Bellin (Krakow am See)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Koordinaten: 53° 43′ N, 12° 12′ O

Bellin ist ein Ortsteil der Stadt Krakow am See im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland. Bis 2004 war Bellin eine eigenständige Gemeinde, der auch die Dörfer Marienhof und Steinbeck angehörten.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Zentrum Mecklenburg-Vorpommerns etwa zehn Kilometer südlich der Kreisstadt Güstrow im Nordwesten des Krakower Stadtgebietes. Umgeben ist Bellin vorwiegend von Ackerflächen und Wiesen, an die sich im Nordosten und Südwesten Waldgebiete anschließen. Westlich des Ortes liegt ein zu großen Teilen mit Bruchwald bewachsenes Feuchtgebiet, das an seinen Rändern Böschungen aufweist und vom Teuchelbach in Richtung Nebel entwässert wird. Nach einer Fließrichtungsänderung verläuft der Teuchelbach begradigt nördlich des Ortes durch eine feuchte Senke, die unterhalb 25 m ü. NHN liegt. Die Bebauung des Ortes erstreckt sich auf etwa zwei Kilometern entlang der Straßen nach Zehna im Westen und Steinbeck im Osten und liegt auf etwa 40 m ü. NHN. In der Umgebung liegen mehrere benannte Erhebungen wie etwa der Beuckbarg (85 m) im Osten, der Vierberg (54,1 m) im Norden und der Wallberg (45,1 m) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellin wurde urkundlich erstmals 1229 erwähnt.[1] Die Herren von Bellin werden bereits kurz danach als werlesche Vasallen mehrfach genannt. Um 1300 besitzen sie die Güter Bellin sowie weitere Güter in umliegenden Orten. Nach Heirat einer Tochter Bernd Bellins geht das Gut 1449 an Gerd von Linstow über, seine Nachkommen bleiben bis 1662 Besitzer, danach geht es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an das Adelsgeschlecht der Sala. Anschließend folgten die Grafen von Hardenberg (1782), Osten-Sacken (1803), Hessenstein (1839), Friedrich August Peters (1849), Wilhelm von Meding (1851–1862), die von Zülow (1862–1876), Otto Karl Friedr. Herm. Koch (seit 1877), Friedrich Gotthard Ed. von Pentz (seit 1880) sowie Rittmeister Gerh. Freiherr von Marschall (seit 1900).[2]

Durch die wendische Familie Bellin wurde eine Wasserburg errichtet, die 1662 an Angelus de Sala, den Leibarzt von Herzog Gustav Adolf von Mecklenburg-Güstrow überging.[3] Im 18. Jahrhundert wurde daneben eine Gutsanlage erbaut. 1853 wurde das Patronat der Kirche durch Wilhelm von Meding an die Landesherrschaft abgegeben.[4] Die Abtretung des Gutes an die von Marschalls geschah aus finanziellen Gründen. 1910 erwarb es der Hamburger Kaufmann und Unternehmer Henry B. Sloman und ließ 1911/1912 durch Paul Korff das bis heute erhaltene, neobarocke Schloss errichten.[3]

Die seit 1965 bestehende Gemeinde Bellin mit ihren Ortsteilen Marienhof und Steinbeck wurde am 1. Januar 2005 nach Krakow am See eingemeindet.[5] 2004 zählte die Gemeinde 275 Einwohner.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der ehemaligen Gemeinde Bellin

Die ehemalige Gemeinde Bellin führte ein Wappen und eine Flagge. Das Wappen fand auch im Dienstsiegel Verwendung.

Wappen

Blasonierung: „In Rot ein hersehender silberner Widderkopf, begleitet von drei (1 : 2) schräglinks liegenden silbernen Eichenblättern.“

Flagge

Beschreibung: „Die Flagge der Gemeinde ist quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot, Weiß und Rot gestreift. Die roten Streifen nehmen je ein Viertel, der weiße Streifen nimmt die Hälfte der Länge des Flaggentuchs ein. In der Mitte des weißen Streifens liegt das Gemeindewappen, das zwei Drittel der Höhe des Flaggentuchs einnimmt. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.“[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutsanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weitläufige Gutsanlage besteht aus einem dreiteiligen Wirtschaftshof, dessen Mittelteil mit dem Ehrenhof zusammen der barocken Grundstruktur folgt. Der Hof wird im Norden durch ein Torhaus und im Süden durch das 1910 erbaute Schloss mit seinem sich anschließenden Park begrenzt.

Neben einem Pavillon befindet sich im Park eine Gutskapelle, die wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammt, und ein Taufbecken aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.[8] Erwähnenswert ist auch der um 1912 errichtete[9], heute auf freiem Feld stehende Wasserturm, der in seinem Aussehen an einen Wehrturm erinnert.

Weitere Informationen siehe: Schloss Bellin

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Bauphase der Mitte des 13. Jahrhunderts romanisch begonnen und gotisch vollendeten Feldsteinkirche erstreckte sich dendrochronologisch nachgewiesen bis 1281. Das Westportal und das darüber gelegene Fenster im Feldsteinteil des Turms haben Spitzbögen aus Backstein. Das heute durch ein Walm-Mansarddach bedeckte, Mitte des 15. Jahrhunderts errichtete Obergeschoss des Turms ist ganz in Backstein ausgeführt, und seine Öffnungen weisen spätgotische Korbbögen auf. Chor und Langhaus sind durch einen Trauffries verziert, der nachträglich hinzugefügt und 1855 erneuert wurde. Auf beiden Seiten des Kirchenschiffs finden sich spitzbogige Dreifenstergruppen. Die runde Rundapsis ist mit einem später vermauerten Rundbogenfenster versehen und wohl einer der ältesten Teile der Kirche. Mehrere Fenster der Apsis wurden noch im Mittelalter spitzbogig vergrößert. Im Süden ist eine Südsakristei angebaut. Die mit einem Blendengiebel aus Backstein geschmückte Vorhalle des Nordportals stammt wohl aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts.[8] Für die Herrschaftsempore wurde der Chor wohl im 17. Jahrhundert nach Norden erweitert.

Die Deckengewölbe im Inneren unterscheiden sich von Bauteil zu Bauteil. Alle außer dem der Apsis weisen Rippen auf, in jener sind die Rippen nur aufgemalt.

Zur Innenausstattung der Kirche gehören die Wand- und Gewölbemalereien aus dem 14/15. Jahrhundert (1855 erneuert). In der Apsis sind Adam und Eva sowie das Widderwappen der Familie Bellin abgebildet. Weiterhin sind der aus dem 15. Jahrhundert stammende Altaraufsatz mit spätgotischen, geschnitzten Figuren und Gemälde (Abendmahl, Getsemaniszene, wohl 18. Jahrhundert) sowie ein steinernes Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert mit Reliefs, Inschriften und Wappen zu sehen. Aus dem 18. Jahrhundert befindet sich noch ein steinerner Sarg des Belliner Gutsbesitzers Graf Gerd Carl von Sala (1714–1770) in der Kirche.[8][10] Die Orgel (7 Register, 1 Manual und Pedal) hatte 1899 der Orgelbauer Carl Börger erbaut. 1945 wurde das Pfeifenwerk zerstört. Die Wiederherstellung mit leicht veränderter Disposition erfolgte 1999 durch Andreas Arnold aus Plau am See. Die Emporenbrüstung der Nordseite stammt aus der Kapelle Weitendorf. Auf Grund der guten Akustik wird die Kirche heute für Konzerte genutzt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Bellin führt die Kreisstraße 23 von Zehna nach Groß Tessin. Weitere Verbindungsstraßen bzw. -wege führen in die umliegenden Orte Steinbeck, Marienhof, Groß Breesen und Mühl Rosin. Der ehemalige Ortsteil Marienhof besaß einst einen etwas abgelegenen Haltepunkt an der im Personenverkehr nicht mehr bedienten Bahnstrecke Güstrow–Meyenburg.

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. IV. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Schwaan, Bützow, Sternberg, Güstrow, Krakow, Goldberg, Parchim, Lübz und Plau. Schwerin 1901, Neudruck 1993, ISBN 3-910179-08-8, S. 320–326.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern. München, Berlin 2016, ISBN 3-422-03081-6, S. 61–62.

Gedruckte Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bellin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MUB I. (1863) Nr. 369, 411.
  2. Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Bellin. 1901, S. 320–326.
  3. a b Krakow am See, Ortsteile Bellin, Marienhof, Steinbeck. (Memento vom 12. Februar 2005 im Internet Archive)
  4. Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Bellin. 1901, S. 320–326.
  5. Statistisches Landesamt MV – Gebietsänderungen 2005 (PDF; 89 kB)
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden im Jahr 2004 – Statistisches Landesamt MV (PDF-Datei; 473 kB)
  7. Hauptsatzung der Gemeinde Bellin@1@2Vorlage:Toter Link/amt-krakow-am-see.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 32 kB)
  8. a b c Georg Dehio: Bellin, Lkr. Güstrow. 2016, S. 61–62.
  9. Wasserturm Bellin auf zwillingsmuehlen.de
  10. Zerniner Beschäftigungsinitiative (ZEBI) e. V. (Hrsg.): Dorf- und Stadtkirchen im Kirchenkreis Güstrow. Edition Temmen, Bremen/Rostock 1997, ISBN 3-86108-443-0, S. 28f