Babassupalme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Babassupalme
Babacu.JPG

Babassupalme (Attalea speciosa)

Systematik
Ordnung: Palmenartige (Arecales)
Familie: Palmengewächse (Arecaceae)
Unterfamilie: Arecoideae
Tribus: Cocoseae
Gattung: Attalea
Art: Babassupalme
Wissenschaftlicher Name
Attalea speciosa
Mart. ex Spreng.
Illustration von Attalea speciosa. Carl Friedrich Philipp von Martius; Historia Naturalis Palmarum
Fruchstände von Attalea speciosa, man sieht auch die bogenförmigen, verholzten Hochblätter

Die Babassupalme (Attalea speciosa), auch Cusipalme, ist eine südamerikanische Palmenart aus deren Samen das Babassuöl gewonnen wird. Ähnlich ist die Cohunepalme (Attalea cohune) aus deren Samen ebenfalls Pflanzenfett gewonnen wird.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Attalea speciosa ist eine einzelstämmige, monozöische Palme, die bis 30 m hoch wird und Stammdurchmesser von 20 bis 50 cm erreicht. Die Palme kann bis 200 Jahre alt werden und trägt das erste Mal nach 8–10 Jahren Früchte.[1] Die 12–20 Blätter sind an der Krone angeordnet, sie sind sechs bis neun Meter lang und stehen nach oben und in spitzem Winkel nach außen ab, die Spitzen sind bogig nach unten gekrümmt und häufig verdreht. Der Blattstiel ist 1,5 bis 2 Meter lang, die Blätter tragen 150 oder mehr 30 bis 70 cm lange und ca. 3–4 cm breite, mattgrüne Fiederblättchen entlang der Rhachis.

Die eins bis acht, bis zu einem Meter oder länger gestiehlten Blütenstände sind hängend und entweder rein männlich, weiblich oder bisexuell (androgyn). Sie erreichen Längen von einem bis zu zwei Meter. Es sind zwei Vorblätter vorhanden, das erste ist ca. einen Meter lang. Im Knospenstadium sind die Blütenstände vom zweiten ca. zwei Meter langen und ca. 20 cm breiten, bootförmigen sowie langspitzigen und verholzten Vorblatt umgeben. Männliche Blütenstände haben bis 400 Seitenzweige, jeder mit 15 bis 100 Blüten. Die männlichen Blüten sind weißlich-gelblich, sie haben 12–24 Staubblätter mit verdrehten Antheren. Die weiblichen Blütenstände tragen weibliche und steril männliche Blüten. Die bisexuellen Blütenstände haben etwas mehr Seitenzweige, jeder trägt ein bis zwei (selten drei) weibliche Blüten und ein bis mehrere männliche Blüten, die sich häufig nicht voll entwickeln.

Samenkerne von Attalea speciosa

Die schnabelspitzige Frucht ist eine ellipsoide Steinfrucht von 6 bis 15 cm Länge und 4 bis 10 cm Breite. Das haselnussbraune Exokarp ist faserig und bis 4 mm dick, das fleischige, trockene bis ca. 10 mm dicke Mesokarp ist faserig bis mehlig, das dunkelbraune Endokarp ist extrem hart, holzig und bis 1,5 cm dick, es ist etwa 3,5 bis 7,5 cm im Durchmesser.[2] Die Früchte wiegen ca. 80 bis 250 Gramm. Im Inneren befinden sich einer bis acht (bis elf) abgeflachte, ellipsoide Samen, mit dünner, dunkelbrauner Samenschale, von 2 bis 5 cm Länge und 1–2 cm Dicke. Die einzelnen Kerne wiegen etwa 3–9 Gramm.[3] Sie besitzen ein öliges, weißes Endosperm welches ca. 60–70 % Fett enthält. Die Fruchstände tragen 100–600 Früchte und können bis zu 90 kg schwer werden. Außen auf der Schale (Exokarp) befinden sich braune, puderige Schuppen. Die Samen machen etwa 6–10 % des Fruchtgewichts aus. Als die Früchte 1867 das erste Mal nach England kamen, konnten sie nicht geknackt werden, sie wurden darum ins Meer geworfen.[1]

Verbreitung und Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Babassupalme ist im südlichen Bereich des Amazonasbeckens vom Atlantik bis Bolivien heimisch und reicht im Norden über den östlichen und zentralen Amazonas bis Guyana und Surinam. Die meisten Bestände befinden sich allerdings südlich des Amazonas. In Maranhão und Piauí gibt es Babassu-Bestände mit bis zu 10.000 Palmen pro Hektar. Dies sind vorwiegend junge Pflanzen, die sich auf gestörten Standorten besonders leicht ansiedeln. Diese sogenannte Babassu-Zone erstreckt sich über rund 150.000 km2 im Südosten des Amazonasgebietes, häufig am Übergang vom Wald zur Savanne.

Bezüglich der Standortbedingungen ist die Babassupalme relativ anspruchslos. Meist wächst sie auf guten Böden bei hohen Niederschlägen. Sie kommt auch in trockeneren Gebieten vor, hier aber eher entlang der Flussläufe. Überschwemmungen verträgt sie allerdings nicht. Als optimal für das Wachstum gelten 1500 bis 2500 mm jährlicher Niederschlag.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Babassupalmen werden weniger in Plantagen angebaut, sondern es werden die natürlichen Bestände gefördert und genutzt. Junge, dichte Bestände werden dabei durch die Ernte von Palmherzen ausgedünnt, da dabei die Palmen absterben. Ältere und rein männliche Palmen werden ebenso eliminiert.

Die Quebradeiras de Coco Babaçu (Sammlerinnen der Babassu-Frucht) sind traditionelle Gemeinschaften in Brasilien, die ihre kollektive Identität explizit auf einer ökonomischen Tätigkeit von Frauen begründen. Ihre Sammelgebiete in Maranhão, Pará, Piaui und Tocantins wurden seit 1950 zunehmend eingezäunt. Sie forderten daher den freien Zugang zu den Babaçu-Gebieten „Terra Babaçu livre“ (Freies Babaçu-Land). Einige Gesetze auf Gemeindeebene garantieren heute den freien Zugang (Lei Babaçu Livre). Als anerkannte traditionelle Gemeinschaft wird der gesetzliche Schutz durch ein Dekret erweitert.[4] Die Direktvermarktung der Babassu-Produkte; Babassuöl, -milch (mischen der zerkleinerten Kerne mit Wasser), -mehl (aus dem Mesokarp), Seife, Körbe u. a. wird derzeit über Genossenschaften intensiviert.[5]

Das Exokarp (ca. 10–15 %) dient als Brennstoff, das Mesokarp (ca. 20–25 %) wird für industrielle Stärke, Glukose und Alkohol oder Viehfutter genutzt, das Endokarp (ca. 55–62 %) wird verkohlt oder als Substrat für Hydrokulturen verwendet. Die Samen dienen auch als Papageienfutter.

Der Blütenstiel liefert eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die bei der Vergärung alkoholhaltig wird und von den Indianern konsumiert wird.[6]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Babassupalme wird heute unter dem Namen Attalea speciosa geführt. Ein häufig verwendetes Synonym ist Orbignya speciosa, es gibt allerdings noch etliche weitere Synonyme.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Janick, R. E. Paull: The Encyclopedia of Fruit & Nuts. Oxford University Press, 2008, ISBN 978-0-85199-638-7. S. 92 f.
  • Elsa Franke, Reinhard Lieberei, Christoph Reisdorff: Nutzpflanzen. 8. Auflage, Thieme, 2012, ISBN 978-3-13-530408-3, S. 135.
  • Food and Fruit-bearing Forest Species. 3: Examples from Latin America, FAO, 1986, ISBN 92-5-102372-7, S. 209 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Michael Bockisch: Fats and Oils Handbook. AOCS Press, 1998, ISBN 978-0-9818936-0-0, S. 294–301.
  2. G. E. Wickens: Edible Nuts. FAO, 1995, ISBN 92-5-103748-5, S. 91, online (PDF; 13,8 MB), auf fao.org, abgerufen am 22. November 2017.
  3. J. Smartt, Emmanuel Nwokolo: Food and Feed from Legumes and Oilseeds. Chapman & Hall, 1996, ISBN 0-41245-930-2, Springer, ISBN 978-1-4613-8050-4, S. 302.
  4. Dieter Gawora, Maria Helena de Souza Ide, Romulo Soares Barbosa (Hrsg.), Mirja Annawald (Übers.): Traditionelle Völker und Gemeinschaften in Brasilien. Lateinamerika-Dokumentationsstelle, Kassel University Press, Kassel 2011, ISBN 978-3-86219-150-5, online (PDF, 7,2 MB), auf uni-kassel.de, abgerufen am 30. August 2016.
  5. Brasilicum 238/239, Freiburg 2015, ISSN 2199-7594 S. 49, online (PDF; 5,3 MB), auf kooperation-brasilien.org, abgerufen am 22. November 2017.
  6. Umberto Quattrocchi: CRC World Dictionary of Palms. CRC Press, 2017, ISBN 978-1-351-65149-3.
  7. Attalea speciosa in der World Checklist of Selected Plant Families, abgerufen 29. Oktober 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Attalea speciosa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien