich durch die Mangel gedreht.

  • Im deutschsprachigen alpinen Raum steht das Wort Anger auch für die Almen in den Hochtälern, Beispiel sind der Höllentalanger zu Füßen der Zugspitze.

Auch in Großstädten gibt es noch Ortsteile oder Bereiche, die auf den Anger in den Dörfern vor dem Zusammenschluss zurückgehen, beispielsweise in München den Feldmochinger Anger oder den Denninger Anger. In Erfurt (Thüringen) hat sich der als Anger bezeichnete zentrale Stadtplatz erhalten. Die auf Platzgröße erweiterte Straße zwischen den Handelshäusern wird heute als Fußgängerzone und Einkaufsmeile genutzt.

Der zweite Teil der historisierenden Carmina Burana von Carl Orff ist mit Ûf dem Anger überschrieben. Dieser Abschnitt des Werks, dem überwiegend mittelhochdeutsche Texte zugrunde liegen, kombiniert Liebeslieder und Volkstänze zu einem bäuerlichem Frühlingsfest auf dem Dorfplatz und stellt somit noch eine letzte Verbindung zu der einstigen Nutzung als Fest- und Kultgelände dar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien