Barry Simon

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Barry M. Simon (* 16. April 1946 in New York City) ist ein führender US-amerikanischer mathematischer Physiker und Analytiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Simons Vater war Buchprüfer und seine Mutter Lehrerin. 1962 gewann er als High-School-Schüler in Brooklyn einen landesweiten Mathematiktest der MAA (Mathematical Association of America)[1] und besuchte schon als Schüler Kurse für Hochbegabte an der Columbia University. 1962 begann er, in Harvard mit einem Stipendium zu studieren. 1965 war er mit 19 Jahren Putnam Fellow (nachdem er den gleichnamigen Wettbewerb gewonnen hatte) und machte seinen Abschluss (A.B.) in Harvard 1966. Er wurde 1970 in Princeton bei Arthur Strong Wightman über Quantum mechanics for Hamiltonians defined as quadratic forms promoviert, das kurz darauf auch als Buch erschien. Simon war dann lange Zeit Professor in Princeton (wo auch Wightman, Valentine Bargmann, Freeman Dyson und Elliott Lieb seinerzeit waren, die mit Simon Princeton weltweit zu einem der Zentren der mathematischen Physik machten), bevor er 1980 als Simon Fairchild Distinguished Scholar an das Caltech ging, wo er 1981 Professor wurde und seit 1984 „IBM Professor of Mathematics and Theoretical Physics“ ist.

Simon ist der Autor von über 300 Veröffentlichungen über ein weites Spektrum der mathematischen Physik und Analysis, insbesondere die Theorie des Spektrums von Schrödingeroperatoren mit Anwendungen auf Atome und Moleküle, Atome in elektrischen und magnetischen Feldern, Konvergenz von Störungsreihen und semiklassicher Grenzübergang, stochastische Systeme (z.B. Schrödingergleichung mit quasiperiodischen oder zufälligen Potentialen, Zufallsmatrizen), Thomas-Fermi- und Hartree-Fock-Theorie der Atome (teilweise in Zusammenarbeit mit Elliott Lieb, seinem Kollegen in Princeton in den 1970er Jahren) und Vielteilchensysteme in der nichtrelativistischen Quantenmechanik, mathematische statistische Mechanik (Theorie der Phasenübergänge u.a.), orthogonale Polynome sowie mathematische („konstruktive“) Quantenfeldtheorie. Sein vierbändiges Lehrbuch der mathematischen Physik mit Michael Reed ist ein Standardwerk.

Er ist seit 1971 mit einer Mathematiklehrerin verheiratet und hat fünf Kinder. Als orthodoxer Jude ist er auch für sein Engagement in der Widerlegung sogenannter „Torah Codes“ bekannt. Mit Woody Leonhard schrieb er auch einige Computerbücher für Jugendliche („Mother of All“-Serie).

1974 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Vancouver (Approximation of Feynman Integrals and Markov fields by spin systems). 2012 erhielt er den Henri-Poincaré-Preis und 2015 den Bolyai-Preis.[2] Er ist Fellow der American Mathematical Society.

Zu seinen Doktoranden zählen Percy Deift und Robert B. Israel.

Bücher von Simon[Bearbeiten]

  • Quantum theory of Hamiltonians defined by quadratic forms. Princeton 1971
  • The \Phi^2 Euclidean Quantum Field Theory. Princeton 1974
  • Trace Ideals and their applications. Cambridge 1979, 2. Aufl. AMS 2005
  • Functional integration and quantum physics. Academic Press 1979, 2. Auflage AMS Chelsea Publishing 2005
  • Convexity. An analytic viewpoint. Cambridge University Press 2011
  • Statistical mechanics of lattices gases. Bd.1, Princeton 1993
  • mit Michael C. Reed: Methods of Modern Mathematical Physics. Bd.1: Functional Analysis. Academic Press, 1972, 2. Auflage 1980; Bd.2: Fourier Analysis, Self-Adjointness. Academic Press, 1975; Bd.3: Scattering Theory. Academic Press, 1978; Bd.4: Analysis of Operators. Academic Press, 1977
  • mit H. Cycon, R. Froese, W. Kirsch: Schrödinger Operators. Springer 1987, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-540-16758-7.
  • Orthogonal polynomials on the unit circle“, 2 Bde., AMS Colloquium publications
  • Herausgeber mit Lieb, Wightman: Studies in mathematical physics. Princeton 1976 (Bargmann-Festschrift), darin von Simon: On the number of bound states of two body Schrödinger operators, a review und Quantum dynamics: from automorphism to hamiltonian.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Gesztesy, Simon, Percy Deift, Cherie Galvez, Peter Perry, Wilhelm Schlag (Hrsg): Spectral theory and mathematical physics. Oxford University Press 2007 (Festschrift zum 60. Geburtstag von Simon).

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. mit einem fehlerfreien Testergebnis, nachdem er eine Eingabe wegen einer zweideutigen Frage gemacht hatte, was ihn sogar in die New York Times brachte
  2. Bolyai Prize goes to Barry Simon Mitteilung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (mta.hu); abgerufen am 12. April 2015