Freie Strecke

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Der Begriff freie Strecke wird im Verkehrswesen, insbesondere dem Straßenbau und der Eisenbahn, verwendet.

Straßenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Straßenbau gelten Landstraßen (Bundesstraßen, Landesstraßen, Staatsstraßen (Bayern, Sachsen, Thüringen) oder Gemeindestraßen) als freie Strecke, wenn diese weder Knotenpunkt, noch Ortsdurchfahrt sind.[1] Auf der freien Strecke wird die Straße nach der RAS-L (Richtlinien für die Anlage von Straßen, Teil: Linienführung) trassiert. Es gilt in Deutschland im Allgemeinen die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, außer wenn sogenannte Zwangspunkte der Trasse wie z. B. Berge oder Flüsse die optimale Trassierung verhindern.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Eisenbahn bezeichnet freie Strecke einen Teil der Bahnanlagen. In § 4 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung wird zwischen Bahnanlagen der Bahnhöfe, der freien Strecke und sonstigen Bahnanlagen unterschieden.[2] Als Grenze zwischen freier Strecke und Bahnhof gilt der Standort des Einfahrsignals oder der Trapeztafel (Signal Ne 1), sonst die erste Weiche (Einfahrweiche) des Bahnhofs oder ein in den örtlichen Richtlinien genannter Punkt. Viele Betriebsstellen zählen ebenfalls zur freien Strecke. Zur Zugsicherung auf der freien Strecke wird diese in Blockabschnitte eingeteilt, in die jeweils höchstens eine Zugfahrt eingelassen wird. Auf Hauptbahnen sowie einigen Nebenbahnen wird das durch den Streckenblock gesichert.

Zu den Bahnanlagen der freien Strecke gehören neben dem Streckengleis zunächst die nachfolgend genannten Betriebsstellen:

  • AbzweigstellenZüge können unter Freigabe des Blockabschnitts für andere Züge auf eine andere Eisenbahnstrecke wechseln, dies gilt auch für parallel geführte Bahnstrecken.
  • Anschlussstellen – Züge können als Rangierfahrt auf das Anschlussgleis ohne Freigabe des Blockabschnitts wechseln.
  • Ausweichanschlussstellen – Züge können auf ein Anschlussgleis als Zug- oder Rangierfahrt unter Freigabe des Blockabschnitts wechseln.
  • Blockstellen – begrenzen Blockabschnitte.
  • Deckungsstellen – decken eine Gefahrenstelle, z. B. einen höhengleichen Bahnsteigzugang oder eine bewegliche Brücke.
  • Haltepunkte – Züge halten zum Ein- oder Aussteigen, können dort beginnen oder enden.
  • Haltestellen – sind Haltepunkte, die mit einer Abzweigstelle, Überleitstelle, Anschlussstelle oder Ausweichanschlussstelle örtlich verbunden sind (aber kein Bahnhof).
  • Überleitstellen – Züge können von einem Streckengleis auf ein anderes Streckengleis derselben Eisenbahnstrecke wechseln, dies gilt auch zwischen eingleisigen und zweigleisigen Abschnitten derselben Eisenbahnstrecke.

Die Merkmale von Abzweigstellen, Anschlussstellen, Ausweichanschlussstellen, Haltestellen und Überleitstellen können auch auf einen Bahnhof zutreffen. Ob eine Bahnanlage als Bahnhof betrachtet wird oder als Bahnanlage der freien Strecke ist Entscheidung des Infrastrukturbetreibers. Entscheidet er sich für die Einstufung als Bahnhof, müssen jedoch die baulichen Anforderungen für Bahnhöfe erfüllt sein (mindestens eine Weiche, Signale usw.).

Außer den Betriebsstellen gehören auch noch weitere Anlagen zu den Bahnanlagen der freien Strecke, die zum Betrieb einer Eisenbahn notwendig sind. Das sind z. B. Signale, Oberleitungen, Überführungen, Bahnübergänge, Durchlässe, Brücken, Stützmauern oder Bahndämme.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Netzeigenschaften. In: Anweisung StraßeninformationsBank. Bundesanstalt für Straßenwesen, 28. März 2014, S. 6, abgerufen am 23. Oktober 2018 (PDF; 192 KiB, Abschnitt 1.5 Ortsdurchfahrt / Freie Strecke).
  2. § 4 Begriffserklärungen. In: Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, 28. September 1955, abgerufen am 6. Februar 2017.