Berliner Wingolf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Zirkel
Wappen berlinerwingolf.png Berliner Wingolf Zirkel.svg
Basisdaten
Universität: alle Berliner Hochschulen
Gründung: 11. August 1843
Gründungsort: Berlin
Dachverband: Wingolfsbund
Mitglieder: 150
Farben:
schwarz-weiß-gold
Wahlspruch: Einigkeit und Recht und Freiheit!
Website: www.berliner-wingolf.de

Der Berliner Wingolf ist eine christliche, überkonfessionelle Studentenverbindung und trägt als Mitglied des Wingolfsbundes die Farben schwarz-weiß-gold. Wie alle Wingolfsverbindungen lehnt der Berliner Wingolf Duell und Mensur ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berliner Wingolf wurde am 11. August 1843 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt–Universität) in Berlin gegründet. Vorläufer war ein seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts bestehendes Erbauungskränzchen, dem bereits Mitglieder ähnlicher Vereinigungen in Erlangen, Jena und Halle angehörten,[1] aus denen die Uttenruthia Erlangen, der Erlanger Wingolf und der Hallenser Wingolf sowie der Hallenser Pflug (später Burschenschaft der Pflüger) hervorgegangen sind. Er ist damit die zweitälteste Wingolfsverbindung. Er wurde auf wesentliches Betreiben des Bonner Wingolf gegründet, weshalb zahlreiche Mitglieder auch Mitglied des Bonner Wingolf waren. Der Berliner Wingolf ist eine der vier Gründungsverbindungen des Wingolfsbundes, zusammen mit dem Bonner Wingolf, dem Hallenser Wingolf und der Uttenruthia Erlangen. Bis zur Auflösung im Jahre 1935 führte er den Wahlspruch

„Δί ένός πάντα“ – „Di henos panta!“
(gr.: Durch einen – Jesus Christus – alles!), entlehnt der Bibelstelle (Phil 4,13 lut)

Seit der Wiedergründung im Jahre 1955 lautet er: „Einigkeit und Recht und Freiheit.“

Im Jahre 1894 kam es zur Gründung des Charlottenburger Wingolf als Tochterverbindung des Berliner Wingolf in der damals selbstständigen Nachbarstadt Charlottenburg. 1924 wurde der Wingolf an der Handelshochschule zu Berlin gegründet. Wie alle Studentenverbindungen mussten sich diese in der NS-Zeit auflösen. Seit seiner Wiedergründung 1955 setzt der Berliner Wingolf auch die Tradition der beiden ehemaligen Tochterverbindungen fort. Als Verbindungshaus dient seither das Haus des ehemaligen Charlottenburger Wingolfs.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Büchsel (1803–1889), lutherischer Pfarrer, Autor und Gegner der Preußischen Kirchenunion (Ehrenmitglied seit 1869)
  • Adolf Wuttke (1819–1870), lutherischer Theologe, Professor für Systematische Theologie und Politiker (Ehrenmitglied)
  • David Erdmann (1821–1905), evangelischer Theologe und Professor für Neues Testament und Kirchengeschichte
  • Abraham Roth (1823–1880), Schweizer Journalist und Schriftsteller.
  • Heinrich Engelhard von Nathusius (1824–1890), Gutsbesitzer, Züchter und Politiker
  • Karl von Oven (1824–1907), Landrat der Landkreise Schlochau und Duderstadt
  • Edmund Alexander de Schweinitz (1825–1887), US-amerikanischer Theologe und Bischof der Herrnhuter Brüdergemeine
  • Wilhelm Baur (1826–1897), evangelischer Theologe, Pfarrer und Volksschriftsteller
  • Wilhelm Preger (1827–1896), lutherischer Theologe, Lehrer und königlicher Oberkonsistorialrat
  • Rudolf Kögel (1829–1896), evangelischer Theologe, Kirchenlieddichter und Oberhofprediger
  • Albert Heintze (1831–1906), Philologe
  • Heinrich Holtzmann (1832–1910), evangelischer Theologe und Professor für Neues Testament
  • Hermann von der Goltz (1835–1906), evangelischer Theologe und Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrates
  • Adolf Fauth (1836–1912), evangelischer Pfarrer, Homöopath und Heimatautor
  • August Klostermann (1837–1915), lutherischer Theologe und Professor für Altes Testament
  • Erich Haupt (1841–1910), evangelischer Theologe und Professor für Neues Testament
  • Martin Gensichen (1842–1927), lutherischer Theologe und Direktor der Berliner Missionsgesellschaft.
  • Gustav Kawerau (1847–1918) war ein deutscher Theologe
  • Friedrich Graeber (1848–1917), Architekt und Bauforscher
  • Johannes Büchsel (1849–1920), lutherischer Theologe und Generalsuperintendent der Kirchenprovinz Pommern
  • Wilhelm Kahl (1849–1932), Professor für Strafrecht, Mitglied der Nationalliberalen Partei, Mitbegründer und Ehrenvorsitzender der DVP
  • Adolf von Harnack (1851–1930), evangelischer Theologe, Professor für Kirchen- und Dogmengeschichte
  • Ferdinand Kattenbusch (1851–1935), evangelischer Theologe, Professor für Systematische Theologie
  • Martin Eckart Pfannschmidt (1861–1947), evangelischer Theologe und Heimatforscher
  • Friedrich Pfannschmidt (1864–1914), Bildhauer
  • Paul Kalmus (1864–1940), evangelischer Theologe und Generalsuperintendent für den Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern
  • Adolf Sellschopp (1865–1914), lutherischer Theologe und Pädagoge
  • Ernst Christian Pfannschmidt (1868–1949), Maler und Illustrator
  • August von Gall (1872–1946), evangelischer Theologe und Orientalist
  • Alfred Uckeley (1874–1955), evangelischer Theologe und Rektor der Albertus-Universität Königsberg
  • Hermann Albert Hesse (1877–1957), reformierter Theologe, Moderator des Reformierten Bundes und leitendes Mitglied der Bekennenden Kirche
  • Paul Gerhard Hosemann (1879–1958), Professor für Chirurgie an der Universität Freiburg und Leiter des dortigen Diakonissenkrankenhauses
  • Ludwig Heitmann (1880–1953), lutherischer Theologe und Mitbegründer der Berneuchener Bewegung
  • Hermann Schafft (1883–1959), evangelischer Theologe, religiöser Sozialist, Herausgeber der Zeitschrift "Neuwerk" und Regierungsdirektor in Kassel
  • Adolf Hofmeister (1883–1956), Historiker und Professor an der Universität Greifswald
  • Ernst Steiner (1885–1942), evangelischer Theologe, Mitglied des Kaufmann-Will-Kreises und Opfer des Nationalsozialismus
  • Otto Ohl (1886–1973), evangelischer Theologe, Vizepräsident des Zentralausschusses für Innere Mission und Vorsitzender der Diakonischen Konferenz
  • Hugo Hahn (1886–1957), lutherischer Theologe und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
  • Paul Tillich (1886–1965), evangelischer Theologe und Religionsphilosoph, Professor in Harvard
  • Paul Gerhard Braune (1887–1954), evangelischer Pfarrer, Leiter der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal und „Euthanasie“-Gegner sowie Präsident des Zentralausschusses der Inneren Mission (Ost)
  • Emanuel Hirsch (1888–1972), evangelischer Theologe
  • Friedrich August Pinkerneil (1890–1967), deutscher Wirtschaftsfunktionär und Politiker (DVP)
  • Helmuth Schreiner (1893–1962), lutherischer Theologe und Professor für Praktische Theologie
  • Heinz Kappes (1893–1988), evangelischer Theologe, Übersetzer und religiöser Sozialist
  • Joachim Pfannschmidt (Pastor) (1896–1945), lutherischer Theologe, Pfarrer und Mitglied der Bekennenden Kirche
  • Harald Braun (1901–1960), Leiter des evangelischen Pressedienstes, Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor
  • Wilhelm Pauck (1901–1981), evangelischer Theologe und Professor für Kirchengeschichte
  • Gerhard Pfefferkorn (1913–1989), Entwickler des Rasterelektronenmikroskopes
  • Martin Beer (1950–2011), evangelischer Theologe und Prediger am Berliner Dom

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus dem Wingolf, Halle, 1853, Berliner Wingolf
  • Aus dem Wingolf, Marburg, 1860, Berliner Wingolf, S. 1 ff
  • Aus dem Wingolf, Blütenlese, 1875, Berliner Wingolf
  • Otto Koch: Geschichte des Berliner Wingolfs in: Hans Waitz: Geschichte der Wingolfsverbindungen, Verlag des Verbandes alter Wingolfiten, Darmstadt 1914, S. 3 ff
  • D. Hans Waitz: Geschichte des Wingolfsbundes; Darmstadt 1926

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vademecum Wingolfiticum 2005 (Berliner Wingolf)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]