Becher

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Becher aus Steinzeug

Becher (mittelhochdeutsch becher, althochdeutsch behhari, aus mittellateinisch bicarium, eigentlich griechisch bikos ‚irdenes Gefäß‘) sind Trinkgefäße in Form eines Zylinders oder umgekehrten Kegelstumpfes (Sturzbecher) ohne Fuß und Henkel,[1] im Allgemeinen aus einem anderen Material als Glas gefertigt. Mitunter werden auch größere Tassen als Becher oder Henkelbecher bezeichnet – im süddeutschen Sprachraum werden solche Trinkgefäße gewöhnlich Haferl oder Häferl genannt. Einfache Becher aus Holz oder Steinzeug waren lange Zeit volkstümliche Trinkgefäße.

Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits neolithische Kulturen wurden anhand von Becherfunden benannt (Trichterbecherkultur, Glockenbecherkultur). Bronzene Becher sind bereits aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt. Im alten Ägypten galten Becher als Symbol der Nahrung, die Leib und Seele erhält. In den Darstellungen der Götter werden sie deshalb oft als Attribut der ihnen innewohnenden Kraft der Lebenserhaltung verwendet.

Im Römischen Reich bestanden hochwertige Becher meist aus Glas oder Edelmetall. Im Alltag fanden keramische Becher Verwendung, die einen Glanzton-Überzug besaßen, welcher Glas- oder Metallgefäße imitieren sollte, etwa die Trierer Spruchbecher. Vom 9. Jahrhundert an wurden in der rheinischen Glasindustrie der römischen Tradition folgend gläserne Becher produziert. Im Gefolge der Kreuzzüge fanden auch kostbare Becher aus Ägypten und Syrien Verbreitung sowie im 14. Jahrhundert solche aus Burgund. Becher des mittelalterlichen Bürgertums bestanden meist aus Steinzeug oder waren aus Holz gedrechselt; aus Zinn oder Edelmetall wurden die so genannten Haufebecher hergestellt, Sätze verschieden großer Becher, die sich ineinanderstellen lassen.

Auch die teilweise mit Gold, Edelsteinen und Email verzierten Becher an Fürstenhöfen waren oft aus Holz. Prunkbecher aus Metall kamen am Hof Kaiser Friedrich II. auf und wurden das Vorbild für repräsentative Zunftbecher. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert wurden einfach geformte Becher aus Silber Honoratioren als Ehrengeschenk überreicht, seit dem 19. Jahrhundert sind sie als Taufbecher ein beliebtes Taufgeschenk.

Im 18. Jahrhundert wurde der Becher weitgehend durch die Tasse aus Porzellan für heiße Getränke und das Trinkglas für kalte Getränke verdrängt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangte er aber, besonders als industriell hergestellter Henkelbecher aus Steinzeug, als alltägliches Trinkgefäß für Kaffee und Tee sowie als Einwegbecher aus beschichteter Pappe oder aus Kunststoff neue Beliebtheit.[2]

Mehrwegbecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrwegbecher des „Caritas-Catering-Service“

Bei Mehrwegbechern, die mehrfach zu verwenden sind, handelt es sich um Trinkgefäße, die zumeist aus den Kunststoffen Polycarbonat oder Polypropylen hergestellt wird. Mehrwegbecher sind allgemein spülmaschinenfest und bruchbeständig und werden deshalb häufig auf Großveranstaltungen und Open Airs im Ausschank eingesetzt. Inzwischen haben sich für verschiedene Getränkesorten unterschiedliche Formen herausgebildet. Der konische, stapelbare Mehrwegbecher ist der bekannteste Bechertyp. Inzwischen werden auch andere Cocktailgläser, Sekt-, Weingläser und Longdrinkgläser aus Kunststoff gefertigt, die ebenfalls bruchfest sind. Der Mehrwegbecher gilt als umweltfreundlich durch seine häufige Wiederverwendbarkeit und Recycling-Eigenschaften.

Pappbecher und Plastikbecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Pappbecher“ (Kartontrinkbecher) sind eine spezielle Art von Bechern, welche aus „Pappe“ (Karton mit Oberflächenbehandlung) bestehen und meistens nur einmal genutzt werden. Die beiden US-Amerikaner Hugh Moore und Lawrence Luellen erfanden 1908 auf Anregung von Samuel J. Crumbine den Einweg-Pappbecher, um der Übertragung von Krankheitserregern vorzubeugen.[3]

In diesen Bechern konnten verschiedene Weichmacher nachgewiesen werden.[4]

Einweg-Pappbecher stehen wegen ihrer schlechten Umweltbilanz schon lange in der Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass in Deutschland pro Jahr ca. 2,8 Milliarden Einwegbecher im Müll landen und dadurch 40.000 Tonnen Abfall verursachen. Für ihre Herstellung werden außerdem 43.000 Bäume abgeholzt und rund 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht.[5]

Sport Stacking[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von den henkellosen Plastikbechern, die seit dem 20. Jahrhundert in großer Zahl industriell hergestellt wurden, entwickelte sich vor einigen Jahren die Trendsportart Becher stapeln (Sport Stacking).

Spezielle Becher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Becher bezeichnet man auch ähnlich geartete Gegenstände, die nicht immer als Trinkgefäß dienen.

  • Badebecher – Dekorative Sammelgläser aus Kurorten
  • Becherglas – Ein Behältnis in der Chemie
  • Brautbecher – Spezielle Ziergefäße die zur Hochzeit geschenkt werden
  • Corvinusbecher – Kunstwerk der Wiener Neustadt
  • Messbecher – Gerät für Haushalt und Wissenschaft
  • Nestorbecher – ein Mischbecher der griechischen Mythologie
  • Riesenbecher – eine frühgeschichtliche Gefäßform
  • Schierlingsbecher – Giftmischung, die durch die Hinrichtung des Sokrates bekannt wurde
  • Willybecher – ein deutsches Standard-Trinkglas in Becherform

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Becher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Becher – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
WiktionaryWiktionary: Haferl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Becher – Zitate

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Becher. im DWDS-Wörterbuch
  2. siehe auch: Mundrolle
  3. Die Geschichte des Einmalgeschirrs. Angaben nach PAPSTAR.com
  4. Y. N. Park, M. S. Choi, S. U. Rehman, M. C. Gye, H. H. Yoo: Simultaneous GC-MS determination of seven phthalates in total and migrated portions of paper cups. In: Environ Sci Pollut Res Int. 23(10), Mai 2016, S. 10270–10275. PMID 27053047
  5. Juliane Frisse: Umweltschutz: Die Psychologie des Kaffeebechers. In: Die Zeit. 28. Februar 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 4. März 2019]).