Albrecht Alt

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Albrecht Alt, Alttestamentler in Leipzig (1925)

Albrecht Alt (* 20. September 1883 in Stübach bei Diespeck (Franken); † 24. April 1956 in Leipzig) war ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Altes Testament in Greifswald, Basel, Halle und Leipzig. Seine Schwerpunkte waren Geographie, Sozialgeschichte und Recht Israels und der umliegenden Länder zu biblischen Zeiten, und er führte die territorialgeschichtliche Methode in die Theologie ein.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht Alt wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf, nämlich in Stübach. Sein Vater, Friedrich Alt, verstarb 1898, seine Mutter Caroline geb. Alt 1929. Die Vorfahren waren bis ins 17. Jahrhundert meist Pfarrer oder Lehrer.[1]

Von 1894 bis 1898 besuchte er das Progymnasium in Neustadt an der Aisch, absolvierte 1898 bis 1902 das Gymnasium in Ansbach und studierte von 1902 bis 1906 Evangelische Theologie an der Universität Erlangen und der Universität Leipzig. Schon als Gymnasiast erlernte er neben dem Hebräischen weitere altorientalische Sprachen; später beherrschte er das palästinensische Arabisch fast wie ein Einheimischer.[2]

Als er Kandidat des Predigtamts war, ermöglichte ihm ein Stipendium der bayerischen Landeskirche die Teilnahme an einem Lehrkursus des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes: eine für Alts weiteren theologischen Weg prägende Erfahrung (Januar bis Mai 1908).[3] Im selben Jahr 1908 wurde er Inspektor des Theologischen Studienhauses in Greifswald. Er wurde 1909 in Greifswald zum Lizentiaten promoviert und 1912 Extraordinarius: 1909 reichte er die Schrift Israel und Ägypten als Promotion und gleichzeitige Habilitation an der Universität Greifswald ein.[4] 1912/1913 war er Mitarbeiter des Jerusalemer Instituts und suchte auch weiter nach Möglichkeiten, in Palästina tätig zu sein.

In seiner Studienzeit war Alt Mitglied der christlichen Studentenverbindungen Erlanger Wingolf, Leipziger Wingolf und Münchener Wingolf.[5]

1912 wurde Alt außerordentlicher Professor in Greifswald, 1914 dann neben Bernhard Duhm ordentlicher Professor an der Universität Basel. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der Deutschen Orientarmee als Sanitäter und schließlich als Leiter der kartografischen Abteilung und Mitarbeiter des Deutsch-Türkischen Denkmalschutzkommandos. Nach dem Krieg war er zeitweise wieder Professor in Basel, später Propst der Erlöserkirche in Jerusalem. 1921 wurde er auf eine Professur an der Theologischen Fakultät Halle berufen, 1923 an die Universität Leipzig, allerdings mit einem Jahr Beurlaubung für die Beendigung der Tätigkeiten in Jerusalem.

In den akademischen Sommerferien der Jahre 1924 bis 1931 hielt Albrecht Alt Lehrkurse in Jerusalem, denen er nach eigenem Bekunden für seine eigene Forschung viel verdankte. Nach 1935 kam er nicht mehr nach Palästina.[6] Die 1920er und frühen 1930er Jahre werden von Rudolf Smend als Höhepunkt von Alts wissenschaftlicher Tätigkeit bezeichnet.[7] In rascher Folge erschienen mehrere grundlegende Arbeiten, wie für Alt typisch, waren dies kleine Schriften, unter anderem:

  • 1925 Die Landnahme der Israeliten in Palästina;
  • 1925 Judas Gaue unter Josia;
  • 1925 Jerusalems Aufstieg;
  • 1927 Das System der Stammesgrenzen im Buche Josua;
  • 1929 Der Gott der Väter;
  • 1929 Das System der assyrischen Provinzen auf dem Boden des Reiches Israel;
  • 1930 Die Staatenbildung der Israeliten in Palästina;
  • 1934 Die Ursprünge des israelitischen Rechts;
  • 1934 Die Rolle Samarias bei der Entstehung des Judentums.

Alt sympathisierte nicht mit dem Nationalsozialismus und trat keiner seiner Organisationen bei, sondern er versuchte seine wissenschaftliche Arbeit und theologische Lehre gut auszuführen und viel davon in die Nachkriegszeit zu retten. 1934 trat er in zwei Veröffentlichungen gegen die antisemitische Benutzung des Alten Testaments ein.[8] In Abgrenzung zu Emanuel Hirsch und Walter Grundmann betonte er 1939 in einer Artikelreihe, die Bevölkerung Galiläas sei überwiegend jüdisch gewesen, und die bei Deutschen Christen beliebte Spekulation über eine nichtjüdische Abstammung Jesu von Nazareth sei daher haltlos.[9]

1941 bis 1947 musste er die alttestamentliche Wissenschaft einschließlich des Hebräischunterrichts in Leipzig alleine bestreiten, weil seine beiden Assistenten in die Reichswehr eingezogen wurden und im Krieg fielen. In dieser Zeit widmete er über 20 Wochenstunden, einmal sogar 29, der akademischen Lehre.[10]

In Leipzig lehrte er noch bis Herbst 1955, im Frühling 1956 starb er an Lungenkrebs.[11]

Grabstein von Albrecht Alt auf dem Leipziger Südfriedhof

Bekannte Schüler Albrecht Alts waren Gerhard von Rad, Martin Noth, Siegfried Herrmann und Herbert Donner.

Albrecht Alt war seit 1938 mit der promovierten Kunsthistorikerin und Lektorin Hildegard Lange verheiratet.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht Alt war gegenüber verschiedenen Forschungsansätzen offen und machte sie für die alttestamentliche Wissenschaft fruchtbar: ihn beeinflussten die Historiker Eduard Meyer und Albert Hauck sowie der Soziologe Max Weber.[12] Alt entwickelte ein Bild der Frühzeit Israels, das sich deutlich von der biblischen Darstellung unterschied. Im Gegensatz zu den Eroberungs- und Zerstörungserzählungen im Buch Josua ging er von einer im Wesentlichen friedlichen Landnahme der Israeliten aus; im Rhythmus der Transhumanz seien die Israeliten allmählich aus der Steppe ins Kulturland vorgedrungen. (Gerade in der deutschen alttestamentlichen Wissenschaft nach 1945 hatte Alts Modell eine hohe Attraktivität, als Gegenentwurf zu der gewaltsamen Landnahme in der nationalsozialistischen Ideologie.)

Bei der sich anschließenden Periode der Staatsgründung Israels änderte sich Alts Zugangsweise, er stellte das „politische Genie“ Davids in den Mittelpunkt. Zug um Zug, die Gunst der Stunde nutzend, habe David dieses neue Staatswesen aufgebaut und ein „Großreich“ geschaffen. Rudolf Smend kommentierte, es sei schwer vorstellbar, dass Alt dabei nicht das Werk Bismarcks vor Augen gehabt habe.[13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke in Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Gott der Väter. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der israelitischen Religion (= Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament 3,12); Kohlhammer: Stuttgart 1929.
  • Die Herkunft der Hyksos in neuer Sicht (= Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-historische Klasse 101,6); Akademie-Verlag: Berlin 1954.
  • Kleine Schriften zur Geschichte des Volkes Israel. Auswahl in einem Band; Evangelische Verlags-Anstalt: Berlin 1962 [1963].
  • Der Stadtstaat Samaria (= Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-historische Klasse 101,5); Akademie-Verlag: Berlin 1954.
  • Die Ursprünge des israelitischen Rechts (= Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse 86,1); Hirzel: Leipzig 1934.
  • Völker und Staaten Syriens im frühen Altertum (= Der alte Orient: gemeinverständliche Darstellungen 34,4); Hinrichs: Leipzig 1936.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 293.
  2. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 303.
  3. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 294.
  4. Von diesem Werk distanzierte Alt sich später, vgl. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 298.
  5. August Winkler: Vademekum Wingolfitikum, Wingolfsverlag, Wolfratshausen 1925, S. 159.
  6. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 295.
  7. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 300.
  8. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 287. Vgl. Albrecht Alt: Der falsche und der wahre Gott des Alten Testaments (1934) und Albrecht Alt, Joachim Begrich, Gerhard von Rad: Führung zum Christentum durch das Alte Testament (1934).
  9. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 287f.
  10. Rudolf Smend: Albrecht Alt 1883–1956, 1984, S. 289.
  11. Robert Neuwirt: Albrecht Alt, Baudenbach Jahr unbekannt
  12. Eckhard Lessing: Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Theologie von Albrecht Ritschl bis zur Gegenwart. 1918-1945. Band 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-56954-8, S. 176.
  13. Rudolf Smend: Kritiker und Exegeten. Porträtskizzen zu vier Jahrhunderten alttestamentlicher Wissenschaft. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, ISBN 978-3-525-53142-6, S. 667.
  14. Sebastian Grätz: Alt, Albrecht. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
VorgängerAmtNachfolger
Gustaf DalmanEvangelisch-Lutherischer Propst zu Jerusalem
1921–1922
Hans Wilhelm Hertzberg