Annobón

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Annobón
Karte von Annobón
Karte von Annobón
Gewässer Golf von Guinea
Geographische Lage 1° 26′ 7″ S, 5° 37′ 51″ OKoordinaten: 1° 26′ 7″ S, 5° 37′ 51″ O
Annobón (Äquatorialguinea)
Annobón
Länge 6,4 km
Breite 3,2 km
Fläche 17 km²
Höchste Erhebung Pico Quioveo
598 m
Einwohner 3400 (2012)
200 Einw./km²
Hauptort San Antonio de Palé
Lage von Annobón im Golf von Guinea
Lage von Annobón im Golf von Guinea
Annobón

Annobón (portugiesisch Ano Bom, von 1973 bis 1979 in Pagalu umbenannt) ist eine Insel im Golf von Guinea und gleichzeitig eine der sieben Provinzen Äquatorialguineas mit der Hauptstadt San Antonio de Palé.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel liegt 189 km südwestlich von São Tomé und 503 km von Mbini (früher Río Muni) entfernt (von der Insel Annobón bis zur Stadt Bata 587 km), dem Festlandsteil Äquatorialguineas. Die gabunische Küste ist dagegen nur 352 km entfernt.

Die Insel ist 6,4 km lang, bis zu 3,2 km breit sowie 17,0 km² groß.[1] Rund 3.400 Einwohner verteilen sich auf die Dörfer San Antonio und San Pedro. Sie stammen von Sklaven ab, die von Spaniern und Portugiesen auf die Insel gebracht wurden.

Annobón ist vulkanischen Ursprungs. Der Gipfel des Pico Quioveo erreicht eine Höhe von 598 m,[2] der des Pico Lago 525 m über dem Meer. Im Norden der Insel befindet sich der Kratersee Lago a Pot.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Annobón wird Fá d’Ambô gesprochen (auch Annobonense oder Annobonés), eine auf dem Portugiesischen basierende Kreolsprache, die größere Ähnlichkeit mit dem Kreolischen auf São Tomé und Príncipe hat als mit dem Kreolischen des Festlandes oder von Bioko. Landesweit wird sie von ca. 3500 Menschen gesprochen (außer auf Annobón auch in einem Viertel von Malabo).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die damals unbewohnte Insel wurde am 1. Januar 1472 von den portugiesischen Seefahrern Pedro Escobar und João de Santarém für Europa entdeckt und nach dem portugiesischen Neujahrsgruß „Ano bom“ (Gutes Jahr) benannt. Ab 1474 besiedelten die Portugiesen die Insel mit angolanischen Sklaven, die sie über São Tomé hierher brachten. Die Portugiesen überließen Annobón 1778 im Vertrag von El Pardo Spanien und erhielten als Ausgleich dazu Gebiete in Südamerika. Später wurde Annobón mit dem Festlandgebiet Río Muni und der Insel Bioko zu einer einzigen Kolonie zusammengelegt, aus der am 12. Oktober 1968 der unabhängige Staat Äquatorialguinea entstand.

Von den 1820er bis in die 1880er Jahre suchten Walfänger aus den Vereinigten Staaten die ansonsten wenig frequentierte Insel häufig und regelmäßig auf, um sich für die Jagd auf Pottwale und Buckelwale in den umliegenden Seegebieten zu verproviantieren. Für die Bevölkerung entwickelte sich der Tauschhandel mit den Mannschaften zu einer wichtigen Bezugsquelle für Eisenwerkzeuge und andere Dinge, die auf Annobón nicht produziert werden konnte. Mitunter heuerten Annobonesen als Saisonarbeiter auf den Schiffen an; einige migrierten auf diesem Weg in die Vereinigten Staaten. Aus der Beobachtung der amerikanischen Walfänger heraus begann die Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts selbst mit der Jagd auf Wale. Mindestens bis in die 1970er Jahre liefen Annobonesen in Kanus zur Jagd auf Buckelwalkälber aus und nutzten deren Fleisch zur Selbstversorgung.[3]

Francisco Macías Nguema verfügte 1973 eine Umbenennung der Insel in Pagalu, was so viel wie „großer Hahn“ bedeutet. Der Hahn (Symbol für Wachsamkeit und Virilität) war das persönliche Symbol des Diktators, das auch im Staatswappen und auf Banknoten erschien. 1979 wurde sie wieder umbenannt.

Umweltprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1988 erteilte Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, der Präsident Äquatorialguineas, dem britischen Buckinghamshire-Konzern die Erlaubnis, rund zehn Millionen Tonnen Giftmüll auf der Insel zu entsorgen.

Noch im selben Jahr erhielt die amerikanische Axim Consortium Group eine Lizenz, rund sieben Millionen Tonnen Nuklearmüll zu vergraben. Bis heute kommen jedes Jahr rund zwei Millionen Tonnen Müll hinzu. Obiang nimmt dafür jährlich etwa 200 Mio US-Dollar ein. Die Bevölkerung sieht von diesem Geld nichts und lebt in bitterer Armut. Die Insel steht vor dem ökologischen Kollaps – die Pflanzen können die Giftkonzentration im Grundwasser nicht bewältigen und sterben ab. Jedes zweite auf der Insel geborene Kind leidet an Unterernährung, Anämie oder anderen Krankheiten.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Schürmann: Der graue Unterstrom: Walfänger und Küstengesellschaften an den tiefen Stränden Afrikas, 1770–1920. Frankfurt a. M./New York 2017.
  • Felix Schürmann: Die Wale, ihre Jäger und der Strand von Annobón. In: Winfried Speitkamp & Stephanie Zehnle (Hrsg.): Afrikanische Tierräume: Historische Verortungen. Köln: Köppe, 2014. S. 43–75

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Annobón – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UNEP Islands Directory (englisch)
  2. Eintrag in geonames.org
  3. Felix Schürmann: Der graue Unterstrom: Walfänger und Küstengesellschaften an den tiefen Stränden Afrikas, 1770–1920. Frankfurt a. M./New York 2017, S. 485–536.
  4. Der Spiegel, 28. August 2006; S. 82ff.