Benoni Friedländer

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Benoni Friedländer (1852)

Benoni Friedländer (* 4. Juni 1773 in Berlin; † 17. Februar 1858 in Berlin), auch Johann Gottlieb Julius Benoni Friedländer, war ein deutscher Privatgelehrter und Münzsammler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedländer wächst in einem reichen jüdischen Elternhause als Sohn von David Friedländer und seiner Frau Margarete (Blümchen) Itzig, Tochter des Daniel Itzig, auf.

Friedländer ist in frühen Jahren beruflich aktiv. Vermutlich um 1818 scheidet er aus dem Geschäftsleben aus und widmet sich ausschließlich der Familie und seiner bedeutenden Münz- und Autographensammlung. Im gleichen Jahr werden seine Kinder getauft. Aus Respekt vor dem Glauben des Vaters und trotz der eigenen Überzeugung, Christ zu werden, wartet er selbst damit bis nach dem Tod seiner Eltern. Aber kaum zwei Monate nach dem Tode seines Vaters am 25. Dezember 1834 lassen sich Benoni und seine Frau Rebecca am 23. Februar 1835 taufen. Seither nennt er sich Johann Gottlieb Julius Benoni Friedländer.

1861 vermacht er seine Sammlung dem neu gegründeten Berliner Münzkabinett, dessen Direktor seit 1868 sein jüngster Sohn Julius Friedländer war. Die Sammlung bestand aus 6.000 antiken, 11.000 mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen sowie Medaillen. Außerdem gehören dazu Not-, Feld- und Belagerungsmünzen, „vor allem die unvergleichliche Anzahl schönster italienischer Medaillen aus der Blütezeit der Renaissance, welche einst Napoleons Schwester, die Prinzessin Elisa Bonaparte Bacciocchi, als Fürstin von Lucca gesammelt hatte.“[1] „Sie enthält nur gute Exemplare […] und es zeigt sich hier, was Sachkenntniss und Eifer auch mit geringen Mitteln im Laufe eines langen Lebens erreichen können, das freilich in eine Epoche fällt, in welcher Alterthümer und Kunstwerke durch die großen politischen Umwälzungen entwerthet waren und sich leichter von ihren Besitzern lösten“, schreibt Julius Friedländer 1873.[2]
Diese Schenkung ist die größte Erwerbung in der Geschichte des Kabinetts, welches damit die größte Sammlung italienischer Münzen diesseits der Alpen darstellt.

Daneben besitzt Friedländer eine erlesene Autographensammlung, so zum Beispiel die Ode an Preußen, eine Sammlung von Briefen Kants an Moses Mendelssohn sowie das sogenannte Fischhof-Manuskript, eine Beethoven-Biographik. Diese Sammlung erbt sein Sohn Julius, 1876 geht sie an Carl Robert Lessing über.

Benoni und Rebekka Friedländer (April 1856)

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benoni Friedländer war verheiratet mit Rebecca von Halle (* 1775, Berlin; † 1857, ebenda), Tochter des Bankiers Joel Samuel von Halle (* 1747, Hamburg; † 13. Oktober 1810, Berlin) und der Edel (Adelaide) Levy (1755–1831). Ihre Schwester Fanny Eleonore (* 1778, Berlin; † 1857, ebenda) war verheiratet mit Anton Heinrich Bendemann (vormals Aaron Hirsch Bendix; 1775–1866), deren Sohn ist der Maler Eduard Bendemann.[3]

Kinder:

  • Auguste Marie Erika Amalia (1796–1880), verh. mit Eduard Philippi (Bruder von Johann Friedrich Hector Philippi)
  • Marianne (1797–1826), verh. mit dem Musikverleger Samuel Ferdinand Mendheim (1786–1860)
  • Cilla Friedländer (1798–1880)
  • Joachim Daniel (1800−1868), verh. mit Mathilde Oppermann
  • Emil Gottlieb (1805–1878), Archivar am Geheimen Staatsarchiv und Bibliothekar der Kriegsakademie zu Berlin, Historiker und Philologe, verh. mit Elisabeth (Elise) Mendheim (1821–1904). Deren Sohn war Ernst Friedländer
  • Eduard Julius Theodor (1813–1884), unverh.

Benonis Bruder Moses Friedländer (* 27. August 1774, Berlin; † 24. Februar 1840, ebenda) wurde im Januar 1799 Teilhaber des Bankgeschäfts von Joseph Mendelssohn, das fortan den Namen Mendelssohn & Friedländer führte. Ende 1803 schied er wieder aus und war selbständig als Kaufmann tätig. Später nahm er seinen bisherigen Disponenten Moses Moser als Teilhaber auf. Die Firma trug fortan den Namen Friedländer & Co. Moses Friedländer war 1801–1805 mit Rebecca Salomon (1783–1850) verheiratet, die nach der Scheidung unter ihrem Schriftstellernamen Regina Frohberg eine bekannte und umstrittene Autorin wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Brenneis: Das Fischhof-Manuskript. Zur Frühgeschichte der Beethoven-Biographik. In: Harry Goldschmidt (Hg.): Zu Beethoven, Teil 1. Aufsätze und Annotationen, Berlin 1979, S. 90–116.
  • Ernst Friedländer: Das Handlungshaus Joachim Moses Friedländer et Soehne zu Königsberg i.Pr., Hamburg 1913 [enthält Stammbaum der Familie seit Joachim Moses Friedländer].
  • Julius Friedländer: Benoni Friedländer. In: Zeitschrift für Numismatik 24, 1904, S. 1–16.
  • Jacob Jacobson (Hg.): Die Judenbürgerbücher der Stadt Berlin 1809–1851: mit Ergänzungen für die Jahre 1791–1809, Berlin 1962 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin; Bd. 4: Quellenwerke; Bd. 1).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julius Menadier: Die Schausammlung des Münzkabinetts im Kaiser-Friedrich-Museum. Eine Münzgeschichte der europäischen Staaten, Berlin 1919, S. 7–8.
  2. Julius Friedländer / Alfred von Sallet: Das Königliche Münzkabinet. Geschichte und Übersicht der Sammlung nebst erklärender Beschreibung der auf Schautischen ausgestellten Auswahl, Berlin 1873, S. 33.
  3. Vgl. auch die Angaben zur Familie im Artikel von Margarete Braun-Ronsdorf: Bendemann, Eduard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 36 f. (Digitalisat).