Frankfurter Verlagsgruppe

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Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG
Logo Frankfurter Verlagsgruppe.jpg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Sitz Frankfurt am Main, Deutschland
Leitung Ingrid R. Donath (Geschäftsführerin)
Lord Michael Montagu Douglas Scott (Aufsichtsratsvorsitzender)
Branche Selbstkostenverlag
Website frankfurter-verlagsgruppe.de

Die Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG ist eine Gruppe von Selbstkosten- bzw. Pseudoverlagsunternehmen für die Erstellung von Selbstpublikationen. Die Gruppe betreut in Deutschland laut eigener Angaben 3.000 Autoren und veröffentlicht pro Jahr bis zu 400 Neuerscheinungen.[1]

Die von Markus Hänsel, Jahrgang 1961, gegründete Gruppe ging 1987 aus seinem Unternehmen Dr. Hänsel-Hohenhausen Deutsche Hochschulschriften hervor. Zu der Unternehmensgruppe gehören mit irreführenden[2] Wortmarkenbestandteilen wie „Verlag“ oder „Bibliothek“ die Frankfurter Literaturverlag GmbH, den Fouqué Literaturverlag, den August von Goethe Literaturverlag, den Cornelia Goethe Literaturverlag, die Weimarer Schiller-Presse, die Frankfurter Taschenbuchverlag GmbH und die Deutsche Bibliothek der Wissenschaften.[3][1]

Wirtschaftsdaten[Bearbeiten]

Die Vorsitzende des Aufsichtsrats der „Frankfurter Verlagsgruppe“ ist seit 2010 die über diese Unternehmensgruppe publizierende Autorin Barbara von Braun-Lacoste.[3][1] Ihre Vorgängerin war von 2003 bis zu ihrem Tod 2010 Ilse Pohl. Die Geschäftsführerin ist Ingrid R. Donath. Die Bilanzsumme der Holding Aktiengesellschaft belief sich im Jahr 2011 auf 397.000 €, im Jahr 2010 auf 559.000 €.[4] Die Bilanzsumme der Tochtergesellschaft Frankfurter Literaturverlag GmbH belief sich im Jahr 2011 auf 680.000 € und im Vorjahr auf 738.000 €.[5] Das Stammkapital beträgt 50.000 €.

Engagements[Bearbeiten]

1999 verlegte die damalige Goethe Gesellschaft Frankfurt/ Main mbH eine Anthologie zum Goethe-Jubiläum mit dem Titel Im Namen Goethes!,[6] an der sich unter anderem Günter Grass, Friedrich Schorlemmer, Alfred Grosser, Ralph Giordano beteiligten – allerdings im irrigen Glauben, Herausgeber sei die renommierte Goethe-Gesellschaft Weimar.[7]

Geschäftsmodell[Bearbeiten]

Die unter dem Dach der sogenannten „Frankfurter Verlagsgruppe“ zusammengefassten Unternehmen arbeiten überwiegend als Selbstkosten- bzw. Pseudoverlage,[8] bei denen die Autoren für die Veröffentlichung zahlen. Das Landgericht München I hat dazu festgestellt, dass es sich um "keine Verlage, wie die herkömmlichen Verlage, wie sie im Verständnis auch der interessierten Verkehrskreise aber auch der Allgemeinheit bekannt sind" handelt.[9] Dieses Urteil wurde vom OLG München, Az: 4 6 U 2250/09, bestätigt.[10]

Die Geschäftspraxis des Unternehmens führte zu kritischen Äußerungen von Presse und Verbänden, sie wähle bewusst eine Reihe wohlklingender Namen und Bezeichnungen, die renommierten Verlagen und Vereinigungen sehr ähnlich seien, um so potenzielle Autoren zu täuschen.[7] Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung indiziert "die in der Wahl der Unternehmensbezeichnungen zum Ausdruck gebrachte Systematik … ein Täuschungsbewusstsein.“[2]

Die Unternehmensgruppe oder ihre Töchter gingen in mehreren Fällen erfolglos gegen kritische Berichterstattung gerichtlich vor.[11] So klagte sie gegen einen Artikel des Autorenhaus Verlags, der Verflechtungen der Unternehmensgruppe unter anderem mit dem Bund Deutscher Schriftsteller, der World Writers Association (WWA) und der Brentano-Gesellschaft Frankfurt mbH nahelegte.[12] Auch das ZDF berichtete 2006 in seiner Sendung WISO kritisch über Aktivitäten der Unternehmensgruppe,[13] ebenso der Hessische Rundfunk.[14] Die Unternehmensgruppe klagte gegen Wikimedia Deutschland und unterlag im Mai 2008 vor dem Landgericht Köln.[15] Das Urteil wurde am 16. Dezember 2008 durch das Oberlandesgericht Köln bestätigt und ist rechtskräftig.[16] Über hundert Verfahren gegen Kritiker hat die Unternehmensgruppe als Ganzes oder über des Tochtergesellschaften des Unternehmensgründers Hänsel-Hohenhausen, der sich auch "Donatus Prinz von Hohenzollern" und "Leopold von Emden" nennt, geführt. Seine Einwände gegen die Bezeichnung "Pseudoverlag" und "nicht-adliger Namensträger" wurden von den Gerichten zurückgewiesen.

Auf der Startseite des zu dem Unternehmen gehörigen so genannten „August von Goethe Verlages“ wirbt das Unternehmen mit dem Begriff „Fairlag“. Das Aktionsbündnis für faire Verlage wurde gegründet, um Transparenz für Autoren zu schaffen. Mit Formulierungen auf der Startseite erweckt das Unternehmen „August von Goethe Verlag“ einen genau gegensätzlichen Eindruck:
Zitat der Startseite: "Das erfolgreiche Wirken des AUGUST VON GOETHE LITERATURVERLAGS zu Gunsten der neuen, noch nicht etablierten Autoren regte die Schriftstellergewerkschaft sogar zur Schöpfung des Begriffs „Fairlag“ an."[17] Jedes Wort in diesem Satz ist korrekt, doch wird der Eindruck erweckt, dieses Unternehmen wäre positiv ausgezeichnet worden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Alle Pressemitteilungen von Frankfurter Verlagsgruppe. prcenter.de, abgerufen am 6. Mai 2013.
  2. a b Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 16. Dezember 2008, Az: 15 U 116/08
  3. a b Frankfurter Verlagsgruppe. Frankfurter Verlagsgruppe AG, abgerufen am 6. Mai 2013.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrankfurter Verlagsgruppe Aktiengesellschaft. In: Unternehmensregister. Im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz, 17. Oktober 2012, abgerufen am 6. Mai 2013 (Auf Webseite Suche nach "Frankfurter Verlagsgruppe Aktiengesellschaft").
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrankfurter Verlagsgruppe Aktiengesellschaft. In: Unternehmensregister. Im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz, 17. Oktober 2012, abgerufen am 6. Mai 2013 (Auf Webseite Suche nach "Frankfurter Literaturverlag GmbH").
  6.  Markus von Hänsel-Hohenhausen (Hrsg.): Im Namen Goethes!'. Frankfurter Literaturverlag, 1999, ISBN 978-3-86548-998-2.
  7. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Archivdatum nicht im ISO-FormatSchriftsteller verwahren sich öffentlich gegen Täuschung durch Druckkostenzuschussverlagsgruppe. Bundesverband Junger Autoren e.V., 14. Mai 2008, S. 2, archiviert vom Original am 21. Juli 2009, abgerufen am 6. Mai 2013 (pdf).
  8. vgl. Landgericht Berlin (Az 96 O 168/06); Landgericht München I (Az 4 HK O 19361/06), Oberlandesgericht München (Az 6 U 3140/07), Landgericht München I (Az 9 HK O 12295/07), Landgericht Hamburg (Az 324 O 102/07)
  9. Landgericht München I, Urteil vom 5. Februar 2009, Az: 4 HK O 4090/08 -
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatOberlandesgericht München definiert „Pseudoverlag“. BuchMarkt Verlag K. Werner GmbH, 7. August 2009, abgerufen am 6. Mai 2013.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe auf der Buchmesse 2006. Autoren-Magazin.de, 6. Oktober 2006, abgerufen am 6. Mai 2013.
  12.  Gerhild Tieger, Manfred Plinke: Das weltweite Netz. Schafe im Wolfspelz - oder umgekehrt?. In: Deutsches Jahrbuch für Autoren, Autorinnen 2005/2006. 1. Auflage. Autorenhaus, Berlin 2005, ISBN 978-3-932909-33-7, S. 943ff (online).
  13. Hänsel-Hohenhausen-Zuschussverlag Fouque in ZDF-Sendung Wiso ermittelt. Autoren-Magazin.de, abgerufen am 6. Mai 2013 (Sendung vom 19. Dezember 2006, Verweildauer in der ZDFmediathek bereits überschritten). Video Wiso ermittelt: Hänsel-Hohenhausen-Zuschussverlag Fouque (19. Dezember 2006) in der ZDFmediathek, abgerufen am 26. Januar 2014 (offline)
  14. Hessischer Rundfunk Fernsehen: Kritischer Bericht über Frankfurter Zuschussverlag. Autoren-Magazin.de, abgerufen am 6. Mai 2013 (Sendung vom 1. Juni 2008, Verweildauer in der Mediathek bereits überschritten).
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTorsten Kleinz: Gericht: Wikimedia Deutschland haftet nicht für Wikipedia. Heise.de, 16. Mai 2008, abgerufen am 6. Mai 2013.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLesen: Verlagsgruppe verliert auch vor OLG Köln. Heise.de, 28. Januar 2009, abgerufen am 6. Mai 2013.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Archivdatum nicht im ISO-FormatAugust von Goethe Literaturverlag, Verlagshaus der Frankfurter Verlagsgruppe. Archiviert vom Original am 11. März 2010, abgerufen am 6. Mai 2013 (Inzwischen auf der Webseite geändert).

Weblinks[Bearbeiten]