Biblia Hebraica

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Dieser Artikel behandelt spezielle Veröffentlichungen der Hebräischen Bibel / des Tanach, welche sich an den Urtexten orientieren. Zur weiteren Bedeutung siehe Biblia Hebraica (Begriffsklärung)

Unter dem Namen Biblia Hebraica wurden textkritische Handausgaben des Tanachs (auch: Hebräische Bibel) publiziert, die insbesondere den Bedürfnissen historisch-kritischer Bibelwissenschaft Rechnung tragen sollen. Neben frühen Ausgaben erschienen seit Anfang des 20. Jahrhunderts verschiedene Editionen unter dem Dach protestantischer Bibelgesellschaften. Zunächst auf der Grundlage eines Mikraot Gedolot, der zweiten Rabbinerbibel von Jacob ben Hajjim aus dem Jahre 1524, und ohne masoretische Randnotizen (BHK 1 & 2), seit der 3. Auflage 1937 (BHK 3) auf der Grundlage des Codex Leningradensis B 19A aus der Nationalbibliothek St. Petersburg (darum jetzt gelegentlich auch Codex Petropolitanus genannt) und mit masoretischen Randnotizen. Seit der aktuellen 5. Auflage (BHQ) wurden außerdem die Qumranschriften/Schriftrollen vom Toten Meer berücksichtigt, die etwa 1000 Jahre älter sind als der Codex Leningradensis.[1] [2]

Ausgaben der Biblia Hebraica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Ausgaben der Biblia Hebraica (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ḥumash neviʾim ketuvim; Jacob ben Hayyim ben Isaac ibn Adonijah; Venedig, Bomberg; 1526 (auch bekannt als hebräischer Textus Receptus)[3];
  • Torah Neviʾim u-Khetuvim; Leusden, Johannes; Amstelodamum; 1667; Athias;
  • Biblia Hebraica; ex recensione Danielis Ernesti Jablonski; Jablonski, Daniel E. [Hrsg.]; Berolini : 1699;
  • Torah Neviʾim u-Khetuvim; secundum editionem Belgicam Everardi van der Hooght collatis aliis bonae notae codicibus una cum versione Latina Sebastiani Schmidii; Biblia Hebraica; Schmidt, Sebastian; Lipsiae : Deer, 1740;
  • Biblia hebraica; secundum ultimam editionem Jos. Athiae, a Johanne Leusden denuo recognitam, recensita variisque notis ltinis illustrata ab Everardo van der Hooght; Athias, Joseph; Philadelphiæ : Cura et impensis Thomæ Dobson edita ex ædibus lapideis; 1814.

Biblia Hebraica (Kittel) (BHK)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Biblia Hebraica (Kittel)

Die ersten drei Auflagen der Biblia Hebraica (im engeren Sinne) wurden von dem Hebraisten Rudolf Kittel herausgegeben (deren letzte üblicherweise zitiert als Biblia Hebraica Kittel bzw. BHK).

Biblia Hebraica Suttgartensia (BHS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psalm 1, Verse 1 und 2 nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia, mit Teamim. OT

Die nachfolgende Ausgabe war die im Auftrag der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart von Karl Elliger (1901–1977) und Wilhelm Rudolph in zahlreichen Auflagen herausgegebene Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS), die erstmals zwischen 1967 und 1977 in aufeinander folgenden Heften herausgebracht wurde. Anlass für den Namenswechsel war die komplette Überarbeitung des textkritischen Apparates und die kritische, vollständige Herausgabe der Masora parva am Rande des Texts zusammen mit dem System der Verweise an die Masora magna. Wie die BHK übernimmt die BHS den masoretischen Text des Codex Leningradensis/Petropolitanus, der, soweit bekannt, „die älteste datierte Handschrift der vollständigen hebräischen Bibel“[4] ist. Anders als der Codex Leningradensis/Petropolitanus sind in der BHS die Bücher 1./2. Chronik am Ende des Kanons angeordnet worden.

Biblia Hebraica Quinta (BHQ)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 werden unter dem Namen Biblia Hebraica Quinta (BHQ) Teile einer neuen Edition publiziert, die zusätzliche Textvarianten (u. a. sämtliche Varianten der sog. Qumran-Handschriften) sowie die gesamte Ausgabe der Masora magna enthalten. Der Bedeutung der Ausgabe in der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft entsprechend ist die Standardsprache für Erläuterungen nun Englisch (Einführungen zudem in Deutsch und Spanisch).

Chronologie der Veröffentlichungen (BHK, BHS, BHQ)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1906: Herausgabe der Biblia Hebraica (1. Auflage) durch Rudolf Kittel auf der Grundlage des Textus receptus von Ben Chajim.
  • 1925: Die Württembergische Bibelanstalt in Stuttgart übernimmt die Biblia Hebraica (2. Auflage).
  • 1937: Herausgabe der Biblia Hebraica (3. Auflage), durch Rudolf Kittel, Otto Eißfeldt, Albrecht Alt und Paul Kahle auf der Grundlage des Ben-Ascher-Textes (in Form des Leningrader Codex von 1008 n. Chr.) neu bearbeitet.
  • 1955: Letzte Auflage der kittelschen Biblia Hebraica (9. Auflage).
  • 1966–1967: Neubearbeitung der Biblia Hebraica und Umbenennung in Biblia Hebraica Stuttgartensia durch Karl Elliger und Wilhelm Rudolph.
  • 1997: Letzte Überarbeitung der Biblia Hebraica Stuttgartensia (5. Auflage).
  • 2004: Veröffentlichung des ersten Bandes der Biblia Hebraica Quinta (BHQ).

Aktuelle Ausgaben der BHS/BHQ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wissenschaftliche Bibelausgaben. Deutsche Bibelgesellschaft, abgerufen am 10. Februar 2016.
  2. Biblia Hebraica Quinta (BHQ). Deutsche Bibelgesellschaft, abgerufen am 10. Februar 2016.
  3. vgl. Deutsche Bibelgesellschaft zur BHK
  4. BHS, 19975, S. V

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]