Bayrischer Rummel

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Das Tiroler Volk unter Führung Sterzings jagt die Baiern aus dem Lande im Mai 1703 aus Franz Lubojatzky: Deutschlands letztere drei Jahrhunderte ... (1858)

Bayrischer Rummel (auch: Boarischer Rummel) ist die verharmlosende Bezeichnung der kriegerischen Ereignisse, bei denen bayerische Truppen des Kurfürsten Max II. Emanuel im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges 1703 in Tirol einfielen.

Kriegsereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal bei der Pontlatzer Brücke
Die Annasäule in Innsbruck

Die bayerischen Truppen belagerten am 19. Juni 1703 Kufstein. In der Vorstadt brachen Brände aus, die auf die Stadt selbst übergriffen, diese zerstörten und das Pulverlager der als uneinnehmbar geltenden Festung erreichten. Die enormen Pulvervorräte explodierten und Kufstein kapitulierte am 20. Juni. Am selben Tag ergaben sich die Tiroler in Wörgl, zwei Tage später wurde Rattenberg eingenommen und Innsbruck am 25. Juni kampflos geräumt. Die Bayern wurden am 1. Juli an der Pontlatzer Brücke im obersten Inntal, ebenfalls am Brennerpass und bei Innsbruck von den Tirolern zurückgeschlagen. Am 26. Juli, dem Namenstag der hl. Anna, war Tirol wieder befreit und über Seefeld in Tirol zog sich Max Emanuel nach Bayern zurück. Die Tiroler verfolgten die flüchtenden Feinde bis nach Bayern, raubten, plünderten und steckten dort Klöster, Dörfer und Höfe in Brand.[1]

Im Zuge von Bauarbeiten wurden im Jahr 2011 in Pfons im Wipptal Gräber entdeckt, die vermutlich von bayerischen Soldaten stammen, die nicht am Friedhof, sondern nahe dem Flussufer jeweils zu dritt bestattet wurden. Die Vermutungen beruhen auch auf Hinweisen, die in der Lokalchronik von Matrei am Brenner Erwähnung fanden.[2]

Tradierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Dank für die Befreiung gelobten die Landstände im Jahre 1704 eine Annasäule zu errichten, die 1706 in Innsbruck aufgestellt wurde.[3]

Der bayrische Rummel bildet – gemeinsam mit dem Freiheitskampf von 1809, von dem er im wissenschaftlichen wie öffentlichen Diskurs regelmäßig in den Schatten gedrängt zu werden pflegt – ein wichtiges Element des Tiroler Geschichtsbewusstseins sowie der Tiroler Identität und trug nachhaltig zur Konstruktion des Bildes vom „wehrhaften Tiroler Bauern“ bei.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin P. Schennach, Richard Schober (Hrsg.): 1703. Der „bayerische Rummel“ in Tirol. Wagner Verlag, Innsbruck 2005, ISBN 3-7030-0395-2.
  • Florian Schaffenrath, Stefan Tilg (Übersetzung und Kommentar): Achilles in Tirol (Der „bayerische Rummel“ 1703 in der „Epitome rerum Oenovallensium“ […]), Tirolensia Latina 2004, ISBN 3-7030-0386-3. Das 1710 anonym in Amsterdam erschienene lateinische Buch erzählt die Ereignisse von 1703 sehr detailliert, jedoch in verschlüsselter Form (Max Emanuel beispielsweise wird zu Achill, Tyrolis zu Lothyris), was die Übersetzer fast vollständig auflösen konnten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bayrischer Rummel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der „Boarische Rummel“ 1703. Verein für Heimatschutz und Heimatpflege in Nord- und Osttirol.
  2. Knochenfund von Pfons ist über 300 Jahre alt. ORF, 12. Februar 2011.
  3. Josef Gelmi: Kirchengeschichte Tirols. Tyrolia, 1986, ISBN 3-7022-1599-9, S. 109.
  4. Martin P. Schennach, Richard Schober (Hrsg.): 1703. Der „bayerische Rummel“ in Tirol. Wagner Verlag, Innsbruck 2005, ISBN 3-7030-0395-2