Maranhão

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Maranhão
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Basisdaten
Staat Brasilien
Hauptstadt São Luís
Fläche 331.983 km²
Einwohner 6.574.789 (2010)
Dichte 20 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 BR-MA
Wirtschaft
BIP 81.500 Mio. R$
12.396 R$ pro Kopf
(2019 (geschätzt)[1])
Koordinaten: 5° S, 45° W

Maranhão, amtlich portugiesisch Estado do Maranhão, ist ein Bundesstaat im Nordosten von Brasilien. Er grenzt an die Bundesstaaten Piauí, Tocantins und Pará. Die Hauptstadt von Maranhão ist São Luís. Die Bevölkerungszahl wurde zum 1. Juli 2020 auf 7.114.598 Einwohner geschätzt, die auf rund 329.642,2 km² (2019) leben.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maranhão ist durch den abrupten Übergang von Vegetationstypen geprägt: Mangrovenwälder bzw. Sanddünen an der Küste und Steppe im Sertão.

Städte und Landschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küste von Maranhão[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptstadt São Luís ist eine wichtige Industriestadt. Als Hafenstadt ist sie der Endpunkt der Bahnstrecke aus dem Eisenerzgebiet Karajá. Sie hat eine koloniale Altstadt, die als Weltkulturerbe nach und nach restauriert wird.

Alcântara liegt auf der anderen Seite der Baía de São Marcos. Die Stadt bietet einen extremen Kontrast von verfallender ehemaliger kolonialer Größe und High-Tech in Form des brasilianischen Weltraumbahnhofs.

Nur wenige Kilometer südlich von São Luís beginnt die unwegsame Baixada Maranhense um die Mündung des Rio Mearim. Hunderte von Seen wie die Lagoa Cajari oder Lagoa do Viana bilden das größte Gebiet von natürlichen Seen im Nordosten Brasiliens.

Weiter im Westen liegt das kaum zugängliche Naturreservat der Reentrâncias Maranhenses mit ausgedehnten Mangrovenwäldern auf Hunderten von Inseln und Halbinseln mit ausgeprägten Gezeiten.

Der Nationalpark Lençóis Maranhenses

Im Nordosten umfasst der Nationalpark der Lençóis Maranhenses („Bettlaken von Maranhão“) ein etwa 100 km langes und 70 km breites Gebiet von Sanddünen mit eingelagerten kleinen Seen. In der Nähe des amazonischen Regenwaldes ist die brasilianische Wüste überraschend. Durch die neue Straße nach Barreirinhas sind die Lençóis gut erreichbar und erleben einen großen Ansturm von Touristen. Mit Booten erreicht man Atins mit Zugang zum Dünengebiet und Caburé, wo man abseits städtischer Hektik am Meer oder Fluss wandern und baden kann.

20 km östlich und nur über den Strand erreichbar liegt am Rande der kleinen Bettlaken (Pequenos Lençóis) Paulino Neves. Ein weiterer, ruhiger Ort an der Küste ist Tutóia, der westliche Ausgangspunkt für Bootsfahrten in und durch das inselreiche Parnaíba-Delta.

Das Hinterland von Maranhão[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Caxias im östlichen Hinterland von Maranhão nennt sich die Prinzessin des Sertão, den Titel hat auch die Stadt Barra do Corda. Sie lebt von Reisanbau und Produkten der Carnaúba-, Buriti- und Babaçu-Palmen.

Santa Inês und Açailândia konnten sich zu regionalen Zentren an der Straße nach Imperatriz am Rio Tocantins entwickeln. Diese Straße, die BR-010, verbindet Brasília mit Belém, Imperatriz ist inzwischen die zweitgrößte und zweitwichtigste Stadt im Bundesstaat geworden.

Über die Stadt Carolina, etwas weiter südlich am Rio Tocantins, kann man den neuen Nationalpark Chapada das Mesas erreichen. Dort gibt es zahlreiche Wasserfälle, wie den Cachoeira da Pedra Caída.

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Azulejo-Fassade in der Altstadt von São Luís

Die größten Städte mit ihren Einwohnerzahlen geschätzt zum 1. Juli 2019 sind:

Nr. Munizip Einwohner
01 São Luís 1.101.884
02 Imperatriz 258.682
03 São José de Ribamar 177.687
04 Timon 169.107
05 Caxias 164.880
06 Codó 122.859
07 Paço do Lumiar 122.197
08 Açailândia 112.445
09 Bacabal 104.949
10 Balsas 94.887
11 Santa Inês 89.044
12 Barra do Corda 88.212
13 Pinheiro 83.387
14 Chapadinha 79.675
15 Santa Luzia 72.667
16 Buriticupu 72.358
17 Grajaú 69.527
18 Itapecuru-Mirim 68.203
19 Coroatá 65.296
20 Barreirinhas 62.528
21 Tutoia 58.860
22 Vargem Grande 56.510
23 Viana 52.441
24 Zé Doca 51.714
25 Lago da Pedra 50.266

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima ist tropisch feucht. Das mittlere Minimum der Temperatur liegt bei 21 °C, das mittlere Maximum bei 32 °C. Es fallen zwischen 1200 und 2000 mm Niederschlag pro Jahr, im Westen humid, im Osten semiarid. Im Norden herrscht der Einfluss vom Amazonas, im Süden vom Sertão.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet von Maranhão ist seit einigen tausend Jahren besiedelt. Die ersten Europäer haben an den Küsten Maranhãos laut Mário Meireles schon vor der offiziellen „Entdeckung“ Brasiliens durch Cabral angelegt und Handel getrieben. Genannt werden Diogo de Teive (1452), Gonçalo Taveira und João Vogado (1453), João Coelho (1493), Alonso de Ojeda, Juan de La Cosa und Américo Vespúcio (1497), sowie Juan Vergara und Garcia Ocampo (1499/1500).

Der portugiesische König Dom João III vergab 1534 die Capitanía do Maranhão an João de Barros und Fernão Álvares de Andrade, Gewürzhändler der Krone, die 1535 Aires da Cunha mit 10 Schiffen und 900 Männern auf Expedition schickten. Sie erlitten Schiffbruch, ebenso wie die nächste Expedition von Luis de Melo e Silva im Jahre 1554. Damit endeten die portugiesischen Kolonisationsversuche. Schon 1594 siedelten Franzosen (bis 1612) 500 Mann unter Daniel de la Touche an und gründeten die Stadt Saint Louis. 1615 besiegten portugiesische Truppen von Jerônimo de Albuquerque die Franzosen. 1641 wurde der blutrünstige Gouverneur Bento Maciel Parentes von 18 Schiffen und ihrer holländischen Besatzung überrumpelt. Die Holländer hielten die Stadt São Luís bis 1644. Hauptprodukte zu der Zeit waren Zuckerrohr, Kakao und Tabak.

Im 17. Jahrhundert brachten Jesuiten die christliche Botschaft in den Sertão, wo sie 20 indianische Dörfer gründeten. 1760 wurden sie des Landes verwiesen.[3] Fortan waren die Indígenas den Großgrundbesitzern und Sklavenjägern schutzlos ausgeliefert.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

62. und 63. Gouverneur ist seit 1. Januar 2015 und nach erfolgter Wiederwahl zum 1. Januar 2019 Flávio Dino de Castro e Costa, bekannt unter dem Politikernamen Flávio Dino, des Partido Comunista do Brasil (PCdoB), der 2015 den Vorgänger Arnaldo Melo des Movimento Democrático Brasileiro (PMDB) abgelöst hatte. Sein Vizegouverneur wurde Carlos Brandão Junior von den Republicanos (REP)

Die Legislative liegt bei der Legislativversammlung von Maranhão aus 43 gewählten Abgeordneten.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste Einkommensquelle ist der Bergbau. Das Eisenerz aus Karajá (Pará) kommt über eine Bahnlinie und wird von dem Hafen der Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) bei São Luís exportiert, jährlich etwa 50 Millionen Tonnen.

Angebaut werden Soja, Reis, Mais, Cajú und Maniok.

Gegenüber von São Luís liegt bei der Kolonialstadt Alcântara das brasilianische Raumfahrtzentrum Centro de Lançamento de Alcântara.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Bahnlinie führt in das 892 km entfernt liegende Erzgebiet Karajá. Sie gehört dem brasilianischen Bergbaukonzern CVRD. Ein Abzweig führt von Açailândia nach Imperatriz, die Verlängerung bis Estreito ist im Bau, sie soll bis Balsas gehen.

São Luís ist mit Timon und damit mit dem Bahnnetz Nordost-Brasiliens verbunden.

Neben dem Hafen von Itaqui gibt es private Häfen der CVRD und der Aluminiumschmelze Alumar. 2003 wurden 68,5 Millionen Tonnen mit 991 Schiffen im- und exportiert.

Es gibt Flughäfen in São Luís und Imperatriz.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Populär in den Städten ist der Reggae.

Neben dem Karneval ist Bumba-meu-boi das typische Fest im Juni. Es ist afrikanisch-indianischen Ursprungs und erzählt in kritisch-satirischer Form die Geschichte einer Sklavin, die ihren Mann beauftragt, den schönsten Stier zu töten, damit sie die Zunge essen kann, um dadurch schwanger zu werden. Der Großgrundbesitzer beauftragt Indianer, ihn zu fangen. Ein Arzt muss den Stier wiederbeleben. Alles wird gut und endet in einem großen Fest.

Typische Tänze sind Tambor de Crioula und Tambor de Mina.

Kunsthandwerk wird aus den Fasern der Buriti-Palme hergestellt.

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldbrände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die waldreichen Gebiete in Brasilien sind von Waldbränden bedroht, was auch für Maranhão gilt, z. B. das Indigenenreservat Araribóia und weitere Naturschutzgebiete.

Die Angaben beruhen auf Satellitenbeobachtung und werden täglich erneuert.[5]

Jahr Brände in Maranhão
2013 12.814
2014 19.137
2015 20.834
2016 17.455
2017 20.172
2018 10.899
2019
18.521
2020 16.817

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Maranhão – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Estado do Maranhão – dados econômicos, Geografia, população. In: suapesquisa.com. 6. Mai 2020, abgerufen am 13. Januar 2021 (brasilianisches Portugiesisch).
  2. Maranhão – Panorama. In: cidades.ibge.gov.br. IBGE, abgerufen am 27. Oktober 2020 (brasilianisches Portugiesisch).
  3. Breno Machado dos Santos: Os Jesuítas no Maranhão e Grão-Pará Seiscentista. Paco Editorial, Jundiaí 2015, ISBN 978-85-8148-914-8, S. 219.
  4. José Coelho de Souza: Os jesuítas no Maranhão. Fundação Cultural do Maranhão, São Luís 1977.
  5. Situação atual – Programa Queimadas – INPE. In: inpe.br. queimadas.dgi.inpe.br, abgerufen am 13. Januar 2021.