Aufstand im Irak 1991

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Der Aufstand im Irak 1991 ereignete sich während und kurz nach dem Zweiten Golfkrieg im März 1991. Schiiten und Kurden sahen sich auf Grund der militärischen Niederlage Saddam Husseins gegen die Alliierten zu diesem Schritt ermutigt. Allerdings hatte Saddam Hussein wegen des zuvor in Kraft getretenen Waffenstillstandes die nötigen Truppen zur Verfügung, um den Aufstand blutig niederzuschlagen.

Um die Aufständischen zu schützen, wurde von den Alliierten im Norden und im Süden des Iraks Flugverbotszonen eingerichtet. Dennoch fühlten sich die meisten Aufständischen durch den Westen verraten, da sie ein weiteres Vorrücken der Allianz erwartet hatten und erst der Waffenstillstand Saddam die Möglichkeit gegeben hatte, den Aufstand zu unterdrücken.

Verlauf[Bearbeiten]

Flugverbotszonen über dem Irak

Durch das Vorrücken der US-Truppen ermutigt und durch George H. W. Bush in einer am 15. Februar gehaltene Rede dazu aufgefordert[1] erhoben sich zunächst die Schiiten am 3. März 1991 gegen die Herrschaft Saddam Husseins. Wenige Tage später schlossen sich schließlich auch die Kurden im Norden dem Aufstand an.[2]

Als die aufständischen Schiiten im März die Stadt Nadschaf befreiten, ernannte der Geistliche Ajatollah Abu l-Qasim al-Khoei ein aus fünf Personen bestehendes Komitee um das Gemeinwohl zu schützen. Ebenfalls versuchte er durch seinen Sohn Kontakt mit den US-Truppen aufzunehmen, um den Aufstand mit deren Vormarsch zu koordinieren.[3]

Da aber bereits am 12. April der Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak in Kraft trat, hatte Saddam nun die Mittel, um sowohl den Aufstand der Kurden, als auch den der Schiiten niederzuschlagen. Im Zuge der Rückeroberung der heiligen Städte Nadschaf und Kerbela kam es zu schweren Verwüstungen und Plünderungen der lokalen Heiligtümer durch die Truppen Saddams. Ebenfalls wurde Ayatollah Al-Khoei festgenommen und nach einer demütigenden Vorführung im Fernsehen unter Hausarrest gestellt.[3]

Zum Schutz der Aufständischen wurde im April von der UN eine Flugverbotszone über dem Nordirak verhängt. Erst am 25. August 1992 wurde auch eine Flugverbotszone über den größtenteils von Schiiten bewohnten Südirak von der US-Regierung errichtet.[4] Einerseits kam aber diese Unterstützung zu spät, andererseits betraf das Flugverbot nur Flugzeuge, so dass Saddam immer noch Kampfhubschrauber gegen die Aufständischen einsetzen konnte. Auch ist davon auszugehen, dass die Luftwaffe für die Niederschlagung des Aufstandes nicht zwingend erforderlich war, da Saddam genug Bodentruppen zur Verfügung hatte.

Während der Auseinandersetzung kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Alleine die schiitischen Aufständischen hatten 30.000–60.000 Todesopfer zu beklagen.[3]

Hintergrund[Bearbeiten]

Bush beabsichtigte vermutlich mit seiner Rede, den Anstoß zu einem Putsch oder eine Palastrevolte gegen Saddam Hussein zu geben. Als sich dann aber die Kurden und Schiiten erhoben, befürchtete er eine Spaltung des Iraks entlang ethnischer und konfessioneller Linien. Darüber hinaus sah er die Gefahr einer iranischen Einflussnahme auf die irakische Politik, sollte der Aufstand erfolgreich sein.[1]

Aus diesen Gründen erfuhren die Aufständischen keine Unterstützung von den alliierten Truppen. Es wird sogar davon ausgegangen, dass die Angst vor einer iranischen Einflussnahme einer der Gründe für den Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak war.

Diese Haltung der US-Regierung während und nach dem Zweiten Golfkrieg wurde von vielen Aufständischen als Verrat wahrgenommen und belastet bis heute das Verhältnis zwischen den Schiiten des Iraks und den USA

Verfilmung[Bearbeiten]

Die Niederschlagung des Schiitenaufstandes ist auch Gegenstand des satirischen Kriegsfilmes Three Kings – Es ist schön König zu sein mit George Clooney und Mark Wahlberg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Stephan Bierling: Geschichte des Irakkriegs: Der Sturz Saddams und Amerikas Albtraum im Mittleren Osten. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60606-9, S. 22, DNB 1000716090.
  2.  Henner Fürtig: Kleine Geschichte des Irak : von der Gründung 1921 bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 2003, ISBN 978-3-406-49464-2, S. 130, DNB 967242363.
  3. a b c  Wilfried Buchta: Schiiten. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen; München 2004, ISBN 978-3-7205-2491-9, S. 101, DNB 969429266.
  4.  Henner Fürtig: Kleine Geschichte des Irak : von der Gründung 1921 bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 2003, ISBN 978-3-406-49464-2, S. 131, DNB 967242363.