Bring your own device

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Bring Your Own Device (BYOD) ist die Bezeichnung dafür, private mobile Endgeräte wie Laptops, Tablets oder Smartphones in die Netzwerke von Unternehmen oder Schulen, Universitäten, Bibliotheken und anderen (Bildungs-)Institutionen zu integrieren. Darunter verstanden werden auch Organisationsrichtlinien, die regeln sollen, auf welche Art und Weise Mitarbeiter, Schüler oder Studenten ihre eigenen elektronischen Bürogeräte zu dienstlichen oder schulischen Zwecken, insbesondere für den Zugriff auf Netzwerkdienste und das Verarbeiten und Speichern organisations- oder unternehmensinterner Daten, nutzen dürfen.

BYOD soll den Nutzern eine größere Wahlfreiheit bringen und der Organisation eine bessere Orientierung an persönlichen Bedürfnissen ermöglichen. Im Bildungsbereich bietet BYOD ökonomische und ökologische Potenziale: Statt dass Schulen und Hochschulen mit finanziellem Aufwand (hoch-)schuleigene Geräte beschaffen müssen, sollen die zunehmend privat bereits verfügbaren Geräte der Lernenden auch für schulische Zwecke genutzt werden können.

Ein anderer Ansatz ist das Konzept Corporate Owned, Personally Enabled (COPE), bei dem Mitarbeitern ein konzerneigenes Gerät auch zur privaten Nutzung überlassen wird.

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BYOD kann für Organisationen ein Sicherheitsrisiko darstellen, da damit Daten der Organisation auf nicht oder nur teilweise kontrollierbaren fremden Geräten verarbeitet werden und sich diese Geräte auch im internen Netzwerk der Organisation bewegen und dieses stören oder ausspionieren könnten. BYOD läuft zudem der Strategie zur Vereinheitlichung der IT-Infrastruktur entgegen. Es wird befürchtet, dass mit BYOD die Komplexität und damit der Betriebsaufwand steigt.

Neben Sicherheitsfragen wirft BYOD juristische Probleme auf: Der Datenschutz von zu verarbeitenden personenbezogenen Daten und Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen muss gewahrt bleiben. Die rechtliche Haftung im Fall, dass BYOD-Geräte bei der Nutzung zu Schaden kommen oder andere Geräte beschädigen oder stören, muss geklärt sein.

In BYOD-Richtlinien werden bestimmte Hürden wie VPNs, Festplattenverschlüsselung oder auch nur eingeschränkte Dienstangebote zugelassen. Oftmals werden auch reine Virtual Desktop Infrastructures, Terminalserver oder Webanwendungen (meist Webmail) erlaubt, die keine Daten auf den Geräten speichern.

Persönliche Einschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Umständen müssen Nutzende zulassen, dass die Organisation Einstellungen auf den privaten Geräten vornimmt, die die Sicherheit der Organisationsdaten und des Organisationsnetzes gewährleisten. Je nachdem, ob und wie stark sich die Organisation finanziell an den Geräten beteiligt, werden auch Kosten auf die Nutzenden verlagert. Eine Organisation, die das Nutzen privater Geräte zulässt, spart unter Umständen bei der Beschaffung von Endgeräten.

Außerdem kann die BYOD-Nutzung zu einer erhöhten oder ständigen Erreichbarkeit führen.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die offene Arbeitsgruppe „Bring Your Own Device“ des IT-Planungsrats hat das Ziel, einen Erfahrungsaustausch zu initiieren und für interessierte Verwaltungen Wege aufzuzeigen, unter welchen Rahmenbedingungen der Einsatz privater mobiler Endgeräte in der Verwaltung sinnvoll sein kann. Daran wird das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beteiligt.[1]

BYOD in der Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

43 Prozent aller Lehrer halten BYOD für sinnvoll. 48 Prozent halten BYOD für überflüssig, so eine forsa-Studie.[2] Auch außerhalb der Schule wird der Nutzen von BYOD bezweifelt. Das „Bündnis für humane Bildung – aufwach(s)en mit digitalen Medien“ verweist in diesem Zusammenhang beispielsweise auf das Hamburger Projekt „BYOD – Start in die nächste Generation“ und die OECD-Studie “Students, Computers and Learning: Making the Connection”.[3] In der OECD-Studie “Students, Computers and Learning: Making the Connection” zeigten im Fachunterricht diejenigen Schüler die besten Ergebnisse, die nur mäßig mit digitalen Medien lernten.[4] Schüler, die in der Schule sehr häufig mit einem PC lernten, zeigten bei zentralen Prüfungen und Vergleichsarbeiten häufig einen geringeren Lernerfolg als Schüler, die selten am PC lernten, so OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.[5]

Laut Wilfried Bos hat die PISA-Sonderauswertung „Students, Computers and Learning“ gezeigt, dass es Ländern, die im internationalen Vergleich viel Geld in die IT-Ausstattung ihrer Schulen investiert haben, trotzdem nicht gelungen ist, die Leistungen ihrer Schüler in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik oder Naturwissenschaften nennenswert zu verbessern.[6]

Das ist aber auch gar nicht das originäre Ziel der digitalen Bildung. Diese verfolgt nicht das originäre Ziel, die Leistungen von Schülern in den Bereichen der Lesekompetenz, Mathematik oder der Naturwissenschaften zu verbessern, sondern dient primär der Vermittlung von IT-Kompetenzen. Dieser Bildungsinhalt tritt heute gleichwertig neben die traditionellen Fachinhalte und ergänzt diese. Eine Diskussion, die sich nur auf den Nutzen digitaler Medien für die Wissensvermittlung traditioneller Fachinhalte beschränkt, verkürzt den in Schulgesetzen, Lehr- und Bildungsplänen vorgegebenen Bildungsauftrag unzulässig, so Markus Niederastroth.[7]

Lernen mit digitalen Schulplattformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Willen der Kultusministerkonferenz sollen die Schülerinnen und Schüler ab dem Sommer 2018 mit ihren digitalen Endgeräten systematisch in digitalen Lernumgebungen lernen.[8] Doch bislang gelingt es den Bundesländern nicht, geeignete Schulplattformen zu entwickeln.[9]

Leistungsüberprüfungen in der Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Schulformen sind die Leistungsüberprüfungen in die Bereiche Reproduktion, Reorganisation, Transfer und problemlösendes Denken gegliedert. Insbesondere für den Bereich der Reproduktion, der häufig ein Drittel einer Prüfungsleistung ausmacht, scheint es unumgänglich, die Prüfungsrichtlinien zu überarbeiten, bevor BYOD zum Einsatz kommt. Denn wenn die Schüler ihre mobilen Endgeräte, auf denen sich sämtliche Unterlagen inklusive Tafelbilder befinden, mit in eine Prüfung nehmen können, brauchen sie dort nur noch abzuschreiben, bzw. zu kopieren und einzufügen.

Aber auch in den Bereichen Reorganisation, Transfer und problemlösendes Denken scheint BYOD noch nicht mit den aktuellen Prüfungsrichtlinien vereinbar. Denn wenn die Schüler einer Klasse während einer Leistungsüberprüfung mit ihren mobilen Endgeräten online gehen könnten, hätte dies zur Folge, dass sie sich während der Leistungsüberprüfung untereinander und mit externen Experten austauschen könnten.[10]

BYOD vs. Lernmittelfreiheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch hinsichtlich der Lernmittelfreiheit scheint BYOD nicht dem aktuellen Schulrecht in Deutschland vereinbar. Denn falls eine Schule beschließen sollte, im Klassenverband mit mobilen Endgeräten zu lernen, müssen natürlich alle Schüler mitlernen können. Folglich müssen Eltern ihre Kinder dann verpflichtend mit mobilen Endgeräten ausstatten, diese Geräte instand halten, gegebenenfalls zeitnah reparieren lassen und im besten Falle ein Ersatzgerät vorrätig halten. Dies übersteigt den Eigenanteil an Lernmitteln deutlich. Denn gemäß der Verordnung über die Durchschnittsbeträge und den Eigenanteil nach § 96 Abs. 5 SchulG liegen die Durchschnittsbeträge für den Eigenanteil an Lernmitteln, der an allgemein bildendenden Schulen pro Schüler im Schuljahr entrichtet werden soll, unter 100 €. Damit lassen sich keine geeigneten mobilen Endgeräte kaufen, in Betrieb nehmen und gegebenenfalls instand setzen. I. d. R. reicht das Geld knapp für die benötigten Schulbücher.[11]

An diesem Eigenanteil an Lernmitteln orientiert sich auch § 28 Abs. 3 SGB II. Zudem finden bei Schülern in Abhängigkeit von ihrem Alter gem. § 6 Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz auch noch regelbedarfsrelevante Verbrauchsausgaben für die Nachrichtenübermittlung Berücksichtigung, ca. 70 Prozent von 36,56 € pro Monat. Wenn BYOD an deutschen Schulen verpflichtend eingeführt werden soll, dann müssen die Grenzen des § 28 Abs. 3 SGB II an die veränderte Situation angepasst werden.

Weitere Bedeutung des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Business-Class-Sitz mit Tablet-Halter statt persönlichem Bildschirm

In der Passagierbeförderung steht der Begriff für den Trend fest mit dem Fahrzeug verbundene elektronische Informations- und Unterhaltungssysteme durch die Nutzung persönlicher Geräte zu ergänzen oder zu ersetzen. So bieten z. B. Fluggesellschaften statt des im Vordersitz verbauen Bildschirms Streaming-Möglichkeiten auf das persönliche Mobiltelefon des Fluggasts über WiFi (siehe Bild).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschluss 2015/25 des IT-Planungsrats (BAnz AT 19.08.2015 B1).
  2. forsa (2014). IT an Schulen: Ergebnisse einer Repräsentativbefragung von Lehrern in Deutschland. Berlin: forsa.
  3. DigitalPakt Schule der Kultusminister: Irrweg der Bildungspolitik. Abgerufen am 27. Juni 2017.
  4. Students, Computers and Learning: Making the Connection. Abgerufen am 27. Juni 2017.
  5. Wer am Computer lernt, ist nicht gleich klüger. Abgerufen am 27. Juni 2017.
  6. Schule digital – Der Länderindikator 2015. Abgerufen am 27. Juni 2016.
  7. Niederastroth, M.: Strategie der Kultusministerkonferenz "Bildung in der digitalen Welt". Herausforderung für Educational Governance, Schulentwicklung und schulisches Qualitätsmanagement. Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8288-4120-8.
  8. Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusministerkonferenz. Abgerufen am 27. Juni 2017.
  9. Es droht ein Debakel wie beim BER: Bundesländer machen sich beim Aufbau von digitalen Schulplattformen lächerlich. Abgerufen am 8. Juni 2018.
  10. Niederastroth, M.: Medienbildung in der Schule – nein danke? Warum deutsche Lehrer in ihrem Unterricht auf den Computer verzichten. Hamburg 2015, ISBN 978-3-95820-488-1.
  11. Niederastroth, M.: Strategie der Kultusministerkonferenz "Bildung in der digitalen Welt". Herausforderung für Educational Governance, Schulentwicklung und schulisches Qualitätsmanagement. Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8288-4120-8.