Aymara (Volk)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Aymara-Frau
Aymara in Copacabana bei einer traditionellen Zeremonie

Die Aymara (auch Aimara) sind ein indigenes Volk Südamerikas. Sie leben im Andenraum auf dem Altiplano in Bolivien (etwa 30–40 % der Bevölkerung) im Süden Perus (etwa 5 % der Bevölkerung) und (in geringerer Anzahl, etwa 0,3 % der Bevölkerung) im Norden Chiles. Mitunter wird für sie auch (ungenauerweise) die Bezeichnung Colla verwendet, die auf eine vorherige Urbevölkerung zurückgeht. Eine äußerst geringe Verbreitung findet sich zudem in Ecuador – spanische Zwangsumsiedelungen in der Kolonialzeit sind hierfür verantwortlich, deren Zweck es war, einem „Wir-Gefühl“ der indigenen Bevölkerungsgruppen vorzubeugen, aus dem sich Widerstand gegen die Kolonialherren hätte bilden können.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Herkunft des Volks der Aymara gibt es verschiedene Thesen.

Die Aymara gelten als eine der ältesten noch lebenden Volksgruppen der Hochanden und sind nach heutigen Erkenntnissen die Nachkommen der (lange vor den Inka existierenden) Tiwanaku-Hochkultur (1580 v. Chr. bis 1172 n. Chr.).[1] Das ehemalige Reichsgebiet stimmt ungefähr mit dem heutigen Sprachraum des Aymara überein. Die auf 3600 m gelegene Hauptstadt des Tiwanakureiches hatte im 12. Jahrhundert vermutlich über 40.000 Einwohner; diese Kultur gilt als eine der ersten Gesellschaften Südamerikas überhaupt, die mit Stein bauten. Obwohl Archäologen diese Stätte bislang erst zu einem Sechstel freigelegt haben, gilt sie schon jetzt mitunter als die wichtigste Sehenswürdigkeit Südamerikas.

Dem widersprechen Sprachforscher, die den Ursprung des Aymara in nördlich gelegenen Teilen der Anden, vor allem in Peru vermuten. Die Dialekte dort hätten sich allmählich nach Süden in den bolivianischen Altiplano ausgeweitet und seien später schließlich vor allem von den Inka stark beeinflusst worden.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturell teilen die Aymara vieles mit anderen Völkern der Anden, zum Beispiel den quechuasprachigen Ethnien. Dies gilt auch für die andine Religion, von der viele Elemente bis heute überlebt haben, obwohl die Aymara nominell fast durchweg Katholiken sind. Hierbei ist es zur Verschmelzung indigener und christlicher Vorstellungen gekommen (Synkretismus). Bis heute verehren die Aymara zum Beispiel die Mutter Erde (Pachamama) und den Vater Sonne (Willkatata) und bringen ihnen Opfer dar.

Ihre Sprache, das Aymara, ist in Bolivien und Peru eine der Amtssprachen.

Ausbeutung und Diskriminierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Inka und besonders während der Kolonialzeit wurden die Aymara innerhalb des Andenraums zwangsumgesiedelt. Auch nach der Unabhängigkeit Boliviens und Perus besaßen Aymara keine Rechte und waren von Ausbeutung und Diskriminierung betroffen. Durch die Verbreitung des Systems der Hazienda wurden sie zudem in weiten Gebietsteilen vertrieben. Zusätzlich wurde ihnen durch Privatisierung der kollektiven Ländereien die materielle Existenzgrundlage entzogen. Als Folge mussten viele Aymara Zwangsarbeit auf den Landgütern der Großgrundbesitzer leisten.[2]

Bekannte Aymara[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch

  • Juliana Ströbele-Gregor: Dialektik der Gegenaufklärung. Zur Problematik fundamentalistischer und evangelikaler Missionierung bei den urbanen Aymara in La Paz (Bolivien). Holos Verlag, Bonn 1988.
  • Angela Meentzen: Weiblichkeit, Macht und Geschlechterverhältnisse im Wandel. Die soziale Ordnung der ländlichen Aymara Perus aus weiblicher Sicht. (= Berliner Lateinamerika-Forschungen. 11). Vervuert, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-89354-161-6.
  • Raimund Schramm: Symbolische Logik in der mündlichen Tradition der Aymaras. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-496-00984-5.
  • Iván Tavel: Religion und Politik in der Ethnie Aymara. tuduv, München 1989.
  • Moema Viezzer: „Wenn man mir erlaubt zu sprechen...“: Das Zeugnis der Domitila, einer Frau aus den Minen Boliviens. 4. Auflage. Lamuv, Göttingen 1990, ISBN 3-921521-56-4.

Englisch

  • Laurie Adelson, Arthur Tracht: Aymara Weavings: Ceremonial Textiles of Colonial and 19th Century Bolivia. Smithsonian Institution Traveling Exhibition Service, Washington, D.C. 1983, ISBN 0-86528-022-3.
  • Hans C. Buechler: The Masked Media: Aymara Fiestas and Social Interaction in the Bolivian Highlands. (= Approaches to semiotics. 59). Mouton, The Hague 1980, ISBN 90-279-7777-1.
  • Hans C. Buechler, Judith-Maria Buechler: The Bolivian Aymara. (= Case studies in cultural anthropology). Holt, Rinehart and Winston, New York 1971, ISBN 0-03-081380-8.
  • William E. Carter: Aymara Communities and the Bolivian Agrarian Reform. University of Florida Press, Gainesville 1964.
  • James Eagen: The Aymara of South America. Lerner Publications Co, First peoples, Minneapolis 2002, ISBN 0-8225-4174-2.
  • Alan L. Kolata: Valley of the Spirits: A Journey into the Lost Realm of the Aymara. Wiley, New York 1996, ISBN 0-471-57507-0.
  • Ted C. Lewellen: Peasants in Transition: The Changing Economy of the Peruvian Aymara : a General Systems Approach. Westview Press, Boulder, Colo 1978, ISBN 0-89158-076-X.
  • Andrew Orta: Catechizing Culture: Missionaries, Aymara, and the „New Evangelism“. Columbia University Press, New York 2004, ISBN 0-231-13068-6.
  • Silvia Rivera Cusicanqui: Oppressed but Not Defeated: Peasant Struggles Among the Aymara and Qhechwa in Bolivia, 1900–1980. United Nations Research Institute for Social Development, Geneva 1987.
  • Harry Tschopik: The Aymara of Chucuito, Peru. 1951.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Aymara – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesellschaft für bedrohte Völker: Aymara., abgerufen am 1. August 2020.
  2. Gesellschaft für bedrohte Völker: Aymara., abgerufen am 5. August 2020.