Gummi arabicum

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Gummi arabicum: Stücke und Pulver

Gummi arabicum (auch Gummiarabikum, Arabisches Gummi) wird das Exsudat (Gummiharz) aus dem Pflanzensaft von verschiedenen, in Afrika verbreiteten, Bäumen wie Gummiarabikumbaum (Senegalia senegal), sowie Arabische Gummi-Akazie (Vachellia nilotica), Seyal-Akazie (Vachellia seyal), Vachellia tortilis, Vachellia gummifera, Vachellia karroo und Schreckliche Akazie (Vachellia horrida) bezeichnet. Auch werden viele weiterer Gummen, früher alles Acacia-Arten→Akazien, (Vachellia spp.), (Acacia spp.), (Senegalia spp.) mit „Gummi arabicum“ bezeichnet, diese sind aber nicht offizinell.[1][2] Es ist die älteste bekannte Gummiart.[3]

„Gummi arabicum“ ist ein natürliches Gemisch von Polysacchariden (Mehrfachzuckern), deren Hauptkomponente auch Arabinsäure genannt wird.[4]

Gewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Senegalia senegal aus Koehler, 1887

„Gummi arabicum“ wird aus dem Wundsaft der Bäume gewonnen. Dabei schneidet man die Baumrinde in einem nach unten gerichteten Winkel ein. Der austretende Milchsaft bildet einen Tropfen mit einem Durchmesser von 2 bis 7 cm. Dieser Saft wird aufgefangen und getrocknet. Meist wird jeden zweiten Tag ein weiterer Schnitt unterhalb des alten gemacht.

Aus dem heraussickernden Wundsaft kann sich im Laufe von 45 Tagen eine oberflächlich harte Blase bilden, die geerntet wird. Der Baum braucht bis zu 4 Jahre, um sich davon wieder zu erholen.[5]

Charakterisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Gummi arabicum“ hat eine Dichte von 1,4 g·cm−3, einen pH-Wert von 5 (10 %ige Lösung) und eine Zersetzungstemperatur von 90 bis 95 °C.[6] Es besteht meist aus gelblich-braunen, es gibt auch Variäteten die rotes und weißes Harz liefern,[7], matten, spröden, geruchlosen Stücken mit glänzendem Bruch, die sich in warmem Wasser zu einer klaren, zähen, klebrigen, fad schmeckenden und schwach sauer reagierenden Flüssigkeit auflösen. Die Löslichkeit beträgt circa 500 g·l−1.[6] Es ist unlöslich in Alkohol.

„Gummi arabicum“ enthält hauptsächlich saure Erdalkali- und Alkalisalze der sogenannten Arabinsäure (Polyarabinsäure), unter der man ein verzweigtes, aus L-Arabinose, D-Galactose, L-Rhamnose und D-Glucuronsäure im Verhältnis 3:3:1:1 bestehendes Polysaccharid versteht.[4] Außerdem sind Glykoproteine enthalten.

Daraus wurde früher Arabinose und Ribose gewonnen.

Einstufung und Kennzeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitshinweise
Name

Gummi arabicum

CAS-Nummer

9000-01-5

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [6]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 319
P: 305+351+338​‐​501 [6]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [8][9]
Reizend
Reizend
(Xi)
R- und S-Sätze R: 36​‐​36/37/38
S: 26​‐​36/37/39​‐​27
Toxikologische Daten

(nicht einstufungsrelevant) >16 000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[10]

„Gummi arabicum“ (CAS-Nummer: 9000-01-5) ist ein Gefahrstoff der nach GHS mit Augenreizend – Kategorie 2 eingestuft und entsprechend mit dem Piktogramm GHS07 und dem H-Satz H319: Verursacht schwere Augenreizung versehen werden muss.[6]

In der EU ist „Gummi Arabicum“ als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 414 zugelassen.

Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alten Ägypten wurde „Gummi arabicum“ (diese nannten es Kami)[3] zur Einbalsamierung von Toten verwendet. Zudem wurde es zur Behandlung viraler Infekte benutzt.[11] In den Arzneibüchern wird „Gummi arabicum“ als arzneiliche Droge und als Pharma-Hilfsstoff der Galenik aufgeführt. Es kann z. B. zur lokalen Schmerzbehandlung eingesetzt werden.[12]

Lebensmittelzusatzstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Lebensmittelzusatzstoff wird „Gummi arabicum“ Lebensmitteln als Verdickungsmittel, Emulgator und als Stabilisator zugesetzt. Hierbei ist vor allem die Anwendung in Getränke-Emulsionen sowie im Süßwarenbereich und in der Medikamentenherstellung (Gummi-Artikel und Überzug von Dragées) hervorzuheben. So würde sich zum Beispiel in Coca-Cola ohne „Gummi arabicum“ der schwarze Farbstoff an der Flaschenwand absetzen.[13]

Gummierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ehemals weit verbreitete Verwendung von „Gummi arabicum“ ist die Gummierung von Papier. Dadurch werden Etiketten, Briefmarken, Briefumschläge, Zigarettenpapier, Verpackungen oder Klebebänder beim Anfeuchten verschließbar bzw. „klebbar“ gemacht.

Der Sattler verwendet das in Wasser gelöste „Gummi arabicum“ als Poliermittel für Schnittkanten beim genähten Leder. Die Lösung wird mit einem Filz aufgetragen und nach dem Trocknen mit einem weichen Lappen oder einer Schwabbelscheibe poliert. Es verschließt die Poren und verleiht dem Leder eine dunklere Patina und Glanz.

Auch in der klassischen Lithografie fand „Gummi arabicum“ für die notwendige Vorbehandlung der Lithosteine vor dem eigentlichen Farbauftrag Verwendung.

Pigment-Bindemittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aquarellfarbe aus Gummi arabicum, Pigment und Wasser

„Gummi arabicum“ wird zur Herstellung von Künstlerfarben verwendet: für Aquarell-, Gouache- und Temperafarben. Dabei dient es als Bindemittel für die Farbpigmente. Auch in der Glasmalerei werden die pulvrigen, keramischen Glasschmelzfarben damit malfähig angerieben. Im Orgelbau wird „Gummi arabicum“ in einer Mischung mit Kreide und einem Farbstoff zum Oberflächenschutz und als Hitzeschutzfarbe beim Löten während der Fertigung von Metallpfeifen (meist Zinn-Blei-Legierung) eingesetzt.

Louis-Alphonse Poitevin entwickelte 1855 ein fotografisches Pigmentverfahren mit „Gummi arabicum“ und Chromaten. Der Gummidruck ist eines der klassischen Edeldruckverfahren, das 1858 von John Pouncy (1820–1894) verbessert wurde. Es wird auch heute noch von Künstlern und Fotografen angewendet.

Eine Lösung von „Gummi arabicum“ nennt man Gummiwasser. Aus Gummiwasser und Ruß wurde schon in der Antike in Ägypten und China Tinte hergestellt.

Bedarf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jährliche Weltbedarf von 50.000 bis 60.000 Tonnen wird zu 50 Prozent aus dem Sudan gedeckt. Früher lieferte er 90 % des Bedarfs. Mittlerweile sind auch der Tschad, Senegal und Nigeria starke Produzenten. Als die USA 1997 ein striktes Handelsembargo gegen den Sudan verhängten, nahmen sie kurz darauf „Gummi arabicum“ davon aus, um die Versorgung von Coca-Cola sicherzustellen.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Louis Edgar Andés: Gummi arabicum und dessen Surrogate in festem und flüssigem Zustande. Darstellung der Sorten und Eigenschaften des arabischen Gummi, seiner Verfälschungen, Fabrikation des Dextrins und anderer Stärkeprodukte, sowie der Surrogate für Gummi aus Dextrin und anderen Materialien. A. Hartleben’s Verlag, Wien 1896, OCLC 16389877.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P. H. List, L. Hörhammer: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. 4. Band: Chemikalien und Drogen CI–G, Springer, 1973, ISBN 978-3-642-80621-6, S. 1211 f.
  2. Rudolf Hänsel, Konstantin Keller, Horst Rimpler, Gerhard Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Drogen A–D, 5. Auflage, Springer, 1992, ISBN 978-3-642-63468-0, S. 37–42.
  3. a b Gerhard Eisenbrand, Peter Schreier: RÖMPP Lexikon Lebensmittelchemie. 2. Auflage, Thieme, 2006, ISBN 978-3-13-736602-7.
  4. a b Gerhard Franz: Struktur und biologische Funktion von Polysacchariden. In: Klaus Balser, Walther Burchard (Hrsg.): Polysaccharide. Springer Berlin Heidelberg, 1985, ISBN 978-3-540-13931-7, S. 1–14.
  5. Rebecca Ciesielski: Ein umweltpolitischer Ausverkauf. In: Abhängig vom Krisenkleber. Handelsblatt, 14. März 2015.
  6. a b c d e Eintrag zu Gummi arabicum in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 27. Dezember 2015 (JavaScript erforderlich).
  7. Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. 2. Auflage, Springer, 2011, ISBN 978-3-7091-0210-7, S. 659 ff.
  8. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  9. Eintrag zu Gummi arabicum in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM), abgerufen am 28. Dezember 2015.
  10. Datenblatt GUMMI ARABICUM, sprühgetrocknet (PDF) bei Carl Roth, abgerufen am 9. Februar 2017.
  11. Abu Bakr Muḥammad ibn Zakariya Razi, William Alexander Greenhill: A Treatise on the Small-pox and Measles. Sydenham Society, 1848, OCLC 7083032.
  12. Patent US2007299098: Therapeutic Agent for Neuropathic Pain. Angemeldet am 2. November 2005, veröffentlicht am 27. Dezember 2007, Erfinder: Tsutomu Tanabe.
  13. a b Guillaume Pitron: Gummiarabikum, Unbekannt und unentbehrlich (Memento vom 1. Januar 2015 im Internet Archive), In: Le Monde diplomatique vom 8. April 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gummi arabicum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gummiarabikum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen