Biblia Hebraica

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Unter dem Namen Biblia Hebraica wurden textkritische Handausgaben des Tanachs (auch: Hebräische Bibel) publiziert, die insbesondere den Bedürfnissen historisch-kritischer Bibelwissenschaft Rechnung tragen sollen. Neben frühen Ausgaben erschienen seit Anfang des 20. Jahrhunderts verschiedene Editionen unter dem Dach protestantischer Bibelgesellschaften. Zunächst auf der Grundlage der Mikraot Gedolot, der zweiten Rabbinerbibel von Jacob ben Chaijim aus dem Jahre 1524, und ohne masoretische Randnotizen (BHK1 und BHK2), seit der 3. Auflage der Kittelbibel (BHK3, Erscheinungsbeginn 1929) auf der Grundlage des Codex Petropolitanus/Leningradensis B 19A (Codex L) aus der russischen Nationalbibliothek St. Petersburg und mit masoretischen Randnotizen. Seit 1951 (zunächst in Nachdrucken der BHK3) wurden außerdem sukzessive im textkritischen Apparat die Schriftrollen vom Toten Meer berücksichtigt, die etwa 1000 Jahre älter sind als der Codex L.[1][2]

Ausgaben der Biblia Hebraica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Ausgaben der Biblia Hebraica (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Heinrich Michaelis, Biblia Hebraica, Halle 1720
  • Ḥumash neviʾim ketuvim; Jacob ben Hayyim ben Isaac ibn Adonijah; Venedig, Bomberg; 1526 (auch bekannt als hebräischer Textus Receptus)[3];
  • Torah Neviʾim u-Khetuvim; Leusden, Johannes; Amstelodamum: Athias, 1667;
  • Biblia Hebraica; ex recensione Danielis Ernesti Jablonski; Jablonski, Daniel E. [Hrsg.]; Berolini: 1699;
  • עשרים וארבע ספרי הקדש (ʿÄśrīm we-arbaʿ sifrē haq-qodäš) sive Biblia Hebraica, ex aliquot manuscriptis et compluribus impressis codicibus, item Masora tam edita, qvam manuscripta, aliisque Hebraeorum criticis diligenter recensita; Johann Heinrich Michaelis, Halae: Orphanotrophei, 1720 (siehe die nebenstehende Titelseite);
  • Torah Neviʾim u-Khetuvim; secundum editionem Belgicam Everardi van der Hooght collatis aliis bonae notae codicibus una cum versione Latina Sebastiani Schmidii; Biblia Hebraica; Schmidt, Sebastian; Lipsiae: Deer, 1740;
  • Biblia hebraica; secundum ultimam editionem Jos. Athiae, a Johanne Leusden denuo recognitam, recensita variisque notis ltinis illustrata ab Everardo van der Hooght; Athias, Joseph; Philadelphiæ: Cura et impensis Thomæ Dobson edita ex ædibus lapideis; 1814.

Biblia Hebraica (Kittel) (BHK)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten drei Ausgaben der Biblia Hebraica (im engeren Sinne) wurden von dem Hebraisten Rudolf Kittel herausgegeben (deren letzte oft einfach zitiert als Biblia Hebraica Kittel bzw. BHK; genauer BHK3).

Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psalm 1, Verse 1 und 2 nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia, mit Teamim. OT

Die nachfolgende Ausgabe war die im Auftrag der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart von Karl Elliger (1901–1977) und Wilhelm Rudolph in zahlreichen Auflagen herausgegebene Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS), die erstmals zwischen 1967 und 1977 in aufeinander folgenden Heften herausgebracht wurde. Anlass für den Namenswechsel war die komplette Überarbeitung des textkritischen Apparates und die kritische, vollständige Herausgabe der Masora parva am Rande des Texts zusammen mit dem System der Verweise an die Masora magna des Codex L. Wie die BHK übernimmt die BHS den masoretischen Text des Codex Leningradensis/Petropolitanus (L), der, soweit bekannt, „die älteste datierte Handschrift der vollständigen hebräischen Bibel“[4] ist. Im Unterschied zum Codex L sind in der BHS die Bücher 1./2. Chronik am Ende des Kanons angeordnet worden.

Biblia Hebraica Quinta (BHQ)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 werden unter dem Namen Biblia Hebraica Quinta (BHQ) Teile einer neuen Edition publiziert, die zusätzliche Textvarianten (u. a. die nicht-orthographischen Varianten der sog. Qumran-Handschriften) sowie die Masora parva und die Masora magna des Codex L enthalten. Der Bedeutung der Ausgabe in der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft entsprechend ist die Standardsprache für Erläuterungen nun Englisch (Einführungen zudem in Deutsch und Spanisch).

Chronologie der Veröffentlichungen (BHK, BHS, BHQ)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Ausgaben der BHS/BHQ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wissenschaftliche Bibelausgaben. Deutsche Bibelgesellschaft, abgerufen am 10. Februar 2016.
  2. Biblia Hebraica Quinta (BHQ). Deutsche Bibelgesellschaft, abgerufen am 10. Februar 2016.
  3. vgl. Deutsche Bibelgesellschaft zur BHK
  4. BHS, 19975, S. V
  5. Deutsche Bibelgesellschaft: Biblia Hebraica Quinta Hiob. In: die-bibel.de. Abgerufen am 15. Oktober 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]