Antimon(V)-chlorid

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Strukturformel
Strukturformel von Antimon(V)-chlorid
Allgemeines
Name Antimon(V)-chlorid
Andere Namen
  • Antimonpentachlorid
  • Antimonsuperchlorid (veraltet)
Summenformel SbCl5
CAS-Nummer 7647-18-9
PubChem 24294
Kurzbeschreibung

gelbe Flüssigkeit mit stechendem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 299,02 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

2,358 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

3,5 °C[1]

Siedepunkt

79 °C (bei 29,3 mbar)[1]

Dampfdruck

18,6 mbar (68 °C)[1]

Löslichkeit
  • zersetzt sich in Wasser mit heftiger Reaktion[1]
  • löslich in Chloroform[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP)[3], ggf. erweitert[1]
05 – Ätzend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 314​‐​411
P: 273​‐​280​‐​305+351+338​‐​310 [1]
Toxikologische Daten

1120 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Antimon(V)-chlorid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Chloride.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid wurde zum ersten mal 1825 von Heinrich Rose beschrieben.[4] Die Kristallstruktur konnte 1959 von Stanley M. Ohlberg aufgeklärt werden.[5]

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid kann durch Reaktion von Chlorgas mit geschmolzenem Antimontrichlorid gewonnen werden[6]:

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid ist eine farblose bis gelbliche, an Luft rauchende Flüssigkeit mit unangenehmem Geruch. Unter Normaldruck verdampft die Verbindung ab 140 °C, wobei sie sich ab 70 °C zu Chlor und Antimontrichlorid zu zersetzen beginnt. Mit wenig Wasser entstehen die Hydrate SbCl5·H2O und SbCl5·4H2O.[6] Mit viel Wasser zersetzt es sich mit heftiger Reaktion.[1]

Antimon(V)-chlorid liegt bei –30 °C als Monomer vor und bildet eine trigonale Bipyramide. Es kristallisiert in der hexagonalen Raumgruppe P63/mmc (Raumgruppen-Nr. 194)Vorlage:Raumgruppe/194 mit den Gitterkonstanten a = 741,4 pm und c = 794,0 pm. Die Elementarzelle enthält dabei zwei Moleküle. Bei tiefen Temperaturen ab −55 °C bildet sich das doppelt chlorverbrückte Dimer Sb2Cl10 mit einer kantenverknüpften doppeloktaedrischen Struktur aus, was an einer Farbänderung von gelb nach orange sichtbar wird. Die Dimerisierungsenthalpie beträgt −7,5 kJ/mol (–1,8 kcal/mol).[7]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(V)-chlorid wird als Chlorierungsmittel bei organischen Synthesen verwendet, zudem ist es eine starke Lewis-Säure, die Chloridionen abstrahiert und dabei das Hexachloroantimonat-Ion bildet. In der Dünnschichtchromatographie dient eine Antimon(V)-chlorid-Lösung in Chloroform oder Tetrachlormethan als Anfärbereagenz.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Eintrag zu Antimon(V)-chlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. Datenblatt Antimon(V)-chlorid (PDF) bei Merck, abgerufen am 6. Juli 2010.
  3. Eintrag zu Antimony pentachloride im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  4. Heinrich Rose: Ueber die Verbindungen des Antimons mit Chlor und Schwefel. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 79, Nr. 4, 1825, S. 441–454, doi:10.1002/andp.18250790404.
  5. Stanley M. Ohlberg: The Crystal Structure of Antimony Pentachloride at -30°. In: Journal of the American Chemical Society. 81, 1959, S. 811, doi:10.1021/ja01513a015.
  6. a b Georg Brauer: Handbuch der präparativen anorganischen Chemie, Band 1, S. 588; ISBN 3-432-02328-6
  7. Haupt, Silvia: Pentahalogenide und Oxidhalogenide der Elemente der fünften Hauptgruppe. Dissertation, 2002.
  8. Eintrag zu Antimonchloride. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 21. April 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]