Avenir Suisse

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Avenir Suisse ist eine Denkfabrik mit Hauptsitz in Zürich. Die Stiftung orientiert sich am Weltbild des klassischen Liberalismus und der Marktwirtschaft. Sie hat ihren Schwerpunkt in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunft. Auf dieser Grundlage erstellt sie Analysen zu wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen und organisiert entsprechende Anlässe.

Avenir Suisse wird von rund 130 Unternehmen und Persönlichkeiten der Schweiz unterstützt.[1] Geleitet wird Avenir Suisse von Peter Grünenfelder.

Präsident des Stiftungsrats ist seit Mai 2020 der ehemalige CEO der Versicherung Swiss RE sowie aktueller Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance, Michel M. Liès.[2] Er trat die Nachfolge von Andreas Schmid an, Verwaltungsratspräsident der Flughafen Zürich AG, der wiederum im Jahr 2014 in dieser Position Rolf Soiron ablöste.[3]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Denkfabrik handelt nach angelsächsischem Vorbild. Sie nimmt eine dezidiert marktwirtschaftliche Sichtweise ein und orientiert sich an einem klassischen liberalen Weltbild. Dementsprechend vertritt sie die Position, dass die Probleme der Gegenwart und der Zukunft nicht in erster Linie vom Staat gelöst werden können und sollen. Dieser sollte vielmehr Rahmenbedingungen schaffen, in denen Eigeninitiative und Eigenverantwortung, Wettbewerb sowie Privateigentum gedeihen. Die Stiftung erarbeitet und lanciert ihre Projekte unabhängig und selbständig. Dies wird durch eine auf mehrere Jahre im Voraus gesicherte Finanzierung durch die Förderer ebenso gewährleistet wie durch Corporate-Governance-Regeln und durch eine Programmkommission, die für die Qualität bürgt. In diesem Sinne lautet das Motto von Avenir Suisse: "unabhängig – aber nicht neutral".

Im Unterschied zu einem Interessenverband beteiligt sich die Organisation nicht aktiv an Vernehmlassungsverfahren oder Abstimmungskampagnen. Vielmehr will der Think-Tank-Beiträge zur wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Meinungsbildung leisten und so den geistigen Boden für jene Reformen legen, die seiner Meinung nach für die Sicherung von Wohlstand, Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich sind.[4][5][6] Avenir Suisse nimmt eine längerfristige, nicht an der Tagespolitik orientierte Perspektive ein und will mit einer gesamtheitlichen, wissenschaftlich abgestützten Vorgehensweise und der verständlichen Aufbereitung der Erkenntnisse eine Lücke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik schliessen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Juli 2000 gründeten 14 internationale Schweizer Firmen ABB, Credit Suisse Group, Groupement des Banquiers Privés Genevois, Jacobs Holding, Kuoni Holding, McKinsey Switzerland, Nestlé, Novartis, Hoffmann-La Roche, SAirGroup, Sulzer AG, Swiss Re, UBS und Zurich Financial Services die „Stiftung Zukunft Schweiz“. Avenir Suisse wird von rund 160 Unternehmen und Einzelpersonen aus der ganzen Schweiz unterstützt.
  • Im Januar 2001 wurde die operative Tätigkeit unter dem Namen Avenir Suisse und unter der Leitung des Schweizer Soziologen Thomas Held aufgenommen.
  • Im Jahr 2005 beschloss der Stiftungsrat, die Aktivitäten zeitlich unbefristet weiterzuführen. Hierfür wurde der ursprünglich geschlossene Kreis der Stifter geöffnet, um die ideelle und die finanzielle Basis der Stiftung nachhaltig zu verbreitern.
  • Am 1. November 2010 übernahm Gerhard Schwarz von Thomas Held das Amt des Direktors. Dieses übte er bis Ende März 2016 aus.
  • Seit 1. April 2016 ist Peter Grünenfelder, ehemaliger Staatsschreiber des Kantons Aargau, Direktor von Avenir Suisse.[7]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oberstes Organ ist der Stiftungsrat, der sich aus 20 bis 25 Vertretern der Wirtschaft, der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens zusammensetzt. Er konstituiert sich selbst, wählt aus seiner Mitte den Präsidenten und ernennt die Vorsitzenden und Mitglieder aller Kommissionen sowie den Direktor von Avenir Suisse. Zudem genehmigt er das Budget sowie den Jahresbericht und die Rechnung.
  • Der Leitungsausschuss genehmigt die thematischen Schwerpunkte und überwacht das Projekt-Portfolio. Er setzt sich zusammen aus dem Präsidenten des Stiftungsrates, dem Präsidenten der Förderstiftung sowie den Vorsitzenden des Nominationsausschusses, der Finanz- und der Programmkommission. Der Nominationsausschuss evaluiert Persönlichkeiten für den Stiftungsrat, die Kommissionen und die Direktion. Die Finanzkommission prüft das Budget und die Abschlüsse zuhanden des Stiftungsrates. Die Programmkommission berät den Direktor und sein Team bei der Auswahl der zu behandelnden Themen, und er garantiert mit seiner kritischen Begleitung die wissenschaftliche Qualität der Projekte.
  • Der Direktor trägt die operative Verantwortung für die Stiftung. Er definiert im Rahmen der Vorgaben die einzelnen Projekte und sorgt für die Kommunikation der Studienergebnisse. Er vertritt Avenir Suisse gegenüber Öffentlichkeit, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Insgesamt arbeiten bei Avenir Suisse etwa 30 Köpfe, viele davon auf Teilzeitbasis.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewerkschaft Unia sieht Avenir Suisse als "Sprachrohr der Konzerne und Grossunternehmen."[8]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Denkfabrik hat seit seiner Gründung unter anderem folgende Monografien publiziert:

Der Preis des Föderalismus (2002), Der Alleingang (2002); Best Practice in der Schule (2003); Baustelle Föderalismus (2005), Stadt Land Schweiz (2005); Wirtschaftspolitische Mythen (2006), Der befreite Bauer (2006); Städtische Dichte (2007), Die IV- Eine Krankengeschichte (2007); Die Neue Zuwanderung (2008), Agrarpolitische Mythen (2008); Die AHV – Eine Vorsorge mit Alterungsblindheit (2009); Energiesicherheit ohne Autarkie (2010); Konkordanz in der Krise (2011), Soziale Sicherheit sichern (2011), Der Wert der Werte (2011); Steuerpolitische Baustellen (2012), Mehr Markt für den Service Public (2012), Verjüngungskur für die Altersvorsorge (2012), Der strapazierte Mittelstand (2012); Ideen für die Schweiz – 44 Chancen, die Zukunft zu gewinnen (2013), Verjüngungskur für die Altersvorsorge (2013), Zwischen Last und Leistung (2013); Wegbereiterinnen der modernen Schweiz (2014), Generationenungerechtigkeit überwinden (2014); Bürgerstaat und Staatsbürger (2015), Watch the Swiss (2015), Bilateralismus – was sonst? (2015);[9] Handel statt Heimatschutz (2016); Wenn die Roboter kommen (2017); 20 Jahre Schweizer Stadtpolitik (2018), Weissbuch Schweiz (2018); Einzigartige Dynamik des Arc lémanique (2019), Was wäre, wenn... - 13 mögliche Entwicklungen und ihre Konsequenzen für die Schweiz (2019); An International Think Tank Report on Security in Europe (2020), Wirtschaftspolitische Antworten auf die Corona-Krise (2020), Fahrplan für den Corona-Exit (2020), Sackgasse Re-Nationalisierung (2020)[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unsere Förderer | avenir suisse. In: avenir suisse. Abgerufen am 4. Februar 2020.
  2. Avenir Suisse wählt Michel Liès zum neuen Präsidenten. Abgerufen am 19. Mai 2020.
  3. Andreas Schmid wird Avenir-Suisse-Präsident. In: Neue Zürcher Zeitung vom 30. Oktober 2013
  4. Avenir Suisse präsentiert Zukunftsszenarien und wehrt sich gegen «Denkverbote» wie den EU-Beitritt der Schweiz In: Neue Zürcher Zeitung vom 29. Mai 2018
  5. Steigende Kosten und mehr Pflege durch Angehörige In: SRF vom 18. November 2019
  6. What Switzerland will lose if it rejects the EU deal In: CNN Money vom 25. Februar 2019
  7. Stabswechsel bei Avenir Suisse | avenir suisse. In: avenir suisse. Abgerufen am 18. April 2016.
  8. https://www.unia.ch/de/arbeitswelt/von-a-z/migrantinnen/aktuell/artikel/a/13729
  9. NZZ Libro: Publikationen von Avenir Suisse (bis 2016)
  10. Publikationsübersicht auf der Website von Avenir Suisse

Koordinaten: 47° 23′ 21,5″ N, 8° 31′ 7,7″ O; CH1903: 681556 / 249280