Bergrutsch Hinterstein

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Bereich des Bergrutsches im Jahr 2015 (überwiegend wieder bewachsen)

Durch den Bergrutsch Hinterstein entstand ein Geotop südlich von Hinterstein im Landkreis Oberallgäu. Auf einer Länge von 400 m sind am Osthang des Breitenbergs am 6. Mai 1966 Teile des Berghangs abgebrochen und ins Ostrachtal gestürzt.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Osthang des Breitenbergs wird aus dunklen obertriassischen bis jurassischen, dünnbankigen Kalk-, Mergel- und Tonsteinen der Kössen- und Allgäu-Formation aufgebaut, die in einem sogenannten tektonischen Fenster, dem Hintersteiner Fenster, jüngere Gesteine des Hauptdolomits der Allgäu-Decke „durchspießen“. Die rhythmische Wechsellagerung von Kalk- und Mergelsteinen ist in der Regel sehr verwitterungsanfällig. Die Kalksteine wechsellagern mit blättrigen bis dickbankigen, dunkelgrauen, dünnblättrig zerfallenden Mergel- bis Tonmergelsteinen und weisen oft millimeter- bis zentimetergroße Bioturbations-Flecken auf.

Chronologie des Bergsturzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenbewegungen wurden schon Jahre vor dem eigentlichen Bergrutsch im Bereich der späteren Abrisskante beobachtet. Erste größere Bewegungen am Hang wurden am 3. und 4. September 1964 registriert. Nachdem sich in den folgenden Monaten die Hangbewegungen beruhigt hatten, erfolgte nach heftigen Regenfällen am 6. Mai 1966 um 12.30 Uhr der Abbruch einer Felspartie auf einer Länge von 400 Metern. Etwa 700.000 Kubikmeter Geröll rutschten mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Minute talwärts und begruben 14 Hektar Wald und 11 Hektar Grünland unter sich. Die Geröllmassen stürzten bis in das Bachbett der Ostrach und drohten dieses zu verschütten bzw. den Fluss aufzustauen. Mit Hilfe der örtlichen Baufirmen und Planierraupen der Bundeswehr wurden ein Stadel und die Guferbrücke abgerissen und für die Ostrach am folgenden Tag ein Ausweichbett planiert, um einen unkontrollierten Aufstau und Überschwemmungen zu verhindern. Am 28. Mai 1966 wurde die neue Guferbrücke errichtet.

Als Ursache für den Bergsturz muss eine Verminderung der Haftreibung zwischen den dünnbankig ausgebildeten Gesteinsschichten im Hintersteiner Fenster infolge der Durchfeuchtung nach den heftigen Regenfällen angesehen werden. Wegen der dadurch herabgesetzten inneren Haftreibung erfolgte ein Verlust der Stabilität entlang einer vorgezeichneten Gleitfuge, und die Bergflanke rutschte ab. An der nun freigelegten Bergflanke wurden die Gesteine des Hintersteiner Fensters und im Bereich der Abbruchkante bei der Älpe-Alpe die überlagernden Moränenablagerungen des letzten Eiszeitalters sichtbar. Die eigentliche Abbruchkante lag im Ausstrichsbereich der Allgäuschichten des Lias. Diese Gesteinsfolge ist hier durch eine sehr verwitterungsanfällige, engräumige Wechsellagerung von Ton-, Mergel- und Kalksteinen gekennzeichnet. Durch den Schuttkegel verborgen, liegen unterhalb der Allgäu-Formation noch die Rätolias-Kalke und die Mergelsteine der Kössen-Formation.[1]

Einstufung als Geotop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geotop Bergrutsch südlich von Hinterstein ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als geowissenschaftlich wertvolles Geotop (Geotop-Nr. 780r016) mit einer Eignung als Exkursions- und Forschungsobjekt eingestuft worden.[2] Anlässlich des 50. Jahrestages des Bergrutsches wurde 2014 auf Privatinitiative mit Unterstützung des Marktbauamtes eine Informationstafel aufgestellt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Richter: Allgäuer Alpen. In: Manfred P. Gwinner (Hrsg.): Sammlung Geologischer Führer. 3. Auflage. Heft 77. Gebr. Borntraeger, Berlin und Stuttgart 1984, ISBN 3-443-15038-1, S. 179 ff.
  2. Geotopdatenblatt des Bayerischen Landesamtes für Umwelt: Geotop-Nr. 780R016 Bergsturz südlich von Hinterstein, abgerufen am 8. Februar 2016
  3. Bergrutsch in Hinterstein vor 50 Jahren. In: Gemeindeblatt Bad Hindelang 9/2014. Marktgemeinde Bad Hindelang, abgerufen am 9. Februar 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Henrich & C. Hieke: Hintersteiner Tal. Geologisch-naturkundlicher Wanderführer. Bergrutsch in Hinterstein vor 50 Jahren, Bad Hindelang, 2014
  • Dieter Richter: Allgäuer Alpen. In: Manfred P. Gwinner (Hrsg.): Sammlung Geologischer Führer, 3. Auflage. Heft 77, Gebr. Borntraeger, Berlin und Stuttgart 1984, ISBN 3-443-15038-1, 253 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bergrutsch Hinterstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 28′ 19,5″ N, 10° 24′ 33,4″ O