Attentat auf Wolfgang Schäuble

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Beim Attentat auf Wolfgang Schäuble am 12. Oktober 1990 verletzte der psychisch kranke Dieter Kaufmann den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sowie einen weiteren Mann während einer Wahlkampfveranstaltung in Oppenau durch Revolverschüsse schwer.

Seit dem Attentat ist Schäuble vom dritten Brustwirbel an abwärts gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Tathergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Wahlkampfes 1990 war bereits am 25. April ein Attentat auf den SPD-Kandidaten Oskar Lafontaine verübt worden.[1]

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in seinem Wahlkreis hielt Schäuble vor 250 bis 300 Zuhörern eine Rede. Als Schäuble von zahlreichen Menschen umringt den Saal der Gaststätte verließ, näherte sich ihm der Täter. Das Attentat erfolgte gegen 22:04 Uhr. Der Angreifer zielte von hinten und gab aus 50 Zentimetern Entfernung mit einem Revolver (Smith & Wesson, Kaliber .38) zwei Schüsse auf den Politiker ab. Schäuble wurde in Kiefer und Rückenmark getroffen und sagte bereits unmittelbar nach der Tat, dass er seine Beine nicht mehr spüren könne.[2] Der Personenschützer Klaus-Dieter Michalsky wurde bei seinem Versuch, dem Täter die Waffe aus der Hand zu schlagen, durch einen dritten Schuss an Hand und Bauch verletzt. Der Angreifer wurde überwältigt und festgenommen. Die Tatwaffe und die Patronen hatte er aus dem Waffenschrank seines Vaters entwendet.[3]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch in der Nacht wurde das Opfer in die Freiburger Uniklinik geflogen. Mehrere Tage kämpften Ärzte um das Leben Schäubles. Seit dem Attentat ist Schäuble vom dritten Brustwirbel an abwärts gelähmt. Zuvor war er sportlich aktiv gewesen, unter anderem spielte er gern Tennis.[2]

Bundeskanzler Helmut Kohl und auch der damalige SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine, der im April desselben Jahres bei einer Wahlkampfveranstaltung Opfer eines Attentats wurde, kamen nach Freiburg und zeigten sich schockiert.

Den Abschied aus der Politik, zu dem ihm seine Familie riet, lehnte Schäuble ab. Nach nur sechs Wochen setzte er seine politische Karriere fort, ist seither aber auf einen Rollstuhl angewiesen.

Bei den Sicherheitsbehörden führten die Attentate des Jahres 1990 zu einem Umdenken. Bis zu diesem Zeitpunkt galt der Terrorismus, insbesondere der von der Roten Armee Fraktion (RAF) verübte, als die größte Gefahr für Politiker. Seitdem werden auch psychisch kranke Einzeltäter als Bedrohung wahrgenommen.

Schäuble wurde Kuratoriumsmitglied in der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) und ist Mitglied des Stiftungsrates beim Internationalen Forschungsinstitut für Paraplegiologie, Zürich.

Attentäter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1953 geborene Dieter Kaufmann war lange drogenabhängig und nach mehreren Suizidversuchen bereits in psychiatrische Behandlung eingewiesen worden. Wegen Drogenhandels hatte er zudem mehr als fünf Jahre Haft verbüßt. Nach seiner Entlassung 1988 war er der Überzeugung, der bundesdeutsche Staat bedrohe seine Bürger im Allgemeinen und ihn im Besonderen. In seiner Vernehmung nach dem Attentat gab er als Motiv an, Bürger würden mittels „elektrischer Wellen“ und „Lauttechnik“ gefoltert und ihnen „elektrolytisch erhebliche Schmerzen“ zugefügt, unter anderem „im Zwölffingerdarm und im Kopf“. Schäuble sei einer der Hauptverantwortlichen, ein alternatives Ziel sei Bundeskanzler Kohl gewesen. Kaufmann wurde im Prozess aufgrund paranoid-halluzinatorischer Schizophrenie für schuldunfähig erklärt, unbefristet in eine Klinik eingewiesen und im Herbst 2004 entlassen.[4]

Tatort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tatort, das Gasthaus „Brauerei Bruder“, wurde nach Umbauarbeiten im Jahr 2001 in den „Bruder-Park“, ein Heim für betreutes Wohnen für Senioren und Pflegebedürftige, umgewandelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sven Felix Kellerhoff: Attentäter. Mit einer Kugel die Welt verändern. Böhlau, Köln/Berlin/Weimer 2003, ISBN 3-412-03003-1, S. 82 f.
  2. a b Sven Felix Kellerhoff: Attentäter. Mit einer Kugel die Welt verändern. Böhlau, Köln/Berlin/Weimer 2003, ISBN 3-412-03003-1, S. 84.
  3. Attentat auf Wolfgang Schäuble – Der blutige Wahlkampf. In: Der Spiegel. 12. Oktober 2009, abgerufen am 28. Oktober 2015.
  4. Was den Attentäter auf Wolfgang Schäuble trieb. Die Welt, 12. Oktober 2015