Anschlussdose (Telefon)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Anschlussdose (ADo) ist die Bezeichnung für mehrere Stecksysteme der deutschen Bundespost für Telefonanschlüsse mit ab-Schnittstelle. Sie wurden von der Bundespost eingesetzt, wenn der Teilnehmer sein Telefon wahlweise in verschiedenen Räumen betreiben wollte oder eine private Zusatzeinrichtung (ZPr) an seine Anschlussleitung anschalten wollte. Man spricht dann von einer Anschlussdosenanlage (ADoAnl). Etwa 1987 wurde das TAE-System eingeführt und löste das ADo-System ab.

Anschlussdosenanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich war in einer Anschlussdosenanlage für Telefonapparate, bei der kein Telefon fest mit der Anschlussleitung verbunden war, ein zweiter Wecker (W2) einzubauen, der ankommende Anrufe auch bei nicht gestecktem Telefon signalisierte[1] und das Messen von der zentralen Prüfeinrichtung aus ermöglichte.

ADo ZB 50[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschlussdose „ADo ZB 50“
Vierpoliger Walzenstecker „ADoS ZB 27“

Bei der in den 1930er Jahren eingeführten Anschlussdosenanlage ZB 50 (Zentralbatterie 50) wurden unter anderem ein vierpoliger Walzenstecker (ADoS ZB 27) und eine fünfpolige Anschlussdose „ADo ZB 50“ (alte Bezeichnung W 34) verwendet. Die „ADo ZB 50“ gibt es als Auf- und Unterputzdose, in schwarz oder elfenbein.

Kontaktbelegung ADo ZB 50 (W 34)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschluss Zuordnung Verwendung
a Leitung La Zuleitung Teilnehmeranschluss
b Leitung Lb Leitung Teilnehmeranschluss
W2 Wecker W Leitung für Zusatzwecker
c Erde E Signalleitung (Erdtaste)
a1 Leitung a geschaltete Leitung a für zweite Dose

Kontaktbelegung Walzenstecker – ADoS ZB 27[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschluss Zuordnung Verwendung
a Leitung La Zuleitung Teilnehmeranschluss
b Leitung Lb Leitung Teilnehmeranschluss
W2 Wecker W Leitung für Zusatzwecker
c Erde E Signalleitung (Erdtaste)

ADo 4 und ADo 8[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolger der ZB 50 wurde von der Deutschen Bundespost die Anschlussdosenanlage 94 eingeführt. Dafür wurden Anschlussdose 94 (ADo 945) und der Stecker ADoS 945 entwickelt. Die „ADo 945“ gibt es als vier- und achtpolige Aufputz- und Unterputzdose. Diese beiden Anschlussdosen wurden später als „ADo 4“ und „ADo 8“ bezeichnet.

Diese Anschlussdosen wurden von etwa 1963 bis zur Einführung der TAE-Dose 1987 von der Bundespost verbaut, wobei die vierpoligen Anschlussdosen hauptsächlich für Standardtelefone verwendet wurden. Die achtpolige Ausführung wurde für private Zusatzeinrichtungen wie Anrufbeantworter, automatische Wählgeräte, Modems oder später auch analoge Faxgeräte verwendet, aber auch für Fernsprecher mit A2-Schaltung eingesetzt.

Die Anschlussschnüre der Endgeräte waren mit einem entsprechenden Anschlussdosen-Stecker (ADoS) bestückt. Alle Öffnungsmöglichkeiten von Anschlussdosen und daran angeschlossenen Geräten wurden zu Zeiten der Deutschen Bundespost mit Plomben versehen, um unbefugtes Öffnen und damit Manipulationsversuche erkennen zu können.

Kontaktbelegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ADo-Kontaktbelegungen
Kontakt ADo 4 ADo 8
1 a-Ader a-Ader
2 unbelegt Erde
3 b-Ader G-Ader (externer Gebührenanzeiger)
4 unbelegt b-Ader
5 Erde b2-Ader
6 unbelegt Z-Ader
7 W-Ader (externer Wecker) W-Ader (externer Wecker)
8 unbelegt a2-Ader

Schlüsselstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ADo Schlüsselstellungen
Verschiedene Bauformen, das mittlere Modell zeigt die Drehungsmöglichkeit um 45°

Der Deckel der ADo hat in der Mitte zwei Öffnungen, hinter denen sich jeweils eine sogenannte Schlüsselplatte befindet. Diese hat ein kreisförmiges Loch mit einer Abflachung. Die Schlüsselplatten bei ADo 4 sind mit den Abflachungen nach oben unveränderlich eingebaut. Bei ADo 8 können sie jeweils in 90°-Schritten gedreht eingesetzt werden. Damit können 16 verschiedene Schlüsselstellungen eingestellt werden. Am ADo-Stecker sind als Gegenstück zwei Schlüsselstifte vorhanden, die so eingesetzt sind, dass ihre Abflachungen zu den Schlüsselplatten der vorgesehenen Anschlussdose passen. Dadurch kann das falsche Einstecken des ADo-Steckers und das Einstecken falscher (nicht vorgesehener) Endgeräte verhindert werden. Es gibt auch ADo-8-Stecker mit einer Drehungsmöglichkeit um 45°, die ebenfalls bei der Deutschen Bundespost eingesetzt wurden.

Die Verwendung der Schlüsselstellungen war durch die Deutsche Bundespost vorgegeben:

Schlüsselstellung Anwendungsfall[2]
1 Sprechapparat (für Dosenanlage)
2 Rufnummerngeber, AWAG, Anschaltegerät für Tonreportage, Biophonarsender, Anrufverteiler
3 Automatischer Anrufbeantworter, Freisprecher, Biophonarempfänger
4 Faksimiligerät, Schreiber
5 Störungsmelder, Meßwertansagegerät
6 Fernansage, Fernwirken, Fernmessen
7 Automatischer Auskunftgeber
8 Fernwirken, Fernmessen (digital)
9 Rufnummerngeber mit Freisprecher
10 Telefax, Warnstellenapparate
11 Notrufmelder, private schnurlose Telefone und Multitel
12 Bildsendegeräte
13 Beschwerdeplätze mit automatischen Anrufbeantwortern
14 Private Wiedergabegeräte für Anschlüsse mit Mehrfachzugang
15 Reihenapparat nach Ausstattung II
16 Gefahrenmeldeanlage vor Nebenstellenanlage

Die Schlüsselstifte wurden von den Herstellern bereits mit der jeweils vom FTZ zugelassenen Schlüsselstellung geliefert.

ADo 16[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 1982 führte die Deutsche Bundespost für Sonderapparate, Fernsprechtischapparat mit Zusatzgerät A3, die 16-polige Anschlussdose „ADo 16“, später als „TAE 16“-Dose bezeichnet, ein. Die „ADo 16“ wurde aber auch für andere Nebenstellenanlagen verwendet.

Das Gegenstück zur „ADo 16“ ist ein 16-poliger Stecker mit Sicherungshebel (ADoS 16), der etwa ab 1988 als „TAE 16“-Stecker bezeichnet wurde.

Die Sonderapparate des sogenannten „telefon-bequem-system“ (A3-Schaltung/Zusatzgerät A3), verfügen über eine integrierte Elektronik, die es ermöglicht, bis zu vier Telefone an einer Amtsleitung zu betreiben. Dieses Telefonsystem benötigt ein externes Netzteil, dessen Kabel entweder an das Haupttelefon oder an die „ADo 16“-Dose angeschlossen wird. Dafür verfügen beide über einen 5-poligen Steckanschluss (ASN).

Die ersten Apparate des „telefon-bequem-system“ waren das „FeTAp 85“ mit Tastenwahlblock und das „FeTAp 89“ mit Nummernschalter, es folgten 1987 das „FeTAp 96“ mit Nummernschalter und das „FeTAp 97 / 97a“ mit Tastenwahlblock. Das sogenannte „telefon-bequem-system“ ist eine Sonderform einer Dosenanlage, zum Aufbau wurden beispielsweise ein oder mehrere ADo 16, ADo 8 und VDo 4 und VDo 7 verwendet.

Kontaktbelegung ADo 16[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschluss Zuordnung Verwendung
1 Netzteil N5 Nicht belegt, 10 Volt ~
2 Steuerader G Steuerleitung von der Vorsatzgebührenanzeige
3 Leitung Lb Zuleitung Teilnehmeranschluss
4 Leitung La Zuleitung Teilnehmeranschluss
5 Wecker Wa Zweitwecker für Sprechstelle 1
6 Wecker Wb Zweitwecker für Sprechstelle 1
7 Leitung a2 Anschluss für Sprechstelle 2
8 Leitung b2 Anschluss für Sprechstelle 2
9 Leitung a3 Anschluss für Sprechstelle 3
10 Leitung b3 Anschluss für Sprechstelle 3
11 Leitung a4 Anschluss für Sprechstelle 4
12 Leitung b4 Anschluss für Sprechstelle 4
13 Netzteil N4 Nicht belegt (10 Volt ~)
14 Netzteil N1 zur Vorsatzgebührenanzeige (35 Volt ~)
15 Netzteil N2 Nicht belegt, 35 Volt ~
16 Netzteil N3 Nicht belegt, 10 Volt ~

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anschlussdose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handbuch der Fernmeldetechnik, Band C7, Sprechstellenbau. Stand Sommer 1970, S. 52
  2. Karl-Heinz Schmidt (Hrsg.): Endgeräte am analogen Telekommunikationsnetz. R.v. Deckers’s Verlag, G.Schenk, ISBN 3-7685-4889-9, S. 78