Balkenmäher

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Motormäher mit Doppelmessermähbalken mit feststehendem Gegenmesser (Kommunalmähbalken)
Details eines Fingermähbalkens
Detail eines Doppelmessermähbalkens mit zwei angetriebenen Messern, also beweglicher Gegenschneide
Schneidwerk mit Fingermähbalken bei einem Mähdrescher

Ein Balkenmäher ist eine Mähmaschine zum Mähen von Gras, Getreide oder dünnen Gehölzen. Das besondere Kennzeichen dieser Landmaschine ist der Balken, an dem die Schneidevorrichtung angebracht ist. Das zu mähende Pflanzenmaterial wird nach dem Scherenschnittprinzip durch die oszillierende Bewegung einer mit dreiecksförmigen Messerklingen bestückten Messerschiene gegen eine feststehende oder auch bewegliche Gegenschneide geschnitten. Für einen einwandfreien Schnitt ist eine Schnittgeschwindigkeit (also die Geschwindigkeit der Messerschiene zur Gegenschneide) von durchschnittlich 2,4 m/s bei Gras und von rund 1,75 m/s bei den härteren Halmen erntereifen Getreides erforderlich.[1] Der Antrieb kann durch Bodenantrieb des von Zugtieren oder Traktoren gezogenen Gerätes oder direkten Antrieb durch den Motor eines Trägerfahrzeugs, beispielsweise eines Traktors bzw. Einachsschleppers erfolgen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Plinius beschriebene Gerät

Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturgeschichte von einem Mähgerät für Getreide, das in Gallien gebräuchlich sei[2]. Eine Darstellung eines solchen Mähwagens ist auf dem Grabrelief im Musée Gaumais von Virton zu sehen. Es zeigt einen Esel, der einen zweirädrigen Kasten über ein Feld schiebt. Die Deichsel war an der Rückseite des Kastens angebracht und hinter dem Tier ging gewöhnlich ein Landarbeiter, der das Gerät lenkte. Der an der Vorderseite offene Kasten besaß in Höhe der Ähren eine Reihe Greifzähne. Wurde das Gerät über ein Getreidefeld geschoben, gerieten die Ähren zwischen die Greifzähne und fielen in den Kasten. Das Stroh blieb stehen und wurde vom Vieh abgeweidet.[3]

Die Mähmaschine von Iolemach aus der Zeitschrift Die Gartenlaube von 1853
Grasmäher mit angebauter Handablagevorrichtung zum Mähen von Getreide

Die erste Mähmaschine zur Ernte von Getreide wurde 1826 von dem schottischen Pfarrer Reverend Patrick Bell gebaut. Sie verfügte bereits über eine Haspel und bewegte Messer, die nach dem Prinzip einer Schere arbeiteten. 1831 baute Cyrus Hall McCormick eine Getreidemähmaschine die er 1834 zum Patent anmeldete. Dieser „Virginia-Reaper“ war bereits mit Fingern und einem Sägemesser ausgestattet und bescherte seinem Erfinder großen wirtschaftlichen Erfolg. Aber erst mit der Entwicklung des Sägeblattes zum Messer mit Dreiecksklingen einige Jahre später wurde das Mähen des feineren Grases möglich. 1851 wurde eine Grasmähmaschine in London vorgestellt. Da sie in Relation zur Arbeitskraft relativ teuer war, konnte sie sich in Europa nicht wesentlich durchsetzen. Erst mit Abwanderung der Arbeiter in die Industrie wurden vermehrt Mähmaschinen nachgefragt, die aber mit zunehmender Ausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe mit Traktoren durch anbaubare Zwischenachsmähwerke ersetzt wurden. Mit Entwicklung der Kreiselmähwerke ab 1963 und der Leistungssteigerung der Schlepper ging die Bedeutung der Balkenmäher bei der Grasmahd zurück.

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Doppelmessermähbalken verfügt über zwei scharfe Klingen. Er konnte sich überwiegend in Kommunen und an Einachsmähern bei Kleinlandwirten, an breitspurigen Zweiachsmähern nur in Hanglagen an durchsetzen. Der Vorteil dieser Technik liegt in dem weitgehend störungsfreien (verstopfungsfreien) Betrieb, die allerdings mit einer peniblen Einstellung und höherem Wartungsaufwand erkauft wird. Bei lagernden Gras- und Getreideflächen wird allerdings die wünschenswerte Schnittqualität nicht erreicht. Unterschieden werden:

  • Doppelmesserbalken mit einer festen und einer bewegten Messerschiene. Überwiegend als Universalmähbalken in der kommunalen Freilandpflege eingesetzt.
  • Doppelmesserbalken mit zwei bewegten Messerreihen, als Grasmäher an Einachsschleppern und Zweiachsschleppern zur Mahd eingesetzt.

Der Fingermähbalken verfügt über scharfe Klingen, die eng an den stumpfen Fingern vorbeiführt werden und damit exakt die Gras- und Getreidehalme abschneiden. Der Fingermähbalken ist in der Landwirtschaft die verbreitetste Mähtechnik für Balkenmäher. Er ist wesentlich unempfindlicher gegenüber Steinen oder anderen Hindernissen als ein Doppelmesserbalken. Gleichzeitig ist die Wartung wesentlich einfacher, da weniger bewegliche Teile vorhanden sind.

Bauarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mähmaschine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balkenmähmaschine für Pferdezug, mit Antrieb über die Räder

Die Mähmaschine wurde lange Zeit von Arbeitstieren gezogen, der Antrieb des Mähwerkes erfolgte durch die Räder über den Boden. Wegen der Schwerzügigkeit waren zwei Pferde notwendig, die die nötige Zugkraft aufbrachten. Daher blieb sie für kleinere Bauern mit einem Pferd lange unerschwinglich, sofern er sich nicht mit einem Kollegen zusammentat. Für Bauern mit Arbeitskühen blieb sie ein Wunschtraum. Erst mit der Entwicklung von leichten Benzinmotoren in den zwanziger Jahren wurde die Modifizierung der Mähmaschine möglich. Ein Aufsatzmotor übernahm den Mähmesserantrieb und ein Pferd brauchte nun die neuerdings kugelgelagerte Mähmaschine nur mehr ziehen. Mit der Zeit wurden dann Traktoren als Zugfahrzeug verwendet. Die Zeit der Mähmaschinen ging dann in den 50er Jahren nach etwa 100 Jahren Bauzeit zu Ende.

Anbaumähwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balkenmähwerk an einem Traktor

Die Ausstattung der Traktoren mit Nebenabtrieben wie Zapfwelle oder Mähwerkkurbel ermöglichte den Einsatz von Anbaumähbalken. Standard wurde hier der sogenannte Zwischenachsanbau. Hier wird das Mähwerk seitlich rechts zwischen den Achsen angebaut. Mit der Erfindung des Ladewagens 1961, der dann schwenkbar gebaut wurde, wurde das Mähen und Laden des Grases in einem Arbeitsgang ermöglicht. Damit war das tägliche Futterholen revolutioniert. Größere Arbeitsbreiten von etwas über 2 m werden als Heckanbau konzipiert. Für den Frontanbau werden meist Doppelmessermähwerke wegen des zuverlässigeren Betriebs verwendet. Sie konnten sich aber wegen der schlechten Übersicht nicht durchsetzen.

Motormäher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Motormäher begann im Sommer 1920, als der schweizerische Bauernsohn Jacob Fahrni eine motorgetriebene handgeführte Mähmaschine entwickelte. In der Patentschrift 99455 vom 12. Januar 1922 meldete er seine Idee vom Motormäher zum Patent an. Bereits 1930 waren Maschinen mit einer Arbeitsbreite von 2 m im Einsatz. Durch die Entwicklung der Schwadformer zu Beginn der 1950er Jahre begann der rasante Aufstieg der Motormäher im Alpenraum. Der niedrige Schwerpunkt machte den Einsatz im Steilhang möglich. Er entwickelte sich zum Einachsschlepper, dem auch andere Maschinen wie Heuwerbegeräte oder Transportgeräte angebaut werden konnten. Transporter sind eine Weiterentwicklung der Motormäher, nachdem diese immer schwerer geworden waren und Lenkkräfte für die Drehschemellenkung kaum noch aufzubringen waren.[4]

Einsatzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbaumähwerke werden heute noch in Betrieben eingesetzt, die täglich Grünfutter für ihre Tiere holen. Handgeführte Motormäher werden in Bereichen eingesetzt, die für moderne Technik unzugänglich sind. Vor allem im unwegsamen Gebirge und auf schlechttragenden oder vernässten Untergründen sind sie unverzichtbar. Dies spricht vor allem Gebirgsregionen wie die Alpenregion an. Dies lässt sich auch prozentual veranschaulichen. 22,9 % fallen auf Bayern, 20,5 % auf Baden-Württemberg und 12,2 % auf Nordrhein Westfalen. Im Rahmen ökologischer Vereinbarungen können sie aufgrund der geringen Verletzungsgefahr für die Tierwelt der Wiesen [5] gefördert werden.

Messerbalken werden weiterhin bei Mähdreschern verwendet, wo das Gewicht und der geringere Bedarf an Antriebsleistung wichtiger sind als ein sauberer Schnitt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Schön: Die Landwirtschaft: Band 3 – Landtechnik Bauwesen. Verfahrenstechnik - Arbeit - Gebäude - Umwelt, BLV, München 1998, ISBN 3-405-14349-7.
  • Udo Bols: Landwirtschaftliche Anbaugeräte für Traktoren in früherer Zeit. Podszun-Motorbücher, Brilon 2007, ISBN 978-3-86133-441-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweigmann: Die Landmaschinen und ihre Instandhaltung, Gießen 1955, S. 176 ff.
  2. Naturalis_historia: 18,72
  3. Propyläen Technik Geschichte – Landbau und Handwerk – 750 v. Chr. bis 1000 n. Christus, S. 213 ff.
  4. Ruedi Struder: 50 Jahre Motorisierung in der Berglandwirtschaft pdf online abrufbar abgerufen am 31. Oktober 2013
  5. Van de Poel, D. & Zehm, A. (2014): Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz. – ANLiegen Natur 36(2): 36–51, Laufen.