Berent Schwineköper

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Berent Schwineköper (* 8. November 1912 in Magdeburg; † 8. März 1993 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Archivar und Historiker.

Der Apothekersohn aus der Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen studierte Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Historische Hilfswissenschaften an den Universitäten Göttingen, Wien und Freiburg. Besonders prägten ihn Alfons Dopsch, Heinrich von Srbik, Hermann Heimpel und vor allem Percy Ernst Schramm. 1931 wurde er im Corps Teutonia Göttingen aktiv. 1950 erhielt er das Band der Teutonia-Hercynia Göttingen.[1] Bei Schramm wurde er 1937 promoviert über das Thema Der Handschuh im Recht, Ämterwesen, Brauchtum und Volksglauben.[2]

Nachdem er von 1939 bis 1941 das Preußische Institut für Archivwissenschaft besucht hatte, wurde er Archivar beim Preußischen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem. Am Zweiten Weltkrieg nahm er als Soldat teil. 1944 erfolgte seine Ernennung zum Archivrat am Staatsarchiv Magdeburg, an dem er bis Juni 1959 tätig war. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die nach dem Krieg in Sachsen-Anhalt konfiszierten Adelsarchive geborgen und für zukünftige Forschungen erhalten werden konnten.[3] Für das Magdeburger Archiv konnte er als erstes staatliches Archiv der Deutschen Demokratischen Republik 1954 eine Gesamtübersicht über die Bestände des Landeshauptarchivs Magdeburg vorlegen. 1959 verließ er die DDR und übernahm die Leitung des Stadtarchivs Freiburg. Er lehrte seit 1964 an der Universität Freiburg und erhielt dort 1972 den Titel Honorarprofessor.

Schwineköper publizierte 1964 und 1984 zum Magdeburger Reiter.[4] 1972 legte er in zwei Bänden eine Geschichte des Magdeburger Domstifts St. Moritz und der übrigen Magdeburger Stifte in der renommierten Reihe Germania Sacra vor. Seine 1977 veröffentlichte Darstellung Königtum und Städte bis zum Ende des Investiturstreites, bei der die Städte im östlichen Sachsen und Nordthüringen im Blickpunkt stehen, machte ihn in der Stadtgeschichtsforschung bedeutsam. Schwineköper war Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte, außerordentliches Mitglied der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und bis zum Verlassen der DDR Mitglied der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Der Handschuh im Recht, Ämterwesen, Brauch und Volksglauben (= Neue Deutsche Forschungen, Abt. Mittelalterliche Geschichte Bd. 5). Junker und Dünnhaupt, Berlin 1938; 2. Auflage (= unveränderter Nachdruck) Thorbecke, Sigmaringen 1981, ISBN 3-7995-6019-X.
  • Königtum und Städte bis zum Ende des Investiturstreits. Thorbecke, Sigmaringen 1977. ISBN 3-7995-6671-6.
  • gemeinsam mit Gottfried Wentz: Germania Sacra. Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, Teil 1: Das Domstift St. Moritz in Magdeburg. Berlin 1972, und Teil 2: Die Kollegiatstifter St. Sebastian, St. Nicolai, St. Peter und St. Paul und St. Gandolf in Magdeburg. Berlin 1972, ISBN 3-11-001811-X.
  • Königtum und Städte bis zum Ende des Investiturstreites. Die Politik der Ottonen und Salier gegenüber den werdenden Städten im östlichen Sachsen und in Nordthüringen. Thorbecke, Sigmaringen 1977, ISBN 3-7995-6671-6.

Herausgeberschaften

  • Provinz Sachsen Anhalt (= Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Band 11). 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9.
  • Gilden und Zünfte. Kaufmännische und gewerbliche Genossenschaften im frühen und hohen Mittelalter. Thorbecke, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-6629-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Maurer, Hans Patze (Hrsg.): Festschrift für Berent Schwineköper. Zu seinem siebzigsten Geburtstag. Sigmaringen 1982, ISBN 3-7995-7020-9 (darin S. 583–595: Wissenschaftliche Veröffentlichungen und Buchbesprechungen von Berent Schwineköper (1937–1982)).
  • Helmut Maurer: Berent Schwineköper. [Nachruf] In: Sachsen und Anhalt 18, 1994, S. 601–605.
  • Helmut Maurer: Berent Schwineköper. In: Sachsen und Anhalt 24, 2002/2003, S. 57–66.
  • Schwineköper, Berent. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation (= Veröffentlichungen des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens 1951–2001. Bd. 2). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6906-5, S. 397–402.
  • Ulrich P. Ecker, Hans Schadek: Berent Schwineköper (1912–1993). In: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins "Schau-ins-Land" 112, 1993, S. 183–185.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1996, 168, 433; 47, 224
  2. Berent Schwineköper: Der Handschuh im Recht, Ämterwesen, Brauch und Volksglauben. Berlin 1938.
  3. Helmut Maurer: Berent Schwineköper. Sachsen und Anhalt 24, 2002/2003, S. 57–66, hier: S. 59.
  4. Berent Schwineköper: Zur Deutung der Magdeburger Reitersäule. In: Festschrift Percy Ernst Schramm. Wiesbaden 1964, Bd. 1, S. 117–142; Berent Schwineköper: Motivationen und Vorbilder für die Errichtung der Magdeburger Reitersäule. Ein Beitrag zur Geschichte des Reiterbildes im hohen Mittelalter. In: Institutionen, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter. Festschrift für Josef Fleckenstein zu seinem 65. Geburtstag. Sigmaringen 1984, S. 343–392.