Bettina Eichin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bettina Eichin (* 16. Januar 1942 in Bern) ist eine Schweizer Bildhauerin.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulptur «Helvetia auf der Reise» in Basel

Von 1960 bis 1964 besuchte sie die Kunstgewerbeschule Bern. 1964 schloss sie die Ausbildung als erste Steinmetzin der Schweiz ab, drei Jahre später schloss sie die Ausbildung als Steinbildhauerin ab.

1964 erste unabhängige Arbeiten auf Patmos, Figuren aus Lavagestein. 1965 erste Einzelausstellung in Bern. Während der Jahre 1965 bis 1966 arbeitete sie in der Münsterbauhütte Bern (Berner Münster) bei der Erneuerung der «Klugen und törichten Jungfrauen» am Hauptportal des Münsters mit. Sie beteiligte sich am Kampf um gleichen Lohn für Frauen und Männer als erstes weibliches Mitglied des Bau- und Holzarbeiterverbandes der Schweiz.

1966 restauriert sie antike Skulpturen bei Ausgrabungen und in Museen auf Samos. 1967 Heirat mit dem österreichischen Archäologen Gerhard Hiesel, Restaurierungsarbeiten bei der Ausgrabung im Kabirion bei Theben. Von 1967 bis 1977 entstanden eigene Arbeiten aus griechischem Marmor, Tessiner Cristallinamarmor und spanischem Kalkstein in Hamburg, Athen, Freiburg und Wildtal, Restaurierungsarbeiten bei Ausgrabungen in Tiryns. 1969 Geburt des Sohnes Florian.

Von 1972 bis 1980 kulturpolitische Tätigkeit in Freiburg i.Br. für den Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler und für die Gewerkschaft Kunst im DGB. Sie war Vorsitzende von Südbaden, Landesvorsitzende von Baden-Württemberg und Mitglied des Bundesvorstandes im Einsatz für die Mitbestimmung der Künstlerinnen und Künstler auf allen politischen Ebenen und zur Einrichtung von Atelier- und Künstlerhäusern in Künstlerselbstverwaltung.

1978 bekam sie Erste Preise bei den Wettbewerben «Mittlere Rheinbrücke Basel» und «Fußgängerzone Freiburg im Breisgau».

Bettina Eichin arbeitet seit 1979 vorwiegend in Basel.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markttische, Tisch mit Obst und Gemüse, Detail, Kreuzgang des Münsters Basel

Mit dem Wunsch freischaffende Bildhauerin zu werden, absolviert Bettina Eichin ab 1960 die Kunstgewerbeschule in Bern und gleichzeitig eine Steinmetz- und Steinbildhauerlehre zuerst in Thun und danach in der Münsterbauhütte Bern.

Sie beginnt 1960 mit organisch abstrahierten figürlichen Arbeiten in Stein.

Ihre späteren Steinskulpturen lösen sich von der figürlichen Abstraktion und tendieren zu einer fast ironisch vervielfältigten Symbolhaftigkeit. 1978 wendet sie sich der Kunst im öffentlichen Raum, dem Ausdrucksmittel des poetischen Realismus und dem Werkstoff Bronze zu.

Die monumentalen Bronzefiguren, Stillleben und Ensembles für den öffentlichen Raum, enthalten engagierte Botschaften, woraus sich erklärt, dass die Auftraggeber mit der Platzierung ihrer Werke oft Mühe bekunden.

Den Entwürfen geht eine intensive intellektuelle Auseinandersetzung mit dem selbstgewählten Thema und dem Ort voraus.[2] Künstlerisch zwischen Realismus und Objektkunst angesiedelt, haben die Werke durch wirksam eingesetzte Symbole und Texte Denkmalcharakter. Ikonografisch Vertrautes wird durch die Kombination mit Symbolen verfremdet. Bettina Eichin bedient sich, auch in den Stillleben und Objekten, trotz vordergründigem Realismus eines surrealen Gestaltungsprinzips. Die Modellierung ihrer Arbeiten für den direkten Bronzeguss (Wachsausschmelzverfahren) gibt den Unikaten eine unverwechselbare Handschrift.

Ihre Werke im öffentlichen Raum sind Menetekel, rufen unerfüllte und beschädigte Ideale in Erinnerung. Schwerpunkte der Arbeit waren Frauen, Stillleben, Texte, Öffentliche Ankäufe, Ausstellungen im In- und Ausland.

In den 1980er Jahren erhielt sie den Auftrag der Firma Sandoz, zum 100-jährigen Jahrestag seit Gründung der Firma eine Skulptur zu fertigen, die dann der Stadt Basel geschenkt werden sollte. Mitten der Arbeiten kam es zu dem damals viel besprochenen Unglück auf dem Industriegelände Schweizerhalle und der folgenden Umweltkatastrophe. Eichin entschloss sich, ihr Konzept zu ändern und fertigte den zweiten Teil des Werkes Markttische mit einem Hinweis an die Katastrophe. Dadurch wurde ihr der Auftrag entzogen und das Werk konnte nur provisorisch untergebracht werden, bis es 2010 den endgültigen Standort im kleinen Kreuzgang des Basler Münsters fand.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verena-Brunnen im Kurpark Zurzach
  • 1979 Ausführung «Helvetia auf der Reise», Basel[4]
  • 1982 «Schlafende Muse», große Stillleben in Bronze
  • 1984 Auftrag der Stadt Freiburg für «Neun Musen»
  • 1986 Markttische, Stillleben, Kreuzgang Basler Münster
  • 1990 Verena-Brunnen im Kurpark Zurzach
  • 1994 Kleiner Brunnen gegen die Zollfreistrasse in Riehen
  • 1995 Brunnen für Matthias von Neuenburg, Neuenburg am Rhein
  • 1997 «Mnemosyne» Gemeinschaftsgrab Friedhof Blözen in Pratteln
  • 1997–2007 Auftrag und Arbeit am Menschenrechtsdenkmal Basel
  • 2000 «Menschenrechte 1776, 1789, 1791», Bundeshaus Bern
  • 2001 Muse II (Abformung) Schosshaldenfriedhof, zur Erinnerung an die Eltern. Geschenk an die Stadt Bern.
  • 2002 Erinnerung an Peter Ochs, Predigerkirche Basel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebensdaten in SIKART, Lexikon zur Kunst in der Schweiz.
  2. Siehe Christian Düblins ausführliches Gespräch mit Bettina Eichin in: Monatsinterview Dezember: Bettina Eichin 2010, Plattform Xecutives.net (unter Weblinks).
  3. Philipp Probst: Das grösste Kunsthappening der Schweiz, Plattform Infosperber, 21. Oktober 2011, online auf: infosperber.ch/...
  4. Zu einigen ihrer Werke siehe Interview von Christian Düblin 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bettina Eichin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Christian Düblin: Monatsinterview Dezember: Bettina Eichin 2010. Plattform xecutives.net/..., längeres Interview zu einigen ihrer Werke
  • Lexikon zur Kunst in der Schweiz Brigitte Meles: Eichin, Bettina. In: Sikart