Bell & Howell

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Bell & Howell Standard Cinematograph Camera, Produktion Circus
Laden des Bell & Howell 16-mm-Stummfilmprojektor Filmo 129
Bell & Howell 8-mm-Amateurkamera Filmo Straight Eight

Die Bell & Howell Co. war ein Hersteller von filmtechnischem Gerät, wie Filmperforiermaschinen, Filmkameras, Filmkopiermaschinen und Filmprojektoren. Die Firma mit Sitz in Wheeling, Illinois in den USA produziert heute unter dem Namen Bell & Howell LLC Hochleistungs-Kuvertiersysteme, Sortiersysteme für Pakete und Produktionsanlagen für Smartcards.

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde als Aktiengesellschaft am 17. Februar 1907 in Chicago von dem Mechaniker Albert Summers Howell, dem Filmvorführer Donald Joseph Bell und dessen Frau gegründet. Im ersten Geschäftsjahr wurden hauptsächlich Reparaturaufträge ausgeführt. Die Firma bot mit dem am 6. August 1907 patentierten „Rotary Framer“ eine Bildhöhenverstelleinrichtung für die Kinedrome-Projektoren, mit denen George Spoor in Chicago und Umgebung Filme auswertete. Die Erfindung war bereits ein Jahr alt. Spoor kaufte sich 1895 ins Geschäft von Edward Hill Amet ein, der 1894-95 einen der ersten amerikanischen Filmprojektoren gebaut hatte, das Magniscope.

1908 stellte die Bell & Howell Co. einen solide und aufwändig gebauten Perforierapparat für 35-mm-Film vor. Dieser unterschied sich im Wirkprinzip nicht von demjenigen der Engländer Williamson & Son (1898). Möglicherweise baute Bell & Howell in Lizenz. George Eastman wurde um 1910 Käufer der Bell-&-Howell-Perforierapparate. Der Bell & Howell Standard Perforator machte geschätzt 98 Prozent aller Perforiermaschinen weltweit aus. Er wurde auch bei Svema in der damaligen ukrainischen Sowjet-Republik gebraucht, bei Ferrania in Italien, bei Fuji und Konica in Japan, bei DuPont und anderen Filmherstellern mehr.

1909 erschien eine erste Kamera mit zwei gleichen Objektiven, eines für den Sucher und eines zur Aufnahme. Von dieser wegen ihrer schwarzen Belederung auch „Black Box“ genannten Filmkamera kaufte Spoor acht Exemplare. 1910 wurde auch ein kontinuierlich belichtender Filmkopierapparat angeboten.

Standard Camera[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1911 war die erste Ganzmetall-Filmkamera, die Bell & Howell Standard Cinematograph Camera, Model 2709, bereit. Das erste Exemplar mit der Reihennummer 9 erwarb Spoor für die Essanay, wo sie der Kameramann Jackson Rose zum Arbeiten erhielt. Die nächsten Exemplare sind ab Herbst 1912 verkauft worden. Die „2709“ wurde zur Kinekamera schlechthin. Ihr Mechanismus ist heute noch ungeschlagen der am genauesten funktionierende. Die Kamera besteht im Wesentlichen aus vier Sandgussteilen, Körper, Tür, Objektivträger und Magazin. Traditionelle Elemente sind z. B. die kombinierte Filmwickeltrommel, wie sie seit 1896 bei den Prestwich-Kameras gebräuchlich war, der Seitensucher auf Höhe optischer Achse oder die Kurvenscheibe für den Filmantrieb. Diese war der Grund dafür, dass mit dem Verkauf des Produktes bis Herbst 1912 zugewartet wurde, denn sie stand seit 1895 für 17 Jahre unter Patentschutz.

Die Bell & Howell Standard war die erste Filmkamera mit einem Revolver für vier Objektive, mit einer Filmführung, die praktisch keine statische Aufladung des Films verursacht, und mit einem Filmmagazin aus Leichtmetallguss in einem Stück. Sie war die Königin der Filmkameras bis zur Einführung des Tonfilms.

Neue Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1923 brachte Bell & Howell Geräte für das 16-mm-Filmformat auf den Markt, Amateur- und Wochenschaukameras, z. B. der Filmo (Ende 1923) bzw. der Eyemo (Mai 1925). Im Herbst 1929 eröffnete die Bell-&-Howell-Gesellschaft das Rockwell Engineering Laboratory in Chicago. 1932, in der tiefsten wirtschaftlichen Krise, schrieb man auch bei BH rote Zahlen. Trotzdem wurden in dem Jahr in New York City und in Los Angeles je eine Filiale eröffnet. Verschiedene Linien von Schmalfilmprojektoren eroberten die Welt, Filmo, Filmosound, später TQ. Von Bell & Howell gab es auch Schrittkopiermaschinen, Spleißapparate, Umroller, Messgeräte, einen Studio-Rückprojektor und eine lange Reihe von Amateur-Geräten für Doppel-8- und Super-8-Film.

Mit Produkten im Militärbereich, z. B. die Military 16-mm-Gun-Camera „TYPE N-6A“ kam das Unternehmen durch den Zweiten Weltkrieg. 1946 kamen Mikrofilmgeräte hinzu sowie Diaprojektoren und Tageslichtprojektoren.

Die Bell & Howell Co. war maßgebend an der Entwicklung des 16-mm- und des Super-8-Systems beteiligt.

Von 2003 bis 2011 fusionierte Bell & Howell mit Böwe Systec zu Böwe Bell & Howell. Von 2001 bis 2009 gestaltete Ekbert Mayer von Forum Design GmbH alle nationalen und internationalen Messestände von Bell & Howell und den Nachfolgegesellschaften.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jack Fay Robinson: Bell & Howell Company: A 75-year History. Bell & Howell Co., 1982, ISBN 0-675-02555-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]