Bergepanther

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bergepanther im Musée des Blindés (Frankreich)
Bergepanther (Frontansicht)
Seitenansicht (Heckansicht)

Der Bergepanzerwagen „Panther“ (Sd.Kfz. 179), oft nur als „Bergepanther“ bezeichnet, war eine zum Bergepanzer umgerüstete Variante des Panzerkampfwagen V Panther (Sd.Kfz. 171).

Entwicklung und Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee eines Bergepanthers entstand 1943 wegen Problemen bei der Bergung schwerer und mittelschwerer Panzer. Die Entwicklung erfolgte durch MAN. Die bis dahin zur Bergung eingesetzten Halbkettenfahrzeuge (z. B. Sd.Kfz. 9) waren selten in der Lage, einen Panther oder einen Tiger erfolgreich zu bergen; das Abschleppen mit einem anderen Tiger oder Panther war streng verboten, da dies zum Verlust beider Panzer führen konnte.

Bei den ersten Bergepanthern handelte es sich um fast fertiggestellte Panther der Ausf. D, bei denen durch den Hersteller MAN lediglich der Turm weggelassen wurde. Henschel, Daimler-Benz und DEMAG nahmen sich später nacheinander der Produktion an. Die speziell produzierte Wanne des Bergepanthers ähnelte weitgehend der des Panzerkampfwagens Panther, wobei Ende 1944 auch die Modifikationen der Ausf. G dafür übernommen wurden. Die Besatzung bestand aus mindestens drei Soldaten, wobei das Gerät von zwei Soldaten im Fahrzeug bedient wurde.

Dort, wo bei dem Kampfpanzer der Turm saß, befanden sich nun quadratische Holz- und Metallaufbauten, im Rumpf des Panzers war eine Winde mit einer Längszugkraft von 40 Tonnen eingebettet. Ein großer Erdsporn am Heck diente zum Abstützen. Des Weiteren verfügte der Bergepanther über einen einfachen Kranausleger, dessen Lastkapazität 1,5 Tonnen betrug.

Der Bergepanther war in seinem Aufgabenbereich recht zuverlässig und wegen seiner Panzerung auch unter Feindfeuer einsetzbar. Sogar der schwere Tiger und dessen Varianten konnten ohne Probleme durch einen Bergepanther mit Winde geborgen werden.

Von den Briten wurde der Bergepanther aufgrund eigener Versuche nach dem Zweiten Weltkrieg als „brauchbar“ beschrieben.[1][2]

Zusätzlich zum Bord-MG, welches auf Stützen rechts oder links des Kampfraumes angebracht werden konnte, erhielt der Bergepanther eine Buglafette zur Aufnahme einer 2-cm-KwK-30-Maschinenkanone. Diese fiel jedoch im Laufe des Jahres 1944 weg. Mit der Umstellung auf die Wannenform des Panther G erhielt der Bergepanther die übliche MG-Kugelblende auf der Funkerseite. Die MG-Stütze auf der Fahrerseite entfiel damit ebenfalls.[3]

Von 1943 bis 1945 wurden rund 339 Bergepanther aller Ausführungen von den Unternehmen MAN, Henschel, Daimler-Benz (Werk Berlin-Marienfelde) und DEMAG produziert.[4]

Von den als Bergepanther bezeichneten Fahrzeugen wurden insgesamt ab September 1943 etwa 297 Bergepanther mit der speziellen Pantherwanne gebaut, welche die Aufnahme der Seilwinde und des Sporns ermöglichte.[5] Von diesen 297 Bergepanthern wurden mindestens 88 ohne Winde und Sporn ausgeliefert.[6] Abgesehen von den 42 Stück als Bergepanther bezeichneten Fahrzeugen bis September 1942, bei denen es sich im Wesentlichen nur um turmlose Panther-Fahrgestelle der Ausführung D als Schlepper handelte, nahm die Firma Seibert Stahlbau in Aschaffenburg von August 1944 bis März 1945 den Umbau von beschädigten, zur Instandsetzung zurückgelieferten Panthern der Ausführung D zu Bergepanthern („Umbau-Bergepanther“) vor. Auch diese Fahrzeuge hatten weder Winde noch Sporn und ähnelten damit den ersten Bergepanthern der Firmen MAN und Henschel. Die Abdeckung mit den Lukendeckeln für Fahrer und Funker wurde weggelassen. Sie wurden mit allen anderen Bergeeinrichtungen und Werkzeugen versehen, welche auch am Bergepanther zu finden waren.[7] Die Firma Seibert stellte (ungefähr) 61 Umbau-Bergepanther her.[8] Insgesamt wurden etwa 113 Fahrzeuge aus der Instandsetzung geliefert.[9]

Es ist hier zu erkennen, dass es sich bei den als Bergepanther bezeichneten Fahrzeugen zum großen Teil nur um die turmlosen Schleppfahrzeuge gehandelt hat, die bis zum Ende des Krieges geliefert wurden. Weiterhin dürfte auch ein nennenswerter Teil der Bergepanther mit der speziellen Wanne für Winde und Spornanbringung wegen fehlender Winden nur als Schleppfahrzeug eingesetzt worden sein.

Diese erst 2013 durch die neueste Publikation zum Thema Bergepanther[10] öffentlich bekannt gewordenen Fakten mögen dazu beigetragen haben, dass in den verschiedensten früheren Publikationen, auch auf Fotos aus der Endphase des Krieges, fälschlicherweise „frühe“ Bergepanther identifiziert wurden.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergepanzerwagen „Panther“ (Sd.Kfz. 179)[11]
  • Baujahr: 1943–1945
  • Abmessungen (mit Schürzen und Sporn)
    • Länge: 8,86 m
    • Breite: 3,42 m
    • Höhe: 2,70 m
  • Gefechtsgewicht: 43 t
  • Motor: 12-Zylinder-Ottomotor Maybach HL 230 P30, 23,1 l
  • Leistung: 700 PS, auf 600 PS gedrosselt
  • Höchstgeschwindigkeit:
    • 55 km/h bei Höchstdrehzahl
    • 46 km/h bei Drosseldrehzahl
    • 25 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit Straße
    • 15 km/h Gelände
  • Fahrbereich: Straße ca. 320 km / Gelände ca. 160 km
  • Zugkraft des Fahrzeuges, im Versuch gemessen:
    • bei losem Sand: 196 kN (20 t), mit Schneegreifern: 264 kN (27 t)
  • Seilwinde:
    • Spillwinde mit konstanter Zugkraft, Fa Raupach, Warnsdorf (CZ)
      • Zugkraft der Seilwinde:
        • nominell: 392 kN (40 t), im Versuch gemessen: 343 kN (35 t)
      • Gesamt-Bergezugkraft mit Seilrollen (über Flaschenzug) gegen Sporn:
        • nominell: 1176 kN (120 t), im Versuch gemessen: 1098 kN (112 t)[12]
  • Hersteller und Produktionszahlen:[13]
    • MAN, Nürnberg, Juni 1943, 12 Stück (ohne Winde und Sporn auf dem Fahrgestell mit durch einen Blechdeckel abgedeckter Turmöffnung aus der laufenden Fertigung der Panther Ausf. D)
    • Henschel, Kassel, Juli 1943 – November 1943, 70 Stück (die ersten 30 Stück wie vor bei MAN, die letzten 40 Stück mit der speziellen Bergepanther-Wanne Ausf. A, ohne Winde und Sporn)
    • Daimler-Benz, Berlin-Marienfelde, Februar 1944 – März 1944, 40 Stück (wie die letzten 40 Stück bei Henschel, ebenfalls jedoch ohne Winde und Sporn)
    • Demag, Berlin-Falkensee, März 1944 – Oktober 1944, 123 Stück
    • Demag, Berlin-Falkensee, Oktober 1944 – Februar 1945, 94 Stück (modifizierte Bergepanther-Wanne auf der Basis Wannenform Panther Ausf. G)
      • Von den Bergepanthern mit spezieller Wanne mindestens 88 Stück ohne Winde und Abstützsporn ausgeliefert.[14]
    • Hersteller des speziellen Bergepanther-Panzergehäuses:
      • Ruhrstahl, Hattingen
      • Evtl. Dortmund-Hörder Hüttenverein, (D.H.H.V.), 10 Stück im August 1943 (bisher nicht verifiziert)[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Wirtgen (Hrsg.): Die Instandsetzung des Bergepanthers. Überblick und Sachstandsbericht April 2004. Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Koblenz 2004, ISBN 3-927038-65-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bergepanther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Köhler: Die Fertigung von Kettenfahrzeugen bei der Firma M.N.H. in Hannover von 1939 – 1945. Verein der Freunde und Förderer der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz e.V. (VFF WTS), 22. Oktober 2011, abgerufen am 30. Dezember 2011.
  2. Rolf Wirtgen (Hrsg.), Frank Köhler: Die Fertigung von Militärfahrzeugen und Einzelteilen bei der Firmengruppe M. N. H. in Hannover von 1939 – 1945, die Nachkriegs-Panzerfertigung und Erprobung durch die Britische Armee. Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Wehrtechnische Studiensammlung. Koblenz 2008, DNB 991587170.
  3. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16. Bergepanzerwagen – Bergepanzer 38 to Bergepanther. Boyds MD 2004, S. 16–22, 16–32; Spielberger: Der Panzerkampfwagen Panther. Stuttgart 1977, 5. Auflage 1999, S. 200–214.
  4. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 23. Panzer Production from 1933 to 1945. Boyds MD 2011, S. 23–61.
  5. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-5; 16-1-8 – 16-1-19; Abnahme WAA = 339 Stck. (06/43 bis 02/45), davon 42 Stck. Pantherwannen von MAN und Henschel (06/43-09/43)
  6. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-7.
  7. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-19; 16-1-51 – 16-1-54.
  8. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 23. Panzer Production from 1933 to 1945. Boyds MD 2011, S. 23–76.
  9. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-5.
  10. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013.
  11. Bezeichnung nach: Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16 Bergepanzerwagen. Boyds MD 2004, ISBN 0-9744862-5-6, S. 16–22.
  12. Rolf Wirtgen (Hrsg.), Frank Köhler: Technische Beschreibung und Lebenslauf des Exponates Bergepanzer Bergpanther. Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Wehrtechnische Studiensammlung. Koblenz 2009, DNB 995635374, S. 12–14, Die Erprobung des Bergepanthers 1944.
  13. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-5.
  14. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-7.
  15. Jentz, Doyle: Panzer Tracts No. 16-1, Bergepanther Ausf. D, A, G. Boyds MD 2013, S. 16-1-5f.