Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa

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Roßwein–Niederwiesa
Strecke der Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa
Ausschnitt der Streckenkarte Sachsen 1902
Streckennummer: 6620; sä. RW
Kursbuchstrecke (DB): 516
Streckenlänge: 37,49 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 14 
Minimaler Radius: 290 m
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Strecke – geradeaus
von Coswig (Dresden)
Bahnhof, Station
0,000 Roßwein
   
nach Borsdorf (Sachs)
   
1,200 Brücke Goldbornstraße
   
1,700 Brücke Wannesiedlung
   
4,187 Striegis (25 m)
   
4,572 Striegis (23 m)
   
5,097 Striegis (33 m)
   
5,420 Grunau (Sachs) (ehem. Bf.)
   
5,450 Anschluss Grunau Papierfabrik
   
5,467 Striegis (28 m)
   
9,305 Böhrigen
   
12,000 Anschluss Hartsteinwerk Berbersdorf
   
12,350 Berbersdorf
   
17,040 Kratzmühle
   
18,565 Viadukt Crumbach (57 m)
   
19,000 Anschluss Ziegelwerk Hainichen
   
19,971 Hainichen
Haltepunkt, Haltestelle
26,234 Dittersbach (b Frankenberg/Sachs)
Brücke (groß)
28,286 Viadukt Lützeltal (104 m)
Bahnhof, Station
29,081 Frankenberg (Sachs)
Brücke (groß)
29,630 Viadukt Hammertal (89 m)
Haltepunkt, Haltestelle
30,180 Frankenberg (Sachs) Süd (seit 2004)
   
31,125 Frankenberg (Sachs) Süd (ehem. Gunnersdorf; bis 2001)
Tunnel – bei mehreren Tunneln in Folge
32,620 Tunnel Harrassprung (86 m)
Haltepunkt, Haltestelle
33,930 Braunsdorf-Lichtenwalde (ehem. Bf.)
Brücke (groß)
34,635 Viadukt Braunsdorf (255 m)
Brücke über Wasserlauf (groß)
34,815 Zschopaubrücke (109 m)
Brücke (groß)
36,647 Viadukt Niederwiesa (181 m)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Dresden Hbf
Bahnhof, Station
37,494 Niederwiesa
Strecke – geradeaus
nach Werdau Bogendreieck

Die Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa ist eine Nebenbahn in Sachsen. Sie führt von Roßwein durch das Striegistal über Hainichen und Frankenberg nach Niederwiesa, wo die Strecke mit der Einmündung in die Trasse der Hauptbahn Dresden–Werdau endet. Seit 2004 befindet sich lediglich noch der 16,8 km lange Abschnitt zwischen Niederwiesa und Hainichen in Betrieb.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1867 begannen die Bauarbeiten für die Eisenbahnstrecke zwischen Niederwiesa und Hainichen. Am 1. März 1869 wurde die Eisenbahnstrecke als Abzweig der Hauptbahn zwischen Chemnitz und Dresden durch die Kgl. Sächsischen Staatseisenbahnen eröffnet. Anfänglich verkehrten lediglich rund zwei bis drei Züge täglich.

Die 1872 gegründete Hainichen-Rossweiner Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete am 15. August 1874 eine 17 Kilometer lange Neubaustrecke von Hainichen nach Roßwein an der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie. Sie ging am 10. August 1876 in das Eigentum der Kgl. Sächsischen Staatseisenbahnen über, die von Anfang an den Betrieb geführt hatte.

Harrastunnel um 1905

Der im Harrasfelsen gelegene Harrastunnel zwischen Braunsdorf und Frankenberg wurde durch einen schweren Eisenbahnunfall am 14. Dezember 1913 bekannt. Etwa 100 Kubikmeter Gestein lösten sich und blockierten das Südportal. Kurz nach 22.15 Uhr fuhr ein von Frankenberg nach Niederwiesa fahrender Personenzug in die Geröllhalde. Der Unfall forderte 10 Tote und 53 Verletzte und zählt noch heute zu den schwersten Eisenbahnunglücken in Sachsen.

Zum 24. Mai 1998 wurde durch den Freistaat Sachsen der Personenverkehr zwischen Roßwein und Hainichen abbestellt. Am 1. Januar 2000 wurde auch der Güterverkehr auf diesem Abschnitt eingestellt. Am 11. Juli 2001 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung des Abschnitts Hainichen–Roßwein, die am 30. September 2001 vollzogen wurde. Im August 2002 kam es zum bisher schwersten Hochwasser in Sachsen, in dessen Folge Brückenbauwerke entlang dieses Abschnittes von der dort fließenden Striegis völlig zerstört und Streckenteile unterspült wurden, ein Wiederaufbau und eine eventuelle Wiederinbetriebnahme der Strecke kam damit endgültig nicht mehr in Frage.

Im Oktober 2002 pachtete die Regio Infra Service Sachsen (RIS) die Gesamtstrecke. Der Abschnitt Niederwiesa–Hainichen wurde nach mehrjähriger Sanierung am 11. Dezember 2004 von der Chemnitzer City-Bahn wiedereröffnet; im Rahmen der Sanierung wurde der alte Haltepunkt Frankenberg (Sachs) Süd aufgelassen und durch einen neu errichteten Haltepunkt gleichen Namens etwa einen Kilometer weiter Richtung Ortsmitte, an der Wohnsiedlung „Auf dem Wind“, ersetzt. Als Fahrzeuge werden Montag bis Sonntag zwei Dieseltriebwagen vom Typ Regio-Shuttle im Stundentakt eingesetzt.

2003/04 wurde der Abschnitt Niederwiesa−Hainichen von der RIS saniert, dabei wurden auch die 1913 im Harrastunnel eingebauten Betonschalen durch einen Spritzbetonausbau ersetzt.[1] Der untere Abschnitt zwischen Hainichen und Roßwein blieb hingegen ungenutzt. Im Jahr 2005 wurde er von der Regio Infra Service Sachsen aufgegeben und die Stadt Hainichen gab den Abbau der Gleisanlagen in Auftrag, um auf der Trasse einen Radweg zu bauen.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnbrücke in Braunsdorf

Die heute nur noch ab Hainichen betriebene Strecke führt bis Frankenberg durch hauptsächlich landwirtschaftlich genutztes Gebiet und passiert kurz vor der Stadt den aus vier kleinen und drei größeren Bögen bestehenden Lützeltalviadukt. Nach Einschwenken in das enge Tal der Zschopau wird der Harrasfelsen mit dem 86 Meter langen Harrastunnel durchquert. Hinter dem Haltepunkt Braunsdorf-Lichtenwalde überquert die Strecke zuerst auf einem aus 24 Rundbögen bestehenden Steinviadukt die Auen der Zschopau und unmittelbar darauf auf einer Stahlbrücke den Fluss selbst. Mit einer Steigung von 1:100 führt sie nun wieder aus dem Tal heraus und verändert über einen Halbkreis den Verlauf von Osten nach Westen, um nach Überquerung des Niederwiesaer Viaduktes auf die Bahnstrecke Dresden–Werdau in Richtung Chemnitz zu treffen.

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roßwein

Bahnhof Roßwein

Der Bahnhof Roßwein wurde am 25. Oktober 1868 mit Eröffnung des Abschnitts DöbelnNossen der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig in Betrieb genommen. Zwischen 1872 und 1998 verkehrten vom Bahnhof Roßwein Personenzüge über die Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa über Hainichen und Frankenberg/Sa. in Richtung Niederwiesa.

Grunau (Sachs)

Der Bahnhof Grunau (Sachs) wurde am 28. August 1874 eröffnet. Er hatte folgende Namen:

  • bis 1922: Grunau
  • bis 1933: Grunau (Sa)
  • seit 1933: Grunau (Sachs)

Der Bahnhof wurde am 27. April 1998 außer Betrieb genommen.

Böhrigen

Bahnhof Böhrigen

Der Bahnhof Böhrigen wurde am 28. August 1874 eröffnet. Er besaß ein Empfangsgebäude, das noch vorhanden ist. Der Bahnhof befindet sich im Tal der Striegis im Zentrum von Böhrigen. Er wurde am 31. Januar 2000 außer Betrieb genommen.

Berbersdorf

Bahnhof Berbersdorf

Der Bahnhof Berbersdorf wurde am 28. August 1874 eröffnet. Er besitzt ein Empfangsgebäude, das noch vorhanden ist. Der Bahnhof befindet sich im Bereich des Zusammenflusses der Großen Striegis mit der Kleinen Striegis zur Striegis westlich von Berbersdorf. Er wurde am 1. Januar 2001 außer Betrieb genommen.

Kratzmühle

Haltepunkt Kratzmühle

Der Haltepunkt Kratzmühle wurde am 1. April 1883 eröffnet. Er befand sich an der Mündung des Kratzbachs in die Kleine Striegis direkt südlich der A4. Mit der Stilllegung des Streckenabschnitts Roßwein-Hainichen im Jahr 1998 wurde auch der Haltepunkt Kratzmühle am 27. April 1998 außer Betrieb genommen. Auf der abgebauten Strecke führt nun ein Radweg vorbei an der Kratzmühle.[2]

Hainichen

Der Bahnhof Hainichen wurde am 1. März 1869 eröffnet. Das stattliche Empfangsgebäude ist momentan ungenutzt. Nach der Einstellung des Zugverkehrs in Richtung Roßwein im Jahr 1998/2001 enden die Gleise kurz hinter dem Bahnhof an der Frankenberger Straße. Im Zuge der Modernisierung der Strecke in Richtung Niederwiesa für das Chemnitzer Modell wurde der Bahnsteig einige Meter vor den Bahnhof verlegt. Der Bahnhof Hainichen ist eine Schnittstelle zwischen Bus und Bahn.

Dittersbach

Der Haltepunkt Dittersbach wurde am 1. Mai 1897 eröffnet. Er trug folgende Namen:

  • bis 1911: Dittersbach bei Frankenberg
  • bis 1933: Dittersbach b Frankenberg (Sa)
  • seit 1933: Dittersbach

Der Haltepunkt verfügt über ein modernes Wartehäuschen, das alte hölzerne Wartehäuschen ist ebenfalls noch vorhanden.

Frankenberg (Sachs)

Der Bahnhof Frankenberg (Sachs) wurde am 1. März 1869 eröffnet. Er trug folgende Namen:

  • bis 1911: Frankenberg
  • bis 1933: Frankenberg (Sa)
  • seit 1933: Frankenberg (Sachs)

Das Empfangsgebäude wird in der Gegenwart als „Haus der Vereine“ genutzt.

Frankenberg (Sachs) Süd

Der Haltepunkt wurde am 1. Mai 1905 als Haltepunkt Gunnersdorf am ursprünglichen Standort an der Hermann-Fischer-Straße/Pappelallee eröffnet. 1962 erfolgte die Umbenennung in Frankenberg (Sachs) Süd. Nachdem der Halt im Jahr 2001 aufgelassen wurde, erfolgte nach der Sanierung der Strecke eine Verlegung in Richtung Frankenberg in die Friedhofssiedlung. RIS eröffnete den neuen Haltepunkt Frankenberg (Sachs) Süd, der über die Straße Am Wald erreichbar ist, im Jahr 2004. Er trägt vor Ort die fehlerhafte Beschilderung Frankenberg-Süd.

Braunsdorf-Lichtenwalde

Der Haltepunkt Braunsdorf-Lichtenwalde wurde am 1. März 1869 eröffnet. Er trug folgende Namen:

  • bis 1919: Braunsdorf
  • bis 1934: Braunsdorf (Zschopautal)
  • seit 1934: Braunsdorf-Lichtenwalde

Der Haltepunkt Braunsdorf befindet sich in Braunsdorf. Am gegenüber liegenden Ufer der Zschopau befindet sich das Schloss Lichtenwalde. Kurz vorher passierte der Zug die Zschopau und den Braunsdorfer Viadukt, kurz nach dem Bahnhof den Tunnel Harrasfelsen.

Niederwiesa

Bahnhof Niederwiesa

Der Bahnhof Niederwiesa wurde am 14. Mai 1866 an der Bahnstrecke Dresden–Werdau eröffnet. Seit 1869 war er der Endpunkt der Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa. Seit 1998 verkehren auf dieser Strecke die Züge nur noch bis Hainichen. Nach der Modernisierung dieser Strecke ist sie Teil der City-Bahn Chemnitz.

Heutiges Streckenende in Hainichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Streckenende befindet sich an der Frankenberger Straße in Hainichen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Preuß, Rainer Preuß: Sächsische Staatseisenbahnen. transpress Verlagsgesellschaft mbH, Berlin 1991, ISBN 3-344-70700-0
  • Andreas Petrak: Die Eisenbahn Niederwiesa–Roßwein. Kenning, Nordhorn 2006. ISBN 3-927587-84-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Petrak: Die Eisenbahn Niederwiesa–Roßwein. Kenning, Nordhorn 2006. ISBN 3-927587-84-2, S. 154
  2. Der Striegistalradweg auf www.eisenbahnrelikte.de