Annener Gussstahlwerk

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Firmenzeichen des Gussstahlwerks Witten Annen um 1937
Halle A7, in der 1944/45 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten

Das Annener Gußstahlwerk war ein Betrieb der Montanindustrie in Witten-Annen, der vom Stahlguss-Pionier Fritz Asthöwer erbaut wurde, später Bestandteil des Krupp-Konzerns, dann der Ruhrstahl AG und zuletzt des Rheinstahl-Konzerns war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annener Gußstahlwerk (Hallen im Hintergrund rechts)
Denkmalgeschützte ehemalige Glühofenhalle

Der Grundstein des Annener Gußstahlwerks im Wittener Ortsteil Annen wurde 1868 von Fritz Asthöwer (*1. Dezember 1835 in Köln, † 17. Oktober 1913 in Essen) gelegt, der seit 1866 bereits die Steinhauser Hütte in Witten geleitet hatte. 1875 übernahm er die technische Leitung, 1876 die komplette Leitung der Fabrik, die dann als F. Asthöwer & Co. vor allem für Stahlformguss-Produkte einen guten Ruf erlangte, indem sie den weichen Guss aus kohlenstoffärmeren Stahl einführte. Ein weiterer prominenter Kopf des Werkes war Heinrich Ehrhardt, der Gründer der späteren Rheinmetall, der ein den 1870er Jahren in Annen tätig war. Die Kommanditisten waren die Brüder Bicharoux aus Duisburg, Lambotte aus Ehrenfeld und August Stein. Im Jahr 1886 wurde das Werk von Friedrich Alfred Krupp übernommen[1]. Fritz Asthöwer wechselte damit in die Leitung des Essener Konzerns, der er bis 1896 angehörte[2]. Sein enger Mitarbeiter Richard Abé übernahm die Leitung des Annener Werkes.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Annener Werk an die Rheinisch-Westfälische Stahl- und Walzwerke in Gelsenkirchen verkauft, die ihrerseits zum Stumm-Konzern gehörte. 1930 wurde das Annener Gußstahlwerk schließlich ein Betrieb der Vereinigte Stahlwerke AG, die es ihrer Tochter Ruhrstahl AG zugeordnet.

Im Zweiten Weltkrieg wurden neben Zwangsarbeitern auch KZ-Häftlinge eingesetzt. 1944 waren von den 4694 Belegschaftsangehörigen nur 2476 Deutsche, also fast die Hälfte Zivilarbeiter und Kriegsgefangene. 139 Arbeiter überlebten den Einsatz in Annen nicht.

Die gesamte technische Ausstattung des Werkes – unter anderem sieben Elektro- und zwei Hochfrequenzöfen – wurde nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert. Nach der Entflechtung blieb das Gussstahlwerk Bestandteil der Ruhrstahl-AG, die später im Rheinstahl-Konzern aufging und sich auf den Maschinenbau spezialisierte. Im Werk Annen wurden zunächst Reparaturen durchgeführt, dann aber nach und nach auch wieder produziert. Neben Pumpen und Grubenwetter-Kühlanlagen wurde auch der Ruhrstahl Geräteträger im Werk Annen hergestellt. Bis 1955 wurde auch eine Gießanlage für Grauguss installiert, so dass die Belegschaft wieder auf rund 1000 Personen anwuchs. 1955 wurde auch der Ruhrpumpen-Betrieb von der Ruhrstahl übernommen und damit ein Bestandteil des Annener Werkes.

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die noch bestehenden Hallen des Annener Gußstahlwerkes sind heute der Industriepark Wittener Industrie und Technologie Park, unter anderem produziert hier noch die ehemalige Ruhrstahl-Tochter Ruhrpumpen. Das Verwaltungsgebäude wird vorwiegend von der Universität Witten/Herdecke genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Annener Gussstahlwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Dickmann: Asthöwer (Asthöfer), Fritz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 422 f. (Digitalisat).
  2. Zur Hundertjahrfeier der Firma Krupp 1812–1912. Sonderausgabe der Kruppschen Mitteilungen, Fest-Ausgabe 1912, S. 29

Koordinaten: 51° 27′ 0″ N, 7° 22′ 44″ O