Bärwurz (Pflanze)

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Bärwurz
Bärwurz (Meum athamanticum), Illustration

Bärwurz (Meum athamanticum), Illustration

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Bärwurz (Meum)
Art: Bärwurz
Wissenschaftlicher Name
Meum athamanticum
Jacq.
Bärwurz (Meum athamanticum), Fruchtstand
Bärwurz - Früchte und Samen

Die Bärwurz (Meum athamanticum) ist die einzige Pflanzen-Art in der monotypischen Gattung Meum innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Merkmale[Bearbeiten]

Die Bärwurz ist eine 15 bis zu 60 cm hohe und bis zu 30 cm breit werdende, horstbildende, mehrjährige krautige Pflanze. Ihr Rhizom ist walzlich, lang und dick und trägt oben eine Faserschopf. Die Stängel sind aufrecht bis aufsteigend, kahl, kantig-gerieft und nur oberwärts mit 1 oder 2 Blättern besetzt. Die Laubblätter sind lang gestielt, im Umriss länglich oder eiförmig und zwei- bis vielfach fiederschnittig. Die Abschnitte letzter Ordnung sind haardünn, 4-6 mm lang und fast quirlig gebüschelt.

Die Dolden sind 6-15-strahlig, ihre Strahlen sind glatt und fast kahl, aber zur Fruchtzeit ungleich verlängert. Die Döldchen sind reichblütig; meist sind nur die Randblüten und die Mittelblüte zwittrig, die restlichen sind männlich. Die Hülle ist fehlend oder 1-8-blättrig, die Hüllchen 3-8-blättrig. Die Blütenblätter sind weiß oder gelblich-weiß.

Die Frucht ist nussbraun, 6-10 mm lang und bis zur 3-5 mm breit, sechskantig.

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni.

Die Bärwurz hat einen starken Geruch, selbst noch getrocknet (etwa im Herbarium). Er ähnelt insgesamt dem Fenchel. Im Französischen wird Bärwurz Berg- oder Alpenfenchel genannt (Fenouil de montagne bzw Fenouil des Alpes).

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 22.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Sie ist in West- und Mitteleuropa beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet reicht aber östlich bis Bulgarien und südlich bis Kalabrien und Marokko.[2]

Als Standort werden Weiderasen, Geröllhalden, steinige Stellen unter Krummholz in der montanen bis subalpinen Höhenstufe bevorzugt. Sie ist in Mitteleuropa eine Nardetalia-Ordnungscharakterart.[1]

Zum Schutz der heimischen Flora wird die Bärwurz mittlerweile von spezialisierten Landwirten angebaut. Sie kultivieren die Pflanze unter hohen Umweltstandards und Auflagen für die Brennereien im Bayerischen Wald sowie für andere Zwecke wie Pflanzenheilkunde, oder Kräuterliköre.

Bärwurz in der Küche[Bearbeiten]

Das doldenblütige Gewürzkraut wird in den schottischen Highlands häufig verwendet. Das feine dillartige Laub und die Wurzeln haben einen kräftig-deftigen Geschmack, der z. B. gut mit Schnittlauch in Kräuterquarks passt. In manchen Gegenden wird die Bärwurz zur Herstellung von Kräuterkäse, im Erzgebirge zur Bereitung der „Köppernickel-Suppe“[3] verwendet.

Im südlichen Schwarzwald wird ein Kräutersalz mit Meersalz und getrockneter Bärwurz hergestellt. Hierfür wird das Kraut vor dem Blühen gesammelt, im Schatten getrocknet und dann klein gemacht und unters Salz gemischt – Verhältnis nach Belieben.

Der in Bayern, vor allem im Bayerischen Wald, bekannte und in zylindrischen, braunen Steingut-Flaschen verkaufte „Bärwurz“-Schnaps wird entweder aus der Bärwurz-Pflanze, oder auch aus der Mutterwurz (Ligusticum mutellina) hergestellt.

Bärwurz in der Pflanzenheilkunde[Bearbeiten]

Gemäß Tabernaemontanus sind die Heilkräfte des Bärwurzes zahlreich:

„Beerwurtzwasser getruncken/ eröffnet die verstopffung der Leber/ der Nieren/ Harngäng/ und der Blasen/ vertreibet die Geelsucht/ Wassersucht/ den schmertzen der Därm und der Mutter/führet auss den Stein/ treibet den/ vertreibt die Harnwinde/ und das tröpfflingen harnen.“

New Kreuterbuch 1588

„Tröstlich ist auch, dass dass Rindvieh jsset dz Kraut von der Beerwurtz fast gern/ unnd bekommen die Kühe viel Milch davon/ darauss treffentliche gute Käss im Schwarzwald unnd andersswo gemacht werden.“

In der neuzeitlichen Pflanzenheilkunde wird Bärwurz in der Hildegard-Medizin eingesetzt. Der sogenannte Bärwurzbirnenhonig enthält als Kräuterhauptbestandteil getrocknete und gehäckselte Bärwurzel neben anderen Kräutern.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Stuttgart 1994, ISBN 3-8001-3461-6
  • Albert Thellung: Umbelliferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band V.2, 1. Auflage. München 1926, Seite 926-1537. (Beschreibung)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. Seite 716. ISBN 3-8001-3131-5
  2. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Meum - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 13. September 2015.
  3. http://www.derkleinegarten.de/800_lexikon/807_heilpflanzen/148_meum_athamanticum_baerwurz_heilpflanze_tee.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bärwurz (Meum athamanticum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien