Schloss Lichtenwalde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Siehe auch: Jagdschloss Lichtenwald, Tschechien.

Schloss Lichtenwalde ist ein im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Niederwiesa im Landkreis Mittelsachsen befindliches Barockschloss im Eigentum des Freistaates Sachsen. Umgeben ist das Schloss von einem Barockpark mit zahlreichen Wasserspielen, der 2005 zu einem der schönsten Parks Deutschlands gekürt wurde. Das Schloss Lichtenwalde mit seinem Park ist eines von drei Häusern, welches neben Schloss Augustusburg sowie Burg Scharfenstein zu der Gruppe „Die Sehenswerten Drei“ gehört.[1]

Schloss Lichtenwalde – Gartenseite

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1230 entstand am linken Ufer der Zschopau, 60 m über dem Tal gelegen, eine Burganlage. Als Erbauer gelten die Markgrafen von Meißen, welche das ganze Umland südlich und westlich des Flusses schon einige Jahre zuvor von Rochlitz aus kolonisierten. Die Burg diente zunächst als Bollwerk gegen die nördlich und östlich angrenzenden reichsunmittelbaren Herrschaften Mildenstein und Schellenberg und wurde von einem markgräflichen Kastellan verwaltet, in welcher Eigenschaft 1280 ein Ritter Heidenreich von Lichtenwalde fungierte.

Tympanon aus der Entstehungszeit der ersten Schlosskapelle um 1230.
Jetzt im Schloßbergmuseum Chemnitz

Nachdem die Burg Ende des 13. Jahrhunderts für kurze Zeit vom Reich verwaltet wurde, fiel sie 1307 wieder an die Markgrafen zurück, die das Objekt mit allem Zubehör 1336 an die Burggrafen von Meißen verpfändeten und später auch an diese verlehnten. Die Burggrafen ihrerseits vergaben die Burg einige Jahre später an die Familie von Honsberg, welche hier bis 1439 gebot, während die burggräfliche Lehnshoheit bereits 1426 wieder an die Markgrafen zurückfiel. 1439 tauschten Apel Vitzthum der Jüngere zu Roßla und Konrad von Stein ihre Besitzungen mit denen von Honsberg und wurden somit neue Inhaber von Burg und Herrschaft, verloren diese aber im Verlauf des sächsischen Bruderkrieges 1447 wieder.

Neue Besitzer waren ab 1447 bis 1561 die von Harras, ein aus Thüringen stammendes altes Adelsgeschlecht. Zunächst wurde Hermann von Harras 1447 mit Lichtenwalde belehnt. Bedeutendster Vertreter der Familie war Dietrich von Harras († 1499), welcher die Burg ab etwa 1474 nach dem Tod seiner Mutter Ilse zusammen mit drei Brüdern übernahm. Dieser Dietrich von Harras ist jener aus der Harrassage, dem Theodor Körner in seiner Ballade Harras der kühne Springer ein bleibendes Denkmal gesetzt hat.[2]

Nach Dietrichs Tod ging die Herrschaft zunächst an seinen Sohn Georg II. von Harras und dann an Eustachius von Harras, welcher die alte Burg 1550 zu einem Wohnschloss umbauen ließ und 1561 ohne männliche Erben starb, worauf die Herrschaft Lichtenwalde an das Kurhaus Sachsen fiel und in ein landesherrliches Amt verwandelt wurde.

1694 erwarb die Familie von Bünau Lichtenwalde im Austausch gegen Pillnitz bei Dresden, welches Kurfürst Johann Georg IV. seiner Mätresse Magdalena Sibylla von Neitschütz schenken wollte.

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lichtenwalde um 1840
Schloss Lichtenwalde vor und nach dem Brand von 1905

1719 ersteigerte Jakob Heinrich Graf von Flemming den verschuldeten Besitz derer von Bünau und verkaufte ihn 1722 an Christoph Heinrich Reichsgraf von Watzdorf weiter, der die Reste der alten Burg wie auch des Harrasschen Schlosses abreißen ließ und ein großes Barockschloss an deren Stelle errichtete. Sein Sohn Friedrich Carl von Watzdorf († 1764) ließ um die Anlage ab 1730 einen weitläufigen Park anlegen.

Als Watzdorf ohne Nachkommen starb, gelangte Lichtenwalde 1764 in den Besitz seiner Witwe, Henriette Sophia, geborene Gräfin Vitzthum von Eckstädt. Damit kam der Besitz nach über 300 Jahren erneut an die Vitzthume. Die Grafen Vitzthum von Eckstädt blieben bis zur Enteignung im Jahre 1945 Schlossherren auf Lichtenwalde.

Durch einen Großbrand, der in der Walpurgisnacht 1905 das Dach und Obergeschoss vernichtete, erlitt das Bauwerk schwere Schäden. Bis zum Jahre 1908 ließ er der Schlossherr Friedrich Graf Vitzthum von Eckstädt durch den Dresdner Hofbaumeister Gustav Fröhlich weitgehend originalgetreu, aber mit eklektizistischen Veränderungen versehen, wiederaufbauen.

Im Juli 1945 beschlagnahmte die Rote Armee das Schloss und wies die letzte Schlossherrin Sibylle Gräfin Vitzthum von Eckstädt († 1951), die mehrere Flüchtlingsfamilien aufgenommen hatte, aus dem Haus. Während die alte Dame bis zu ihrem Tode eine neue Bleibe bei Freunden im Dorf Lichtenwalde fand, wurde das Schloss ausgeplündert. Nach dem Abzug der Militärs im Jahre 1946 war das Mobiliar und die Porzellan- und Gemäldesammlung der Familie Vitzthum nicht mehr vorhanden.

Das nun verstaatlichte Schloss wurde ab 1948 zunächst als Kurheim, dann als Tbc-Heilstätte genutzt. 1972 wurde im Haus eine Bildungseinrichtung des staatlichen Gesundheitswesens der DDR eingerichtet. 1990 ging das Schloss in den Besitz des wiedererrichteten Freistaates Sachsen über, der die Liegenschaft bis 1995 als Bildungszentrum des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales nutzte. Mit dem Umzug der Schule in das neu errichtete Bildungszentrum in Niederbobritzsch stand das Schloss zunächst leer.

Seit 1999 bewirtschaftet die Liegenschaftsverwaltung des Landesamtes für Finanzen das Schloss, das eine neue – museale – Nutzung erhielt. Das im Eigentum des Freistaates Sachsen befindliche Schloss wurde in den letzten Jahren aufwendig saniert. Am 28. März 2010 wurde nach umfangreichen Umbauarbeiten ein komplett neuer Museumskomplex eröffnet. Bisherige Ausstellungen, wie das Uhrenmuseum sind nach Chemnitz umgezogen. Die heutige Ausstattung an Gemälden und Möbeln entstammt zum größeren Teil einer Schenkung des Chemnitzer Kunsthändlers Georg Brühl (1931–2009).

Grundherrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bis 1855 existierende Gerichtsherrschaft umfasste neben dem Ort Lichtenwalde auch die Ortschaften Ebersdorf (heute zu Chemnitz), Nieder- und Oberlichtenau (heute Lichtenau), Nieder- und Oberwiesa (heute Niederwiesa), Ortelsdorf (heute zu Frankenberg), Merzdorf, Ottendorf, Garnsdorf (bis 1724 halbanteilig, dann ganz), Auerswalde (bis 1724 halbanteilig, dann ganz), Braunsdorf und Gückelsberg (heute zu Flöha).

Schlossanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dreiflügelige Schlossgebäude, das auf seinem Hauptflügel von einem großen turmartigen Dachreiter gekrönt wird, beherbergt in seinem Südflügel mit der Bibliothek, dem Roten Salon, Chinesischen Salon, Speisesalon und dem Wintergarten die ehemaligen Repräsentationszimmer der Grafenfamilie, in denen die ursprüngliche Festausstattung noch teilweise erhalten geblieben ist.

Der Chinesische Salon diente früher der Ausstellung der Vitzthumschen Porzellansammlung und gilt heute als der schönste Raum des Hauses. Sein Interieur stammt noch aus der Zeit vor dem Brand. Mit der umfangreichen Restaurierung des Raumes wurde im Herbst 2006 begonnen.

Im Schloss Lichtenwalde befindet sich auch die Umweltbibliothek der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt.

Nach Osten schließt sich der Schlosshof an, dessen Sanierung im Jahr 2004 abgeschlossen wurde. Die sich daran anschließende Schlosskapelle, die in wesentlichen Teilen noch aus dem 15. Jahrhundert stammt, wurde einer umfassenden Restaurierung unterzogen und 2008 neu geweiht.

Museumsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum Schloss Lichtenwalde beherbergt Ausstellungsbereiche zur Geschichte des Hauses, zur Scherenschnittkunst sowie zur Kunst und Kultur Westafrikas, Ostasiens und der Himalaya-Region. Die mit Gemälden, historischen Möbeln und asiatischen Porzellanen ausgestatteten Repräsentationsräume lassen ein Stück Vergangenheit des geschichtsträchtigen Hauses wach werden. Im Nordflügel des Schlosses existiert seit 2010 eine Galerie für Design, die von der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau unterhalten wird.

Schlosspark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Barockgarten entstand zwischen 1730 und 1737 im Auftrag des Grundherrn Friedrich Carl von Watzdorf. Der 10 Hektar große Park verwilderte nach der 1945 erfolgten Enteignung der letzten Schlossbesitzerin. Im Jahre 1954 begannen die Arbeiten zu einer Wiederherstellung. In den Jahren 1990 bis 1997 wurde der Park in seiner ursprünglichen Form saniert. Die letzten Arbeiten am Park wurden 2004 abgeschlossen.

Zu der Landschaftsarchitektur des Parks gehören Wasserspiele, von denen die „Sieben Künste“ das bekannteste ist.

Der Park ist täglich, außer montags, während der Öffnungszeiten gegen Eintrittsgeld begehbar.

Aktuell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 14. Mai 2015 bis zum 22. Mai 2016 sind im Schloss in der Ausstellung „Die Genialität des Augenblicks“ 150 Originalfotos von Günter Rössler aus den Gebieten Reportage - Mode - Akt zu sehen.[3]

Vom 20. Oktober 2016 bis zum 12. März 2017 ist in der Galerie AKS die Ausstellung "seven" mit aktuellen Abschlussarbeiten der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg zu sehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das mittlere Zschopaugebiet (= Werte unserer Heimat. Band 28). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1977, S. 31–35.
  • Ekkehard Kühnrich: Die Einwohner im Dorf und Schloß Lichtenwalde (Sachsen) 1550 -1710. Plaidt: Cardamina 2014, ISBN 978-3-86424-208-3
  • Jochen Voigt: Raum für Raum. Schatzkammer Schloss Lichtenwalde. Ein Führer durch die Ausstellungen, Chemnitz 2010, ISBN 978-3-9808878-9-2
  • Richard Steche: Lichtenwalde. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 6. Heft: Amtshauptmannschaft Flöha. C. C. Meinhold, Dresden 1886, S. 71–77.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Lichtenwalde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Sehenswerten Drei
  2. Theodor Körner: Harras, der kühne Springer (Text)
  3. Ausstellung Günter Rössler

Koordinaten: 50° 53′ 1″ N, 13° 0′ 39″ O