Bengalische Quitte

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Bengalische Quitte
Bael (Aegle marmelos) tree at Narendrapur W IMG 4115.jpg

Bengalische Quitte (Aegle marmelos)

Systematik
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Rautengewächse (Rutaceae)
Unterfamilie: Aurantioideae
Tribus: Citreae
Gattung: Aegle
Art: Bengalische Quitte
Wissenschaftlicher Name
Aegle marmelos
(L.) Corrêa

Die Bengalische Quitte (Aegle marmelos), auch Madjobaum, Belbaum oder Schleimapfel genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Die aromatischen Früchte werden als Obst und viele Pflanzenteile werden medizinisch verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borke
Illustration
Wechselständige, gestielte, gefiederte Laubblätter
Blüte
Frucht

Erscheinungsbild und Laubblatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aegle marmelos ist ein laubabwerfender, kleiner bis mittelgroßer Baum. Kultivierte Exemplare können Wuchshöhen von mehr als 10 Meter bei schmal-ovaler Baumkrone erreichen, ansonsten bleibt die Krone niedriger und ist eher unregelmäßig geformt.[1] Andere Angaben zur Wuchshöhe lauten 6[2], 10[3] oder 10 bis 15[4] Meter. Der Stamm verzweigt sich schon bald über dem Boden. Die Rinde ist blau-grau, weich, an jungen Zweigen unregelmäßig gefurcht;[1] sie löst sich in dünnen Platten ab[4]. Verletzte Zweige sondern einen durchsichtigen Saft ab, ähnlich Gummi arabicum, der in langen herabhängenden Fäden eintrocknet.[4] Die Zweige lassen sich in Langtriebe mit Internodien von 3 bis 5 Zentimetern Länge und Kurztriebe, die insgesamt nur 1 bis 3 Zentimeter lang sind und zahlreiche Blätter tragen, unterscheiden.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter werden an den Langtrieben von jeweils einem oder zwei Dornen begleitet.[1] Die Dornen sind 1,5[2] bis 3[3] Zentimeter lang. Die Blätter sind sehr variabel, stark besonnte Blätter können eine rötliche Färbung aufweisen. Der Blattstiel ist kaum sichtbar bis deutlich geflügelt.[1] Die Blattspreite unpaarig gefiedert, mit drei, seltener fünf Fiederblättchen. Die seitlichen Fiederblättchen sind ungestielt, während das endständige Fiederblättchen gestielt ist. Ein Trenngewebe zwischen Blättchen und Blattachse kann vorhanden sein. Die Fiederblättchen sind bei einer Länge von 4 bis 12 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 6 Zentimetern eiförmig bis elliptisch mit gerundeter bis schmal-keilförmiger Basis und zugespitztem oder spitzem oberen Ende[3] und der Rand ist leicht gezähnt oder gekerbt. Sie sind glatt und von dünner Textur, die Mittelrippe tritt auf der Unterseite hervor.[1]

Blüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten stehen einzeln oder zu viert bis siebt in den Blattachseln und am Ende der Zweige. Der Blütenstiel ist behaart.[2] Die grünlich weißen und duftenden Blüten sind bei einem Durchmesser von 2 Zentimetern radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die behaarten Kelchblätter sind zu einem flachen schüsselförmigen, fünfzipfligen Kelch verwachsen. Die Kronblätter sind länglich oval und oberhalb der Mitte am breitesten, in der Knospe einander überlappend, später dann weit ausgebreite. Ihre Textur ist dick, sie sind mit Öldrüsen versehen. Eine Nektarscheibe (Diskus) ist gar nicht vorhanden oder nur klein. Der länglich-ovale, aus acht bis zwanzig Fruchtblättern zusammengesetzte Fruchtknoten geht fließend in den Griffel über, der sich zur köpfchenförmigen Narbe verdickt.[1] Die mit 30 bis 50 zahlreichen[3] Staubblätter besitzen Staubfäden, die nur halb so lang wie die Staubbeutel sind und in mehreren Gruppen miteinander verwachsen sein können.[1]

Frucht und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mit einem Durchmesser von 5 bis 10 Zentimeter runden, leicht ovalen oder etwas birnenförmigen Früchte färben sich zur Reife grünlich bis grünlich-gelb. Das Mesokarp bildet eine 3 Millimeter dicke, verholzte Schicht. Wenn die Frucht trocknet ist das Endokarp orange, saftig, aber erhärtend.[2] Die zahlreichen, 8 Millimeter großen Samen sind von wolligen Haaren umgeben und liegen in einer klaren, klebrigen Flüssigkeit, die ebenfalls hart eintrocknet. Jeder Same enthält einen geraden Embryo, aber kein Endosperm.[3] Kultivierte Sorten können erheblich größere (bis 20 Zentimeter Durchmesser) Früchte mit weicher Schale besitzen, zudem enthalten sie wenige Samen und keine klebrigen Bestandteile.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aegle marmelos ist heimisch am Südrand des Himalaya von Pakistan im Westen über Indien und weiter nach Südosten in Bangladesch, Myanmar und Hinterindien.[4] Sie wächst in Wäldern im Monsunklima, in Höhenlagen von 600[3] bis 1200[2] Metern. In Südostasien wird die bengalische Quitte verbreitet kultiviert.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Art wurde von Carl von Linné als Crataeva marmelos erstveröffentlicht. Corrêa stellte 1800 unter dem Namen Aegle marmelos die Gattung Aegle auf. Das Artepitheton marmelos geht auf das portugiesische Wort marmelos für „Quitten“ zurück und bezieht sich auf die duftenden und süß schmeckenden Früchte. Der Gattungsname Aegle ist die latinisierte Form des griechischen Aigle, einer der Heliaden aus der griechischen Mythologie.[5]

Swingle und Reece gaben als nah verwandte Gattungen die afrikanischen Aeglopsis, Afraegle und Balsamocitrus an[1], eine Gruppierung, die auch durch neuere DNA-Analysen gestützt wird. Dagegen stellen die Subtribus Balsamocitrinae und Tribus Citreae, in die Swingle und Reece Aegle marmelos einordnen, wahrscheinliche keine monophyletischen Einheiten dar.[6]

Querschnitt und Längsschnitt durch eine Bengalische Quitte

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die sehr harte Schale mit einem Messer entfernt wurde, wird die Frucht frisch als Obst gegessen, in Tamil Nadu oft mit Zucker bestäubt. Sie schmeckt entfernt apfelartig, ist aber recht sauer. Der Saft wird zu Süßspeisen, Marmelade oder Chutney verarbeitet. Die jungen Blätter werden als Gemüse oder Gewürz genutzt. Aus Blüten und Rinde lässt sich duftendes Öl gewinnen. Die klebrige Substanz aus den Früchten wird gelegentlich als Kleber genutzt. Früchte, Blätter, Blüten und Rinde werden auch medizinisch genutzt.[4] In Thailand werden die getrockneten Früchte in Wasser aufgekocht und als Tee getrunken (Ma Tum Tee).

Religiöse Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hinduismus ist der Belbaum dem Shiva heilig. Seine dreigeteilten Blätter werden mit Shivas Dreizack verglichen und häufig Shiva geopfert, ebenso die Frucht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h W. Reuther, H. J. Webber, L. D. Batchelor (Hrsg.): The Citrus Industry. Bd 1, 1967 (ucr.edu).
  2. a b c d e Hassan-ud-Din, Shahina A. Ghazanfar: Aegle. In: S. I. Ali, M. Qaiser (Hrsg.): Flora of Pakistan. Bd 132, Missouri Botanical Garden Press, S. 27 (eFloras.org).
  3. a b c d e f Dianxiang Zhang, Thomas G. Hartley: Aegle. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Bd 11, Missouri Botanical Garden Press, St. Louis, S. 96 (eFloras.org).
  4. a b c d e f Julia F. Morton: Fruits of warm climates. Miami, FL 1987, S. 187–190 (online).
  5. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage, Nikol Verlag, Hamburg, 2005, ISBN 978-3-937872-16-2
  6. Bernard E. Pfeil, Michael D. Crisp: The age and biogeography of Citrus and the orange subfamily (Rutaceae: Aurantioideae) in Australia and New Caledonia. In: American Journal of Botany. Band 95, Nr. 12, 2008, S. 1612–1631.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bengalische Quitte (Aegle marmelos) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien