Beate Kellner
Beate Kellner (geb. 15. September 1963) ist eine deutsche Germanistin und Hochschullehrerin. Aktuell ist sie Lehrstuhlinhaberin für germanistische Mediävistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Sprecherin des Exzellenzclusters Cross-Cultural Philology.[1]
Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kellner studierte von 1983 bis 1989 die Fächer Germanistik, lateinische Philologie und katholische Theologie in München und Regensburg. 1992 wurde sie mit einer Arbeit über Mythen in Jacob Grimms Deutscher Mythologie an der LMU München promoviert. 2001 habilitierte sich Kellner an der TU Dresden zum Thema Ursprung und Kontinuität. Studien zum genealogischen Wissen im Mittelalter. Im gleichen Jahr trat sie eine Professur für Ältere Deutsche Literatur und Sprache an die Georg-August-Universität Göttingen an, 2004 folgte sie einem Ruf an die TU Dresden. Im Jahre 2006 wurde Kellner Lehrstuhlinhaberin an der Universität Zürich. Einen Ruf auf eine ordentliche Professur an der Universität Wien lehnte sie 2006 ab. Seit 2010 ist sie Professorin an der LMU München (Nachfolge Jan-Dirk Müller). Von 2010 bis 2013 war sie dort Vizepräsidentin für Forschung, von 2017 bis 2021 Dekanin der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften.[2] Von 2013 bis 2019 war sie gemeinsam mit dem Anglisten Andreas Höfele Sprecherin der DFG-Forschergruppe 1986, „Natur in politischen Ordnungsentwürfen“. 2016 war sie Gastprofessorin an der University of California, Berkeley.[3] Von 2021 bis 2025 leitete sie das Internationale Doktorandenkolleg Philologie: Praktiken vormoderner Kulturen, globale Perspektiven und Zukunftskonzepte.[4] Seit Januar 2026 ist sie die Sprecherin des unter ihrer Leitung eingeworbenen Exzellenzclusters Cross-Cultural Philology.
Kellner ist verheiratet mit Markus Kellner und hat zwei Kinder.
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kellner war und ist Leiterin zahlreicher Projekte.[5] So leitete sie die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekte „Orient und Occident. Heiden und Christen in der deutschen mittelalterlichen Literatur“ (im: SPP 1173: Integration und Desintegration von Kulturen im europäischen Mittelalter) und „Genealogie im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit“ (im: SFB 537: Institutionalität und Geschichtlichkeit an der TU Dresden). Gemeinsam mit Peter Strohschneider leitete sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Projekte zum Wartburgkrieg. Kellner war von 2004 bis 2007 Mitglied des Europäischen Graduiertenkollegs (EGK 625: Institutional orders, scripture und symbols), TU Dresden / École pratique des hautes études, Paris. Von 2010 bis 2012 war sie Mitglied des Internationalen Doktorandenkollegs „Textualität in der Vormoderne“ (LMU). Seit 2015 ist sie Mitherausgeberin der komparatistischen Zeitschrift POETICA. 2017 erhielt sie den Prinzessin Therese von Bayern-Preis zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft an der LMU.[6] 2018 wurde sie zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt.[7] Ebenfalls im Jahr 2018 begann Kellner ihre Tätigkeit im Vorstand des zu diesem Zeitpunkt anlaufenden SFB 1369 (Vigilanzkulturen. Transformation – Räume – Techniken),[8] in dem sie auch Teilprojektleiterin ist.[9] 2021 startete das unter ihrer Federführung beim Elitenetzwerk Bayern eingeworbene Internationale Doktorandenkolleg Philologie: Praktiken vormoderner Kulturen, globale Perspektiven und Zukunftskonzepte, dessen Sprecherin sie bis zum Ende der ersten Förderperiode (2025) war.[4] 2022 übernahm sie die Mitherausgeberschaft der germanistischen Rezensionszeitschrift Arbitrium. Seit 2025 ist sie zudem in der Funktion als stellvertretende Vorsitzende Mitglied im Stiftungsrat der Carl-Friedrich von Siemens Stiftung.[10]
Im Zuge der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder warb ein Team aus über 20 Professorinnen und Professoren verschiedener philologischer Disziplinen unter der Leitung von Kellner erfolgreich einen Exzellenzcluster (Cross-Cultural Philology (3061)) an der Ludwig-Maximilians-Universität ein, dessen Sprecherin sie seit Projektbeginn im Januar 2026 ist.[1] Der Exzellenzcluster Cross-Cultural Philology untersucht in globalem Maßstab philologische Praktiken und die mit ihnen verbundenen kulturellen Dynamiken über einen Zeitraum von 5000 Jahren. Das interdisziplinäre Zentrum widmet sich der Erforschung von verschiedenen Schriftsystemen, Praktiken der Textgestaltung und Konservierung, der Edition, Kommentierung und Kanonisierung sowie der Textmigration über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.[11] Innerhalb des Exzellenzclusters arbeiten über 20 philologisch orientierte Fachrichtungen zusammen.[12]
Kellner beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Minnesang, der Sangspruchdichtung und der Höfischen Epik sowie der europäischen Literatur des 16. Jahrhunderts. Ihre Interessen gelten zudem auch der Literaturtheorie und der Wissensgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Darüber hinaus bilden die Beziehungen zwischen lateinischer und volkssprachlicher Dichtung sowie die mittelalterliche Naturphilosophie und die literarische Naturdarstellung Schwerpunkte ihrer Forschung. Weitere Interessen Kellners sind die Interferenzen zwischen geistlicher und weltlicher Literatur im Mittelalter. Zugleich richtet sich ihre Forschung im Hinblick auf die interdisziplinär arbeitenden Projekte auf philologische Grundfragen.
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Grimms Mythen. Studien zum Mythosbegriff und seiner Anwendung in Jacob Grimms ‚Deutscher Mythologie‘ (= Mikrokosmos. 41). Peter Lang, Frankfurt a. M. u. a. 1994, ISBN 978-3-631-47738-0.
- Ursprung und Kontinuität. Studien zum genealogischen Wissen im Mittelalter. Fink, München 2004, ISBN 978-3-7705-3956-7.
- Spiel der Liebe im Minnesang. Fink, München 2018, ISBN 978-3-7705-6314-2.
- Als Hrsg. gem. mit Susanne Reichlin und Alexander Rudolph: Handbuch Minnesang. De Gruyter, Berlin, 2021, ISBN 978-3-11-035181-1.
- Als Hrsg. gem. mit Alexander Rudolph: Mittelalterliche Lyrik im Kontext (Deutsche Literatur. Studien und Quellen. 49). De Gruyter, Berlin, 2024, ISBN 978-3-11-107270-8.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Prof. Dr. Beate Kellner – Institut für Deutsche Philologie – LMU München
- Universität München: Vizepräsidentin Prof. Dr. Beate Kellner – BR.de ( vom 1. Februar 2018 im Internet Archive)
- Beate Kellner - Holger Gzella - CAS Showcase - Cross Cultural Philology auf YouTube
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Über uns. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Prof. Dr. Beate Kellner. In: Institut für Deutsche Philologie - LMU München. Abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Beate Kellner: „The Power of Imagination in Middle High German Minnesang“ – Center for Medieval and Early Modern Studies, abgerufen am 22. Februar 2018
- 1 2 Internationales Doktorandenkolleg Philologie - LMU München. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Lebenslauf Beate Kellner (PDF; 158,73 kB), abgerufen am 22. Februar 2018
- ↑ Prinzessin Therese von Bayern-Stiftung – Universitätsfrauenbeauftragte – LMU München, abgerufen am 22. Februar 2018
- ↑ Von Mediävistik bis Experimentalphysik: Bayerische Akademie der Wissenschaften wählt 11 neue Mitglieder. Pressemeldung vom 22. März 2018 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Abgerufen am 22. März 2018.
- ↑ Vorstand - SFB 1369 Vigilanzkulturen - LMU München. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Vorstand - SFB 1369 Vigilanzkulturen - LMU München. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Stiftungsrat. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Forschung im Exzellenzcluster Cross-Cultural Philology. Abgerufen am 18. Februar 2026.
- ↑ Fachbereiche innerhalb des Exzellenzclusters. Abgerufen am 18. Februar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kellner, Beate |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Germanistin |
| GEBURTSDATUM | 15. September 1963 |
| GEBURTSORT | Mühldorf am Inn |