Berliner Schule (Elektronische Musik)

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Berliner Schule ist eine Stilrichtung der Elektronischen Musik, die sich Mitte der 1970er-Jahre in Deutschland entwickelte. Der Name entstand durch den Hauptwirkungsort der Vertreter dieser Stilrichtung – Berlin (West).

Bekannte Vertreter waren in Berlin ansässige Künstler wie Klaus Schulze, Tangerine Dream und Günter Schickert sowie Bands wie Ash Ra Tempel (Ashra), Agitation Free mit Lutz Ludwig Kramer, Manuel Göttsching oder auch Michael Hoenig. Der Stil zeichnet sich durch lange Stücke, sich wiederholende, dabei aber kontinuierlich modifizierten Strukturen (Sequenzen) und ausgeprägte Soli aus. Hauptstilmerkmal ist der Einsatz von Synthesizerklängen und Mellotronsounds. Es werden häufig programmierte Sequenzermuster verwendet, über denen Soli und atmosphärische Sounds improvisiert werden. Die Improvisationen dauern oft 20 Minuten und länger, so dass eine LP häufig nur ein Stück je Seite aufwies. Die Musik ist gekennzeichnet durch einen hohen Grad an spontaner Experimentierfreudigkeit während des Spielens, sowie durch Modulation der Klangfarbe, Grundton-Transpositionen und den Einsatz von Effektgeräten (hauptsächlich Delays) auch im metrischen Off. Günter Schickert hat auf den Einsatz von Synthesizern ganz verzichtet und ausschließlich Gitarrenklänge anhand von Effekten manipuliert oder bearbeitet (Samtvogel 1974).

Schon 1969 drehte die SFB/Berliner Abendschau, ARD, einen Beitrag über das Beatstudio. Die Kommentare waren fast schon wegweisend über die noch sehr jugendliche Avantgarde-Band Agitation free mit seinen Gründungsmitgliedern Ludwig Kramer, später Walpurgis und Christopher Franke, danach 18 Jahre lang Tangerine Dream. „Sie bemühen sich in der Weiterführung des Beat, die sie in der Elektronik sehen“...„Weiter ist das nichts“. Später produzierten Bands wie Nina Hagen, Ideal, Neonbabies oder auch Rammstein ihre ersten Alben hier.

Wichtig für das Entstehen der Berliner Schule für elektronische Musik ist das von dem Schweizer Komponisten Thomas Kessler geleitete Elektronik Beat Studio Berlin in der Pfalzburger Straße 32, später in der Halensee-Grundschule in der Joachim-Friedrich-Straße. Hier probten diverse Gruppen wie Agitation Free, Ash Ra Tempel und zu Beginn auch Tangerine Dream.[1]

Im Gegensatz zu Klaus Schulze verließ Tangerine Dream diesen Stil Anfang der 1980er-Jahre und widmete sich mehr der konventionellen melodiösen Musiksparte. Anfang der 1990er-Jahre blühte der Stil durch Künstler wie Bernd Kistenmacher, Frank Klare, Mario Schönwälder, Thomas Fanger, Detlef Keller, Rainbow Serpent, Uwe Saher, Michael Brückner und weitere wieder auf. Jedoch fristet er heute eher ein Schattendasein und ist bei weitem nicht so populär wie in den 1970er-Jahren.

Andere erfolgreiche Interpreten sind Radio Massacre International aus England, Free System Projekt und Gert Emmens aus den Niederlanden sowie The Nightcrawlers aus den USA. Ein weniger bekannter Künstler der Berliner Schule ist Adelbert von Deyen (Atmosphere, 1980).

Das Berliner Label Manikin Records und das Eifeler Label SynGate bieten diverse Künstler an, die sich der Berliner Schule auch noch heute verpflichtet fühlen.

Viele aus der Berliner Schule entwickelte Ideen wurden in Musikformen wie Trance und Goa Trance aufgegriffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H.P.Daniels: Hits aus der Grundschule. Der Tagesspiegel, 11. April 2007, abgerufen am 18. Dezember 2015.