bell hooks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
bell hooks (2014)

bell hooks (* 25. September 1952 in Hopkinsville, Kentucky; † 15. Dezember 2021 in Berea, Kentucky; bürgerlich Gloria Jean Watkins) war eine US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war eine Verfechterin intersektionaler, feministischer, antirassistischer und kapitalismuskritischer Ansätze.[1] Ihr Pseudonym war der Name ihrer indigenen Großmutter, den sie bewusst und konsequent in Kleinschreibung gebrauchte.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bell hooks wuchs in einer Familie afroamerikanischer Abstammung mit fünf Schwestern und einem Bruder auf; ihre Eltern waren der Wachmann Veodis Watkins und die Hausfrau Rosa Bell Watkins. Sie studierte in Stanford (Bachelor-Abschluss 1973) und an der University of Wisconsin–Madison (Master-Examen 1976). Sie promovierte 1983 an der University of California, Santa Cruz. Sie hatte Lehraufträge an der Yale University und am Oberlin College. Ab 1994 war sie als Professorin für Englische Literatur am City College of New York tätig und im Jahr 2004 trat sie eine Professur im Berea College, Kentucky, an. Sie war für ihre Vorlesungen, Reden und öffentlichen Auftritte bekannt.

Ihre Disziplin im Denken und Schreiben verdankte sie, so erläuterte sie 1994 in einem Interview, weniger den akademischen Zusammenhängen in Studium und Karriere als vielmehr ihrem „working class background where disciplined work was really valued“.[3]

Als „a rare rock star of a public intellectual“ wurde sie 2020 vom Time Magazine bezeichnet, nachdem sie im Rahmen von 100 Women of the Year mit der Kurzbeschreibung "Expanding Feminism" als Repräsentantin für das Jahr 1984 ausgewählt worden war.[4]

bell hooks starb nach längerer Krankheit im Dezember 2021 im Alter von 69 Jahren an Nierenversagen.[5]

Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Themen ihrer Schriften sind weit gefasst: Besonders beschäftigte sie sich mit Feminismus und Gender-Fragen, Antirassismus, Klassismus und Kulturkritik. Dabei ging sie von einer intersektionalen Verknüpfung der verschiedenen Machtmechanismen, insbesondere Rassismus, Sexismus und Klassismus aus, die sie in ihrer Kritik immer wieder als Trinität von „weißer Vorherrschaft, Kapitalismus und Patriarchat“ bezeichnete. Diesen Komplex gelte es zu überwinden, wobei nicht auf die Privilegierung durch eine der Herrschaftsformen zurückgegriffen werden könne. So erschien ihr auch die Integration in die Kultur der Weißen als Assimilation nicht anstrebenswert. Stattdessen suchte sie Wege zu einer widerständigen Kultur.

„Antirassistische Arbeit, deren Strategie darauf zielt, daß diese Personen sich als ‚Opfer‘ von Rassismus sehen, und dabei auf eine einschneidende Wirkung bei den Betreffenden setzen, ist fehlgeleitet. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, daß Personen mit vielen Privilegien, die in keiner Weise Opfer sind, sich aufgrund ihrer politischen Entscheidung für die Unterdrückten einsetzen können. Diese Solidarität muß nicht unbedingt auf gemeinsame Erfahrung beruhen. Sie kann sich auf das politische und ethische Verständnis von Rassismus und die Absage an Dominanz gründen. Daraus läßt sich ersehen, wie wesentlich die Erziehung zu einem kritischen Bewußtsein ist, einem Bewußtsein, das Mächtige und Privilegierte in die Lage versetzen kann, sich der Herrschaftsstrukturen zu entledigen, in denen sie verwurzelt sind, ohne sich als Opfer fühlen zu müssen. Mit dieser Einschätzung wird nicht notwendigerweise die kollektive Erkenntnis negiert, daß eine Dominanzkultur darauf ausgerichtet ist, sich völlig verwirrend und verzerrend auf die Psyche der Menschen auszuwirken, oder daß diese Pervertierung verletzt.“[6]

In ihrem sehr autobiographischen Buch Where we stand: Class Matters hob sie die Bedeutung der Klassengesellschaft hervor und beklagte, dass dieser Aspekt in diversen Rassismus- und Gender-Mainstreaming-Diskursen ausgeblendet worden sei.[7]

In Anlehnung an Paolo Freire trat sie für eine Erziehung einer Praxis der Freiheit ein und ihr Werk enthält immer wieder Verknüpfungen ihrer Theorien mit pädagogischen Überlegungen. So nahm sie immer wieder zu aktuellen Themen Stellung und als Buddhistin auch zum Buddhismus.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ain’t I a Woman: Black women and feminism (1981) ISBN 0-89608-129-X.
  • Feminist Theory from Margin to Center (1984).
  • Talking Back: thinking feminist, thinking black (1989).
  • Yearning: race, gender, and cultural politics (1990).
  • Breaking Bread: insurgent Black intellectual life (1991) (with Cornel West).
  • Black Looks: race and representation (1992).
  • Sisters of the Yam: black women and self-recovery (1993).
  • Teaching to Transgress: education as the practice of freedom (1994).
  • Outlaw Culture: resisting representations (1994).
  • Art on My Mind: visual politics (1995).
  • Killing Rage: ending racism (1995).
  • Bone Black: memories of girlhood (1996).
  • Reel to Real: race, sex, and class at the movies (1996).
  • Wounds of Passion: a writing life (1997).
  • (mit Christopher Raschka) Happy to be Nappy (1999) (Kinderbuch) ISBN 0-7868-0427-0.
  • Remembered Rapture: the writer at work (1999).
  • Feminism is for Everybody (2000) ISBN 0-89608-628-3.
  • All about Love (2000) ISBN 0-7043-4664-8.
  • where we stand: Class Matters (2000) ISBN 0-415-92913-X.
  • Teaching Community: A Pedagogy of Hope. 2003, ISBN 0-415-96817-8.
  • (mit Christopher Raschka) Skin Again, 2004, ISBN 0-7868-0825-X.
  • We Real Cool: Black Men and Masculinity (2004).
  • The Will to Change: Men, Masculinity, and Love (2004).
  • Belonging: A Culture of Place (2009), ISBN 9780415968164.
  • Teaching Critical Thinking. Practical Wisdom (2010), ISBN 0-415-96820-8.
  • All About Love: New Visions (2018)

deutsch

  • (mit Hal Foster und Ines Lindner) GEWALT/geschäfte (1994) ISBN 3-926796-34-0.
  • Black Looks. Popkultur – Medien – Rassismus (1994) ISBN 3-929823-14-4.
  • Sehnsucht und Widerstand. Kultur, Ethnie, Geschlecht, 1996, ISBN 3-929823-31-4.
  • Die Bedeutung von Klasse (2019) (Übersetzung von where we stand: Class Matters) ISBN 978-3-89771-274-4.
  • Alles über Liebe – Neue Sichtweisen (Übersetzung von All about love). Aus dem Englischen von Heike Schlatterer, Harper Collins, Hamburg 2021, ISBN 978-3-74990-236-1.
  • Feminismus für alle (2021) (Übersetzung von Feminism is for Everybody). Aus dem Englischen übersetzt von Margarita Ruppel, Münster 2021, ISBN 978-3-89771-337-6.
  • Lieben lernen – Alles über Verbundenheit (2022) (Übersetzung von All About Love: New Visions). Aus dem Englischen von Elisabeth Schmalen, Hamburg 2022, ISBN 978-3-365-00019-9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florence Namulundah: bell hooks’ Engaged Pedagogy. A Transgressive Education for Critical Consciousness. Bergin & Garvey, Westport CT 1998, ISBN 0-89789-564-9.
  • Maria del Guadalupe Davidson und George Yancy (Hrsg.): Critical Perspectives on bell hooks. Routledge, New York 2009, ISBN 978-0-415-98980-0.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bell hooks. In: Luxemburg (Zeitschrift). Abgerufen am 16. Dezember 2021.
  2. Janell Hobson: bell hooks: The Black Feminist Guide That Literally Saved Our Lives. In: Ms. Magazine. 16. Dezember 2021, abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
  3. Lawrence Chua: Interview. In: Bomb. 1. Juli 1994, abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
  4. bell hooks. In: Time. 2020, abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
  5. Queere Autorin bell hooks gestorben, Queer.de, veröffentlicht und abgerufen am 16. Dezember 2021.
  6. Black Looks, deutsche Ausgabe, 1994, S. 23 f.
  7. Bell Hooks: Where we stand: Class Matters; download (engl.; pdf)