Area Control Centre

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Fluglotsen im ARTCC Washington

Als Area Control Centre,[1] abgekürzt ACC oder Center (in Deutschland auch Bezirkskontrollstelle, in den USA Air Route Traffic Control Center, ARTCC), werden Flugsicherungszentralen bezeichnet, die den en-route Flugverkehr im zugewiesenen Luftraum (Fluginformationsgebiet, FIR) kontrollieren. Centerlotsen übernehmen Flugzeuge nach dem Start von den Towerlotsen am Flugplatz und übergeben sie nach Durchfliegen des eigenen Sektors an ein benachbartes Center beziehungsweise an einen Tower unmittelbar vor der Landung. Center unterscheiden sich in solche für den unteren Luftraum (bis etwa 8 km, Flugfläche 245) und solche für den oberen Luftraum, genannt UAC (Upper Area Control Centre). Sie werden in der Regel als staatliche Einrichtungen betrieben, die in Deutschland hierfür zuständige Deutsche Flugsicherung ist jedoch ein beliehenes Unternehmen. Die Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche der Area Control Centre werden von der ICAO festgelegt.

Aufgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fluglotsen im Center lenken den Flugverkehr mit Hilfe von Anweisungen (Freigaben), die mittels Flugfunk oder direkter Datenübermittlung (Data Link) an die Piloten übermittelt werden. Zur visuellen Darstellung des Luftverkehrs auf Sichtgeräten stehen den Lotsen Radar bzw. satellitengestützte Erfassungssysteme zur Verfügung. Zahlreiche weitere technische Systeme, wie etwa boden- und bordgestützte Kollisionswarnsysteme, unterstützen die Arbeit.

Traditionell sind die Center für die Streckenflüge (enroute traffic) zuständig. Das ist jener Teil eines Flugprofils, in dem ein Flugzeug die Steigphase nach dem Start beendet hat und in den Streckenflug übergeht. Umgekehrt endet der Streckenflug dann, wenn das Flugprofil in die Phase des Sinkflugs für Anflug und Landung übergeht. Wieder muss man sagen, dass sich diese Definition aufgrund der Leistungsdaten moderner Hochleistungsflugzeuge kaum noch aufrecht halten lässt. Die Steigflugphasen auf den sogenannten Abflugstrecken enden meist erst in Flughöhen oberhalb von 8 km. Umgekehrt wollen Piloten aus ökonomischen Gründen den Sinkflug erst so spät wie möglich beginnen und möglichst kontinuierlich bis kurz vor der Landung beibehalten. Die Prozesse der Umgestaltung und Harmonisierung europäischer Lufträume tragen diesen sich verändernden Bedingungen Rechnung und werden wohl in naher Zukunft zu einer weitreichenden Neuordnung der Lufträume und damit der Zuständigkeitsbereiche führen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständigkeitsbereiche über dem Nordatlantik

Je nach Größe des Staatsgebietes teilen sich ein oder mehrere Area Control Centre die zu bearbeitenden Lufträume. Vereinzelt gibt es auch transnationale Einrichtungen, zum Beispiel in Maastricht.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland hat drei ACC (München, Bremen und Langen) und zwei UACC (Karlsruhe und Maastricht). Die drei ACC und das UACC Karlsruhe werden von der Deutschen Flugsicherung (DFS) betrieben. Das Center in Langen ist seit 1999 die größte Kontrollzentrale in Europa. Das UACC Maastricht ist in der europäischen Flugsicherungswelt ein Sonderfall und wird nicht von der DFS, sondern von der europäischen Flugsicherungsagentur Eurocontrol betrieben. Die Kontrollstelle im niederländischen Maastricht kontrolliert die oberen Lufträume der Beneluxstaaten und über Norddeutschland.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich hat ein ACC in Wien.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweiz hat je ein ACC in Zürich und Genf.

Angrenzende europäische Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen liegen die ACC Amsterdam, Brüssel und Reims, im Süden Mailand und Ljubljana, im Osten Prag und Budapest, um nur einige zu nennen.

Die „Übergabe“ der Flugzeuge an das jeweils nächste ACC ist auch über Staatsgrenzen hinweg durch internationale Verfahren geregelt.

Wenn es die Art des Luftverkehrs oder die Lage der Lufträume erfordert, werden Zuständigkeiten der Flugverkehrskontrolle komplett an benachbarte Center delegiert. So kontrolliert zum Beispiel die schweizerische Flugsicherungsorganisation Skyguide Teile des süddeutschen und des ostfranzösischen Luftraums, das deutsche Center in München ist für bestimmte Überflüge des west-österreichischen Luftraums verantwortlich.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA gibt es 22 Center, die von der Federal Aviation Administration (FAA) betrieben werden. Diese werden dort als Air Route Traffic Control Center (ARTCC) bezeichnet.

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanada hat sieben Center, die von NAV CANADA betrieben werden. Die sieben Center sind in Edmonton, Gander, Moncton, Montreal, Toronto, Vancouver und Winnipeg.

Arbeitsteilung der ACC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intern sind die ACC in mehrere Kontrollsektoren gegliedert. München Information ist zum Beispiel in drei Sektoren aufgeteilt:

  • Der südliche Sektor (Frequenz 126,950 MHz) beginnt an den Alpen (nördlich der ACC Wien bzw. ACC Zürich am Bodensee) und reicht etwa zur Linie Flughafen München und Verkehrslandeplatz Augsburg.
  • Der mittlere Sektor (Frequenz 120,650 MHz) beginnt dort und reicht bis zum Flughafen Nürnberg.
  • Der nördliche Sektor von München Information (Frequenz 125,800 MHz) beginnt dort und reicht im Norden bis zum Harz. Nördlich davon beginnt das ACC Bremen (Bremen Information).

In den Sektoren nehmen zumeist zwei Fluglotsen ihre Aufgaben wahr:

  • Einer von beiden, der Planungs- oder Koordinatorlotse, plant anhand der vorliegenden Flugdaten den Flugverkehr und koordiniert die vorgesehenen Flugprofile mit den Nachbarsektoren.
  • Der andere, der Radar- oder Ausführende Lotse (Executive Controller) übernimmt die taktische Lenkung des Flugverkehrs, ist für die Staffelung zwischen den Luftfahrzeugen verantwortlich und steht mittels Flugfunk in direktem Kontakt mit den Piloten.

Weitere Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Fluges wird der Fluginformationsdienst FIS (Flight Information Service) im kontrollierten wie unkontrollierten Luftraum für Flüge nach Sichtflug- (VFR) wie für Flüge nach Instrumentenflug-Regeln (IFR) angeboten. Am Boden, vor dem Flug, wird der Flugberatungsdienst AIS (Aeronautical Information Service) angeboten. Vom Umfang und vom Wesen der angebotenen Informationen sind beide Dienste gleich, der „AIS“ steht vor dem Flug am Boden, der „FIS“ steht während des Fluges zur Verfügung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständig für deutschen Luftraum:

Für Österreich und die Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Bezeichnung gemäß ICAO, vgl. Air Traffic Services Planning Manual, S. 209